| 02:37 Uhr

Spießige Fleischeslust

Schaschlikessen im Gasthof "Zum Elstertal" in Zeischa: Ein beim Umzug zur 625-Jahrfeier in Zeischa entstandenes Foto war Grundlage für den RUNDSCHAU-Reimwetbewerb. Die Sieger genossen kürzlich Schaschlik satt für ihre Kreativität.
Schaschlikessen im Gasthof "Zum Elstertal" in Zeischa: Ein beim Umzug zur 625-Jahrfeier in Zeischa entstandenes Foto war Grundlage für den RUNDSCHAU-Reimwetbewerb. Die Sieger genossen kürzlich Schaschlik satt für ihre Kreativität. FOTO: Mona Claus/mcl1
Zeischa. "Das schmeckt einfach nur lecker", lautete das einhellige Urteil der geladenen Gäste. Astrid Dehnz, die Wirtin vom Gasthof "Zum Elstertal" in Zeischa, hatte kürzlich die Gewinner des RUNDSCHAU-Reimwettbewerbes zu "Schaschlik satt" eingeladen. Zu den Spießen gab es eine Salatgarnitur, Bratkartoffeln und viel Soße – so wie es in Zeischa seit Jahrzehnten Tradition ist. Mona Claus / mcl1

Michael Ihlo, der Küchenchef des Gasthauses, mehr unter dem Namen Micki bekannt, schritt während des Festumzuges zur 625-Jahrfeier im Ort Zeischa mit einem übergroßen Schaschlikspieß über der Schulter durch die Straßen. Das sorgte nicht nur für so manches Schmunzeln in den Gesichtern umstehender Gäste, die Fotoapparate klickten über diese tolle Idee. Originell fand das auch die RUNDSCHAU, sie forderte ihre Leser auf, den passenden Reim für dieses Fotomotiv zu liefern. E-Mail-Postfach und Hauspostkasten wurden reichlich strapaziert. Mit der Gasthauschefin ging es in die Auswertung - als Preis winkte für die fünf besten Reimer ein Schaschlik-Essen. Nach der Auswertung der Reime entschied die Wirtin, acht mal zwei Personen an den Tisch zu bitten.

Dreimal Nachschlag

Dreimal musste der Küchenchef Nachschlag für die hungrige Gästeschar holen, was zeigt, dass es schmeckt. Micki gab zudem so manche Küchenweisheit von sich, schließlich kocht er seit fast 25 Jahren in diesem Haus. Er kennt den Geschmack der Hiesigen. Durch den Reimwettbewerb in aller Munde wird er nicht selten als der Schaschlik-Koch benannt. Während der Döllinger Apfeltage gab es den Fleischspieß, wie sollte es anders sein, natürlich mit Apfel. Das Obst in Bauchspeck mit einem frischen Lorbeerblatt gewickelt, dazu Schweinefilet, Stücke von einer scharfen Salami drauf und blaue Zwiebeln - "lecker", meinten die Gäste.

In Zeischa stecken auf 22 Zentimetern Spießlänge Leber, Zwiebel, Gewürzgurke, Speck und mageres Schweinefleisch, verrät der Koch. Scharf angebraten wird mit Brühe abgelöscht - so habe er es in der Ausbildung gelernt. Dann schmort der Spieß 20 Minuten abgedeckt bis zum Servieren. Nachgefragt bei den Gästen, wann das letzte Mal ein Fleischspieß gebraten wurde, macht sich Stille breit. Heute werde viel gemäkelt, gibt es zu hören, der eine isst das nicht, der andere dieses nicht. Omas am Tisch erzählen, Enkelkindern zuliebe mittlerweile von einem Essen sogar drei Variationen anzubieten, um alle glücklich zu machen.

Wieder mehr Gäste

Was für Koch Micki ein Küchen-Effeff ist, wie er sagt, ist ein Gaumenschmaus für die Gäste. Die kommen deswegen wieder häufiger ins "Elstertal". Astrid Dehnz erinnert sich an frühere Zeiten mit Brigaden nach Feierabend und Vereinsgruppen. Jetzt seien es die Sachsen aus der Bungalowsiedlung, Urlauber aus dem Waldbad, Fußballfreunde, Familien oder auch nur zwei einzelne Herren, die mal wieder ganz in Ruhe der spießigen Fleischeslust frönen wollen. Immer häufiger werden Behälter gefüllt und mit nach Hause genommen, nicht selten ohne den Hinweis, viel Soße dazuzutun. Was hinein kommt, verrät der Koch des Hauses nicht - nur, dass auch Peperoni dabei ist.

Am Abend wird auch die Geschichte der spießigen Ideenfindung für den Festumzug noch einmal erzählt. Die Plessaer Karnevalistenfamilie Schemmel hat die Idee von Astrid Dehnz in Windeseile umgesetzt. Während einer aufgepasst hat, dass es keinen Durchzug im Haus gibt, hat der andere das Styropor in Schaschlikstücke verwandelt. "So konnte ich mit kleinen Sachen RUNDSCHAU-Lesern eine Freude machen", freut sich Detlef Schemmel. Kürzlich hat sichein ehemaliger Schaschlik-Esser bei der Wirtin gemeldet und gefragt: "Gibt es noch die leckeren Schaschlik von früher?" Worauf Astrid Dehnz meinte: "Nein, wir haben frische gemacht."

Aus Finsterwalde gab es drei Sonnenblumen und reichlich Lob für den wunderschönen Ort Zeischa, der bisher noch nie das Ziel von Familie Bär gewesen sei. Leckere Schiffchen hatte Bäcker Viko Getzschmann im Gepäck, als Dankeschön an das Hausteam. Schon bald wollten die Gewinner einmal wieder vorbeikommen, damit auch den Enkelkindern gezeigt werden kann, was ein Schasch lik ist. Die nämlich haben nachgefragt, was das wohl sei.