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Elbe-Elster
Sonnenstrom vom Luxus-Feld

Das Industrie- und Gewerbegebiet Ost in Elsterwerda ist eigentlich Betrieben vorbehalten, in denen Menschen arbeiten. Jetzt entsteht dort auf einer bislang nicht genutzten Fläche eine Fotovoltaikanlage, die demnächst Sonnenstrom produzieren wird.
Das Industrie- und Gewerbegebiet Ost in Elsterwerda ist eigentlich Betrieben vorbehalten, in denen Menschen arbeiten. Jetzt entsteht dort auf einer bislang nicht genutzten Fläche eine Fotovoltaikanlage, die demnächst Sonnenstrom produzieren wird. FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda. Auch in Elbe-Elster werden einst teuer mit Fördergeld erschlossene Gewerbegebiete zweckentfremdet. Von Manfred Feller

Weil sich zu wenige oder keine ansiedlungswilligen Firmen finden, werden mit Straßen, Licht, allen Medien und natürlich mit reichlich Steuergeld voll erschlossene Gewerbegebiete gern mit Fotovoltaikanlagen bestückt. Im Elsterwerdaer Industrie- und Gewerbegebiet Ost ist gerade eine im Bau. In Schönewalde wurde gar das gesamte Gewerbeareal zugepflastert. Die Kommune zahlt immer noch kräftig für die einstige Erschließung. Im Gewerbegebiet südlich der Brunnenstraße in Finsterwalde wird Sonnenstrom auf 2,2 Hektar erzeugt. Auf dem Flugplatz sind es 2,9 Hektar. Und das Solarkraftwerk Drößiger Straße ist 8,8 Hektar groß. Dort handelt es sich jedoch um ein Sondergebiet, das für Fotovoltaik ausgewiesen ist. Die Liste könnte auch über Elbe-Elster hinaus weitergeführt werden.

Wie andere Gewerbegebiete, so ist auch jenes in Elsterwerda-Ost nach der Wende mit Fördermitteln angelegt worden. „Die Zweckbindungsfrist ist inzwischen abgelaufen“, erläutert Wirtschaftsförderer Ansgar Große. Das heißt, die einstigen Käufer können freier agieren. Im Falle der neuen Sonnenstromanlage wurde die Fläche von einem Unternehmen verkauft, weil es das betreffende Areal nicht mehr braucht. „Solange Baurecht gilt, darf auch gebaut werden. Eigentum verpflichtet nicht nur, es berechtigt auch“, so Ansgar Große. In Ost gibt es noch ein anderes Problem: Das Areal befindet sich in einem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet der Schwarzen Elster. Dies schrecke Investitionswillige ab oder behindere sie.

Auch die Stadt selbst hat eine noch freie Gewerbefläche (1,5 Hektar) verkauft, weil dort ein Investor eine Fotovoltaikanlage aufbauen möchte. Dabei handele es sich, so der Wirtschaftsförderer, um eine ansonsten unverkäufliche Fläche in der zweiten Reihe mit schlechtem Straßenanschluss unweit von Wohnhäusern. Über die dortige Solarnutzung habe es unter den Stadtverordneten Diskussionen gegeben.

„Gewerbe sind mir lieber“, sagt zum Beispiel der Abgeordnete Bernd Raum (Linke). Doch nach seiner Kenntnis habe es in den vergangenen zehn Jahren keine ernsthafte Ansiedlungsanfrage gegeben. „Besser Fotovoltaik als Wildnis“, sagt er.

Den Ausbau der „grünen“ Energiegewinnung unter den gegenwärtigen Bedingungen lehnt der Elsterwerdaer Stadtverordnete Helfried Ehrling (AfD) generell ab. „Jede weitere Anlage treibt den Endverbraucherpreis in die Höhe, obwohl der Herstellungspreis sinkt“, kritisiert er. „Die Netze sind überlastet, und wir geben noch Geld dafür aus, damit Nachbarländer uns den überschüssigen Strom abnehmen.“ Alles in allem sei dies zweifacher Betrug am Verbraucher. Der Abgeordnete fordert vom Bund, den Ausbau der Leitungsnetze zu forcieren, die Verbraucher in den fotovoltaik- und windparkreichen Gegenden von den Netzentgelten zu entlasten sowie Umwandlung und Speicherung des „grünen“ Stroms massiv voranzutreiben.

Um die Akzeptanz von Wind- und Sonnenstrom wieder wachsen zu lassen, halten auch die Investoren der neuen Fotovoltaikanlage in Elsterwerda-Ost das Umwandeln, Speichern und Nutzen vor Ort für sinnvoll. „Warum nicht eine Tankstelle direkt am Fotovoltaikpark?“, fragt Bruce Dünker, Geschäftsführender Gesellschafter der Greenvest Solar GmbH aus Starnberg. Doch noch seien die Speicher zu teuer und nicht wirtschaftlich.

Das Unternehmen investiert auf dem ungefähr 8000 Quadratmeter großen, gekauften Grundstück etwa eine Million Euro. Die rund 2600 Module kommen aus den USA. Die Leistung der eher kleinen Anlage beträgt 750 kWp. Sie geht in wenigen Wochen in Betrieb. Greenvest betreibt bereits zwei Parks in Elsterwerda – am Krauschützer Mittelweg und in der Roland-Schmid-Straße. „Die laufen sehr gut. Dort sind wir mit der Sonnenausbeute sehr zufrieden“, sagt Bruce Dünker, der Greenvest mit gegründet hat.