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So hat die Region das Osterfest gefeiert

FOTO: Veit Rösler
Elbe-Elster. Gottesdienste mit Passionsspielen, wieder mehr Osterfeuer, Osterwasserholen, Ostereierkullern – in der Region lebt der kirchliche Gedanke zu Ostern ebenso, wie teils Jahrhunderte alte Bräuche gepflegt werden. Veit Rösler und Mirko Sattler / vrs1 fc sam1 vrs1 vrs1

Passionsspiel in Oschätzchen

Mit einem beeindruckenden Passionsspiel mit 20 Mitwirkenden ist in der voll besetzten Dorfkirche Oschätzchen der Karfreitag begangen worden. Manuela Sachse vom Gemeindekirchenrat hatte das Schauspiel mit Kindern und Jugendlichen aus Oschätzchen und den umliegenden Ortschaften in den vergangenen zwei Wochen einstudiert. Mit einfachen, aber farbenprächtigen Kostümen wurden neben Jesus die wichtigen Figuren der Szenerie wie die Apostel, der Stadthalter von Judäa Pontius Pilatus, Judas oder der jüdische Hohepriester Kajaphas dargestellt. Dabei wurden in dem etwa einstündigen Passionsspiel in Oschätzchen die einzelnen Szenen, wie sie in den vier Evangelien des Neuen Testamentes verankert sind, wie der Einzug in Jerusalem, die Fußwaschung, das letzte Abendmahl, Christus am Ölberg, der Judaskuss, die Gefangennahme Jesu, Christus vor Kajaphas, die Verleugnung Petri bis hin zur Geißelung Jesu, die Dornenkrönung und die Kreuztragung auf dem Kreuzweg wieder gegeben. Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer verglich die Leiden Christi mit den dramatischen Ereignissen zur heutigen Zeit, mit denen die unmittelbar Betroffenen und die ihnen nahe stehenden Menschen immer wieder zurechtkommen müssen.

Osterfeuer in Zobersdorf

Es dürfte inzwischen das größte Osterfeuer und das mit dem größten Besucherstrom in der Region sein. In Zobersdorf wurde bereits Gründonnerstag bis weit in die Nacht hinein am Osterfeuer und im Festzelt gefeiert.

Eierkullern in Großthiemig

Mit einer Neuerung wartete das Ostereierkullern auf dem Kaulerberg in der Schradengemeinde nicht nur auf die kleinen Freunde der Ostereier. Zum ersten Mal in der Geschichte des Ostereierkullerns in Großthiemig meldeten sich rund 50 große und kleine Kinder für diesen Wettbewerb an. Während es bei den Kindern bis 12 Jahre zwei Durchgänge gab und das beste Ei in die Wertung kam, mussten die Erwachsenen sich in einer Qualifikation für den Finallauf empfehlen.

"Bei den Erwachsenen rollen immer zwei Eier gegeneinander. Der Besitzer jenes Eis, welches weiter kommt, tritt in der Finalrunde an", erläuterte André Gündel vom veranstaltenden Sportverein SG "Grüne Eiche". Trotz der etwas rutschigen Angelegenheit auf dem Kaulerberg hatten alle Teilnehmer Riesenspaß, ihre Eier den Berg herunter kullern zu lassen, auch wenn ein großer Teil der Eier beim Rollen entzwei ging. Gut, wenn man dann ein Ersatzei in der Tasche hatte. "Wenn das Eigelb noch intakt den Berg herunter kullert, auch wenn der Rest auf der Bahn liegen blieb, wird der Lauf gewertet", so Gündel weiter. Während in den vergangenen Jahren die Chance groß war, seinen eigenen Lauf ein wenig zu manipulieren, ging es in diesem Jahr gerechter zu.

"Ich habe im vergangenen Jahr gewonnen und will nun meinen Titel verteidigen. Dafür nehme ich ganz normale handelsübliche Eier, die ich gut fünf Minuten gekochte habe. Der Start ist in diesem Jahr richtig fair. So sollte es sein", verriet Renaldo Hornig. Gegen den Titelverteidiger musste Mario Franzke antreten. "Ich bin zum ersten Mal dabei und finde es eine super Veranstaltung", sagte der 34-jährige Großthiemiger, der mit seinem "VR46-Ei" das Ei vom Titelverteidiger hinter sich ließ. Im starken Mittelfeld sah sich Silvio Krona. "Ich bin jedes Jahr hier. Es macht Spaß, auch wenn ich noch nie gewonnen habe. Der Start ist in diesem Jahr besser gelöst. Man kann nicht mehr schummeln", so der Großthiemiger, der mit der ganzen Familie an den Start ging.

