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| 18:19 Uhr

Sparkassen-Veranstaltung mit Franz Müntefering
Er hat immer noch was zu sagen

Sparkassen-Veranstaltung mit Franz Müntefering, ehemaliger Vize-Kanzler, SPD-Bundesvorsitzender und Bundesminister (l). in der Aula des Sängerstadt-Gymnasiums in Finsterwalde - hier auf der Bühne mit dem Sparkassen-Vorstand Jürgen Riecke und Vorstandsmitglied Frank Prescher (r.).
Sparkassen-Veranstaltung mit Franz Müntefering, ehemaliger Vize-Kanzler, SPD-Bundesvorsitzender und Bundesminister (l). in der Aula des Sängerstadt-Gymnasiums in Finsterwalde - hier auf der Bühne mit dem Sparkassen-Vorstand Jürgen Riecke und Vorstandsmitglied Frank Prescher (r.). FOTO: Frank Claus / LR
Finsterwalde. Etwa 230 Gäste verfolgen Franz Münteferings Bewertungen gesellschaftlicher Entwicklungen. Von Frank Claus

Einmal im Jahr lädt die Sparkasse Elbe-Elster Geschäftspartner sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Institutionen zur einer Veranstaltung mit einem prominenten Gast. Das waren unter anderem ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen, Fußball-Legende Paul Breitner und nun am Mittwoch Franz Müntefering, einer der SPD-Frontmänner vergangener Tage, einstiger Vizekanzler, Bundesminister und SPD-Bundesvorsitzender.

Wie immer lässt zunächst Sparkassen-Vorstand Jürgen Riecke das Geschäftsjahr – wiederum ein erfolgreiches – Revue passieren, zeigt die Herausforderungen und Verwerfungen der Finanzbranche auf und belegt faktenreich das regionale Engagement.

„Auf der Höhe der Zeit sein – die Welt im Wandel“ – auch wenn das Thema nach alles und nichts klingt, was man hinein packen könnte – Franz Müntefering wird immer wieder sehr konkret. Es ist während seines gesamten Vortrages mucksmäuschenstill. Der Mann hat etwas zu sagen, verzichtet auf jegliche parteipolitische Angriffe, sondern spricht von „Demokrat zu Demokrat“ und von der Verantwortung, die Demokratie gegen alle Angriffe und Versuche, sie auszuhöhlen, zu wahren. „Wir müssen“, viele seiner Sätze beginnen so, wenn er die Aufgaben benennt, die vor Deutschland, Europa und der Welt stehen.

Freilich: Es steht dem 78-Jährigen zu, mit der Weisheit des Alters Prozesse zu bewerten und Dinge zu benennen, die angepackt werden müssen. Er skizziert Deutschlands neue Rolle. Das Land sei eben nicht mehr „in einer bipolaren Welt der Puffer“ zwischen Osten und Westen. Deutschland sei heute „das große, starke Land mitten in Europa ohne geostrategische Position“.

Er kommt schnell auf die Sicherung des Wohlstandes im Land, nennt Fehlentwicklungen – 60 000 verlassen heute die Schule ohne Abschluss,  „das ist der Nachwuchs für das Arbeitslosengeld II“ – und spricht von „sittenwidrig niedrigen und sittenwidrig hohen Löhnen“, die das soziale Gleichgewicht bedrohen. Er wendet sich gegen die „Missachtung der einfachen Arbeit“ und bezeichnet sich entgegen seiner Partei trotzdem „als strikter Gegner eines bedingungslosen Grundeinkommens“, weil das dem Abstellen einer bestimmten Gruppe gleichkäme, um die man sich nicht kümmern müsse.

Er wird leidenschaftlich, als er von den Herausforderungen spricht, die eine immer älter werdende Bevölkerung mit sich bringt und fast ärgerlich, als es um die zunehmende Ungleichgewichte zwischen Ballungszentren und ländlichen Räumen geht. In vernachlässigten Räumen entstehe politischer Zündstoff. „Die Menschen müssen Vertrauen haben in ihre kommunale Politik“. Die Kommunen müssten im Verhältnis zu Bund und Land „in ihrer Handlungsfähigkeit gewinnen“ und dürften nicht als „Kellergeschoss“ betrachtet werden oder gar Misstrauen hinsichtlich ihrer Entscheidungsfähigkeit spüren. „Die wissen vor Ort sehr wohl, was zuerst benötigt wird.“ Und er fordert eine noch stärkere Würdigung des Ehrenamtes – „da beziehe ich Kommunalpolitiker ausdrücklich mit ein“.  Dass dabei auch Fehler gemacht würden, sei doch normal, „aber die, die sich einbringen und mitmachen, sind wichtiger als die, die draußen sitzen und nur das Maul aufreißen.“

Dabei brauche Demokratie auch Zeit. In Zeiten der digitalen Welt, sei es noch wichtiger, „dass Menschen mitsprechen können.“ Er endet mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Demokratie, für die es keine Alternative gebe.

Sparkassen-Veranstaltung mit Franz Müntefering in der Aula des Sängerstadt-Gymnasiums Finsterwalde
Sparkassen-Veranstaltung mit Franz Müntefering in der Aula des Sängerstadt-Gymnasiums Finsterwalde FOTO: Frank Claus / LR