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Sorgen mit dem Abrisshammer

Im Hintergrund sind zwei der betroffenen Häuser direkt neben der Brücken-Baustelle in Elsterwerda zu sehen.
Im Hintergrund sind zwei der betroffenen Häuser direkt neben der Brücken-Baustelle in Elsterwerda zu sehen. FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Der Abriss der ersten Hälfte der großen B-101-Brücke über die Bahnanlagen in Elsterwerda ist fast beendet. Inzwischen wird bereits am Aufbau der neuen Widerlager gearbeitet. Ganz so reibungslos, wie zunächst angenommen, verläuft der Abriss nun scheinbar doch nicht. Frank Claus

Uwe Heinrich, Dieter Burchert und Eberhard Voigt, die Einfamilienhäuser in der Berliner Straße vis-à-vis der Brücke bewohnen, haben sich zu Wort gemeldet. "Die Erschütterungen, vor allem beim Rammen der Spundwände waren erheblich", berichtet Eberhard Voigt und spricht von hüpfenden Gläsern im Schrank.

Auch Dieter Burchert, der ein Haus aus Backsteinziegeln besitzt, sagt, dass jeder einzelne Schlag bis ins hinterste Zimmer zu merken sei. Uwe Heinrich, dessen Haus eine Fassadendämmung trägt, befürchtet Risse. "Noch sehe ich ja davon nichts", sagt er.

Bei Eberhard Voigt freilich dürften die gerissenen Fliesen im Keller durchaus ihre Ursache im benachbarten Großbauvorhaben haben. Ob auch die feinen Haarrisse in den Badfliesen im Obergeschoss und an der Hausaußenwand davon herrühren, müssen Experten untersuchen. Alle drei ärgert eins: dass mit ihnen nicht geredet wird. "Die Bauleute machen ihren Job und arbeiten hintereinander weg", meinen sie.

Eine Bestandsdokumentation habe an allen drei Häusern vorher nicht stattgefunden. In einem Fenster zur Straße bei Dieter Burchert sei zum Beispiel ein Seismograf aufgestellt worden, der die Erschütterungen messen soll. "Der hat auch mal rot geleuchtet, doch gekommen ist trotzdem keiner", sagt Dieter Burchert.

Philipp Heine, Bauleiter der Firma Matthäi, erklärt, dass sehr wohl auf die Einhaltung der Toleranzen geachtet werde und dass die Männer am Abbruchgerät sofort erfahren würden, wenn Grenzwerte nicht gehalten würden.

Manfred Ragotzky vom Landesbetrieb Straßenwesen sagt, dass er sich zur heutigen Bauberatung alle Protokolle zeigen lassen wolle. Die Messgeräte seien durch ein unabhängiges Büro aufgestellt worden und die Einhaltung der Normen werde auch von diesem kontrolliert. "Wir hatten wirklich eine Überschreitung. Mit dem betroffenen Anwohner haben wir uns sofort verständigt", sagt Manfred Ragotzky. Sicher sei, so erklärt er weiter, wenn Schäden entstünden, müssten die durch die bauausführende Firma reguliert werden. Er wolle so schnell wie möglich auch das Gespräch mit den Anwohnern suchen.

"Das Letzte, was wir brauchen können, ist Zoff mit den Hausbesitzern der angrenzenden Grundstücke. Wir wissen, dass das eine sensible Baustelle ist. Und wir müssen ja noch die zweite Hälfte der Brücke abreißen."