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| 18:16 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Spielsüchtiger Soldat betrügt in Elbe-Elster die Bundeswehr

 Am Amtsgericht Bad Liebenwerda wird ein ehemaliger Soldat verurteilt, weil er die Bundeswehr betrogen hat.
Am Amtsgericht Bad Liebenwerda wird ein ehemaliger Soldat verurteilt, weil er die Bundeswehr betrogen hat. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Bad Liebenwerda. Das Gericht verurteilt den Schönewalder auf Zeit trotz hoher privater Schulden zu einer saftigen Geldstrafe. Von Manfred Feller

Durch seine Spielsucht hat Siggi Zocker (Name geändert) einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft. In der Verhandlung gegen ihn vor dem Amtsgericht in Bad Liebenwerda gibt er an, etwa 80 000 Euro förmlich in die Luft geblasen zu haben. In der Hoffnung auf den großen Gewinn hatte er sich bei Onlinespielen (wie Roulette) immer tiefer in den finanziellen Abwärtsstrudel bewegt. Woher das Geld stammte, das er auf Nimmerwiedersehen durch das Internet geschickt hat, wurde nicht erwähnt.

Um wenigstens den Lebensunterhalt bestreiten zu können, hatte er Kontrolllücken bei seinem Dienstherrn, der Bundeswehr, konsequent ausgenutzt. Diese zu laxe Prüfung wurde vom Gericht auch angemerkt.

Bis zur Verhandlung hat es allerdings eine ganze Weile gedauert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 30-Jährigen, der in Leipzig wohnt, vor, im Zeitraum vom 1. Mai 2015 bis 22. März 2016 in Schönewalde, seinem Einsatzort, die Bundeswehr in zehn nachgewiesenen Fällen um insgesamt mehr als 2000 Euro betrogen zu haben.

Siggi Zocker hatte zunächst getestet, was möglich ist. Er beantragte Trennungsgeld, obwohl er im Urlaub oder krank war. Dann kamen Fahrkosten und Verpflegungszuschüsse hinzu, die ihm nicht zustanden. Als er merkte, dass sein Betrug niemandem auffällt, wurden die „Rechnungen“ entsprechend höher – bis der Schwindel dann  aufflog.

Vor Gericht schweigt Siggi Zocker nicht, sondern verrät, wie es damals um ihn stand: „Ich war in einer exzessiven Spielsucht. Es war eine schwere Lebenslage.“

Diese Krankheit sei ihm vom Bundeswehrarzt bestätigt worden, den er bereits im Jahr 2015 erstmals aufgesucht habe. Später habe er sich einer Therapie unterzogen. Die achtjährige Verpflichtungszeit beim Bund habe er nicht einhalten können, sondern sei bereits im September 2017 aufgrund seiner Dienstunfähigkeit entlassen worden. Aktuell habe er nicht den Drang, wieder spielen zu müssen. „Aber die Sucht wird mein Leben begleiten“, hat er inzwischen einsehen müssen. Damit geht es ihm nicht anders als ehemaligen Alkoholikern und Drogenabhängigen.

Der finanzielle Spielraum des ledigen Mannes, der keine Kinder zu versorgen hat, ist überschaubar. Er befinde sich in Privatinsolvenz und stottere für ein paar Jahre wenigstens einen Teil seiner Schulden ab. Damm ist er frei.

Nach dem Berufsförderungsdienst bei der Bundeswehr begann er in der Lagerwirtschaft zu arbeiten. Aktuell mache er seinen Meister. Von seinem Nettoverdienst über 1650 Euro bleiben ihm abzüglich der Schuldentilgung nach eigener Aussage 1250 Euro für die Wohnung und zum Leben. Die noch ausstehende Abfindung vom Bund werde nach seiner Kenntnis um die Betrugssumme gekürzt.

Weil Siggi Zocker strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten, geständig ist, er in Therapie war und die Taten lange zurückliegen, plädiert die Staatsanwaltschaft für eine Geldstrafe, die trotz der Schulden empfindlich ausfallen soll. Jeden Betrugsfall einzeln bewertet, wären 240 Tagessätze fällig geworden. Doch wie üblich, wird eine Gesamtstrafe gebildet, bei der der Verurteilte glimpflicher davonkommt. 120 Tagessätze zu je 35 Euro soll der 30-Jährige zahlen. Die Höhe orientiert sich an Verdienst und Familiensituation.

Für das Gericht ist das angesichts der zunehmenden Dreistigkeit der Taten zu wenig. Das Urteil lautet 120 Tagessätze zu je 40 Euro, also in der Summe 4800 Euro. Dies kann der Sachse bezahlen oder abarbeiten oder ersatzweise im Gefängnis absitzen. Die Richterin bewertet positiv, dass der ehemalige Spielsüchtige trotz der hohen Schulden nicht weitere krumme Dinger gedreht hat, um an Bares zu gelangen.

Der Verurteilte zeigt sich reumütig: „Die Taten tun mir leid. Sie waren falsch, aber durch die Lebenslage begründet.“ Er bedauere auch, dass er der Bundeswehr geschadet habe. Siggi Zocker erkennt das Urteil an. Damit ist es mit dem Abschluss der Verhandlung rechtsgültig.