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SPD: Kampfeslust nur selten spürbar

Beim SPD-Parteitag in Kraupa: Hannes Walter, Minister Albrecht Gerber und Michaela Jahn (v.l.).
Beim SPD-Parteitag in Kraupa: Hannes Walter, Minister Albrecht Gerber und Michaela Jahn (v.l.). FOTO: fc
Kraupa. Einstimmung auf die letzten 14 Tage vor der Bundestagswahl und die Wahl neuer Bürgermeister im Landkreis Elbe-Elster : Hannes Walter aus Massen will für die SPD in den Bundestag, in Falkenberg kämpft der parteilose Herold Quick mit Unterstützung der SPD um die Fortsetzung seiner Arbeit als Bürgermeister. Frank Claus

In Doberlug-Kirchhain will Torsten Drescher Amtsinhaber Bodo Broszinski vom Thron stoßen, in Elsterwerda ringt Michaela Jahn um den Rathaus-Chefsessel.

Dilemma: In Herzberg und Finsterwalde hat die SPD keine eigenen Kandidaten aufstellen können. Bei der Mitgliederversammlung des SPD-Unterbezirkes Elbe-Elster am Freitagabend in Kraupa hielt sich die Kampfeslust - jedenfalls die gezeigte - in Grenzen. Etwa 30 der insgesamt 158 Mitglieder im Kreis - die Partei freut sich nach eigenen Angaben über acht Neuaufnahmen - waren gekommen.

Michaela Jahn räumte ein, angesichts "des Stresses der vergangenen Tage" für ihren Auftritt nicht richtig vorbereitet zu sein und Hannes Walter blieb in seinem Statement auch ganz knapp, berichtete von vielen Begegnungen mit Menschen bei Gesprächen über den Gartenzaun.

Und so blieb echte Würze bei diesem Parteitag eher Mangelware. Lediglich aus dem Bericht des SPD-Fraktionsvorsitzenden Lutz Kilian, selbst nicht anwesend, und deshalb von Alexander Piske vorgetragen, sprühte Entschlossenheit. Dem SPD-Vorstoß sei es zu verdanken gewesen, dass die Kreisumlage am Ende - wenn auch nicht in geforderter Höhe - gesenkt werden konnte. Völlig unterschiedlich seien innerhalb der SPD die Ansichten zur Kreisgebietsreform. Ein Teil favorisiere demnach noch immer die große Lösung - den Lausitzkreis - andere fänden die Variante mit OSL gut und wieder andere würden in der Eigenständigkeit des Landkreises die beste Lösung sehen.

So musste am Ende der Gast der Veranstaltung, Wirtschaftsminister Albrecht Gerber, die Akzente setzen. Nach einem Exkurs durch die Themen EE-Wirtschaftskraft, Energiewende, Dieselautodebatte und Tourismusentwicklung im Land befand er, dass in der SPD "wieder mehr rot" stecken müsse. "Das alles zu verwischt" dargestellt werde, "hat der SPD nicht geholfen". "Wir müssen uns wieder mehr um das Einkommen der Friseurin kümmern, um bezahlbare Mieten, um die Arbeitsbedingungen, darum, dass sich Menschen einen Urlaub leisten können und dass sie von A nach B kommen", sagte Albrecht Gerber. "Es ist besser, dass uns 50 Prozent der Aldi-Verkäuferinnen und der Kfz-Mechaniker als 100 Prozent der Urschreitherapeuten wählen", meinte er.

In der Diskussion erklärte er, dass Elbe-Elster noch selbstbewusster auftreten müsse, sich nicht im Loch zwischen Berlin und Dresden sehen solle, sondern in der Mitte.

Der Unterbezirksvorsitzende Stefan Wagenmann regte eine Spendensammlung für die zwei im Einsatz getöteten Feuerwehrkameraden an - zusammen kamen 230 Euro - und forderte die Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt auf, im Land dafür zu sorgen, dass ehrenamtliche Kameraden genauso abgesichert werden, wie hauptamtliche Kameraden.