Ein extra hartes Ei hatte Celina. "Es ist lustig hier. Mein Ei wurde extra zehn Minuten gekocht. Mal schauen, ob es reicht", verriet die 11-Jährige aus Großthiemig. Zum ersten Mal dabei war Familie Pfennig/Heine. "Bei uns machen beide Kinder mit und hoffen auf einen vorderen Platz. Der Start ist gut organisiert und macht etwas her mit dem Osterhasenmotiv", erzählt Kerstin Heine noch schnell, bevor die Nummer ihres Sohnes Kai aufgerufen wird. Nicht um Weite, sondern um Schönheit ging es in der Halli-Galli-Klasse. "Schon im vergangenen Jahr gab es erstaunte Gesichter in dieser Kategorie über die angetretenen Eier-Mobile. Kurzerhand haben wir uns entschieden, hier aufgrund der teilweisen Professionalität nicht nach Weite zu gehen, die an den Tag gelegt wurde", sagte Moderator Rene Bodack. Mit einem Handball auf zwei Eier-Rädern ging Jörg Dörschel in der Kategorie Halli-Galli an den Start. "An meinem Handball habe ich kurzerhand Plasteeier angeklebt, die als Räder dienen sollen. Das Prinzip habe ich mir von den Seifenkisten abgeschaut", erzählte der 44-Jährige, der auch im Organisationsteam sitzt.

Osterwasserholen bei Plessa

Ein Tross aus 17 Pferden, 21 Reitern, 14 Begleitern und einem Kremser ist am Osterwochenende in Plessa zum 20. Jubiläums-Osterwasserholen aufgebrochen. Mitten im alten Bergbaugebiet nahe der sogenannten Klippenlandschaft, einem durch Witterungserscheinungen entstandenen Auswaschungsgebiet, wurde diesmal an einer Überführung über den Floßgraben das Osterwasser geholt. Die Reiterinnen hatten kleine Behälter und Flaschen im Gepäck. Weil die Pferde für die vielen Reiterinnen nicht ausreichten, wurde unterwegs mehrmals gewechselt. Das Holen des Osterwassers hat der Ländliche Reit- und Fahrverein Plessa vor 20 Jahren wieder aufleben lassen. Laut der Sage winken der jungen Frau Glück und ewige Schönheit, welche nach der Osternacht von frischem Quellwasser trinkt und sich damit wäscht. Größtes Problem an der traditionellen Aktion: Die Mädchen dürfen nach dem Wasserschöpfen nicht lachen und nicht sprechen, sonst wird es "Blubberwasser". Der Reitverein hat die Pflege alter Sitten und Bräuche in der Vereinssatzung verankert. Seitdem Günter Kamenz (79) vor 20 Jahren zum Vereinsvorsitzenden gewählt wurde, holen die Mädchen zum Osterfest wie zu früheren Zeiten ihr Osterwasser. Dabei sucht Günter Kamenz, welcher bei der kürzlichen Vorstandswahl erneut gewählt wurde, zum Schöpfen des Osterwassers immer wieder neue Ziele aus, um gleichzeitig geschichtliche Hintergrundinformationen über das Gebiet an seine Vereinsmitglieder zu vermitteln. Diesmal gab es zum Osterwasserritt eine Schärpe und einen großen Nelkenstrauß für Reitlehrerin Margit Strehlow. Die Schatzmeisterin und stellvertretende Vorsitzende feierte am Osterwochenende ihren 50. Geburtstag.

Osterhasenfamilie in Wainsdorf

Eine Osterhasenfamilie aus zwei großen und zwei kleinen Hasen hat in diesem Jahr die Osterüberraschungen für die Kinder nach Wainsdorf gebracht. Seit 1990 ist es Tradition, dass am Ostersamstag der Osterhase am Mehrzweckgebäude am Sportplatz erscheint. Jedes Jahr wechselt der Osterhase dafür sein Gefährt. Ins Leben gerufen wurde diese Tradition damals vom Frauenbund, sie wird bis heute ohne Unterbrechung fortgeführt. Die finanziellen Mittel für die Osterüberraschungen werden in jedem Jahr vom Bürgermeister zur Verfügung gestellt. Die beiden Pferde Picasso und Vicky wurden vom Schülerhof in Dobra zur Verfügung gestellt und zur Sicherheit von den Reiterinnen Stefanie und Marie begleitet.