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| 18:14 Uhr

Keiner ist größer! Oder?
Merzdorf hat den Riesen-Smoker

 Mächtig gewaltig. Der Smoker aus Merzdorf benötigt mit seinen rund 3,4 Tonnen Gesamtgewicht eine eigene Zugmaschine. Gebaut haben das Riesenteil (v. l.) Alexander Fischer, Jan Glasewald, Christoph Dietrich, Ronny Förster und Nancy Glasewald. Nicht im Bild ist Oliver Lösche.
Mächtig gewaltig. Der Smoker aus Merzdorf benötigt mit seinen rund 3,4 Tonnen Gesamtgewicht eine eigene Zugmaschine. Gebaut haben das Riesenteil (v. l.) Alexander Fischer, Jan Glasewald, Christoph Dietrich, Ronny Förster und Nancy Glasewald. Nicht im Bild ist Oliver Lösche. FOTO: LR / Manfred Feller
Merzdorf. Lecker, heiß und fettig: Grillen war gestern. Im Schradenland wird jetzt viel heiße Luft um Berge von Fleisch gemacht. Von Manfred Feller

Eines geht nach dem Kosten der superzarten, rauchig-würzig mundenden Spareribs mit einem angenehmen Hauch von selbst gerührter Barbecue-Soße aus dem Merzdorfer Riesen-Smoker gar nicht: Den nachhaltigen Geschmack sofort mit Bier herunterzuspülen. Denn Smoken ist nicht Grillen.

Genau das haben die Gesellschafter der nebenberuflichen Onion Smokers GbR vor Wochen bei ihrem offiziellen Start am Kulturhaus „K“ in Merzdorf zur eigenen Freude feststellen dürfen. „Die Leute haben bis zu eineinhalb Stunden angestanden“, bemerkt Christoph Dietrich, einer der sechs Erbauer des ausschließlich buchenholzbefeuerten Stahlofens. Und das „nur“, um das Geschmackserlebnis der aus den USA immer stärker herüberschwappenden langsamen Garmethode aus Rauch und nicht allzu heißer Luft selbst zu testen. Lediglich durch Mundpropaganda seien die Wochenenden bis zum Herbst zwischen Elbe-Elster, Riesa und Dresden so gut wie ausgebucht.

 Der Grundkörper des Riesen-Smokers ist dieses 2,20 Meter lange Stück einer Erdgasfernleitung mit dem Durchmesser 1100 Millimeter.
Der Grundkörper des Riesen-Smokers ist dieses 2,20 Meter lange Stück einer Erdgasfernleitung mit dem Durchmesser 1100 Millimeter. FOTO: Ronny Förster

Wer bietet mehr?

Was das Merzdorfer Sextett zunächst auf einen Anhänger gestellt hat, sucht Seinesgleichen. „Hinsichtlich der Größe haben wir im Internet kein konkurrenzfähiges Produkt in Deutschland gefunden“, versichert Bundeswehr-Oberleutnant Alexander Fischer (38).

 Auf dem Gelände des ehemaligen Landtechnikbetriebes in Merzdorf wurde der „Ofen“ zusammengebaut.
Auf dem Gelände des ehemaligen Landtechnikbetriebes in Merzdorf wurde der „Ofen“ zusammengebaut. FOTO: Ronny Förster

Ein Stück Erdgasleitung verbaut

Der stählerne Barbecue-Smoker bringt nicht weniger als 3,4 Tonnen auf die Waage. Kernstück ist ein 220 Zentimeter langes Rohr, das beim Bau einer Erdgasfernleitung übrig war. „Das hatte ich zufällig bei einem Bauunternehmer gesehen und gekauft“, berichtet Kraftfahrer Jan Glasewald (36). Die stattliche Wandstärke sei mit 16 Millimetern ideal.

 In dem zunächst auf einem Anhänger montierten Smoker ist sehr viel Platz zum Garen, Warmhalten und Räuchern von Fleisch. Gemüse ist lediglich eine ergänzende Beilage.
In dem zunächst auf einem Anhänger montierten Smoker ist sehr viel Platz zum Garen, Warmhalten und Räuchern von Fleisch. Gemüse ist lediglich eine ergänzende Beilage. FOTO: Ronny Förster

Für die Roste mit einer Gesamtfläche von 7,1 Quadratmetern seien nicht weniger als 400 laufende Meter Edelstahl verarbeitet worden. Darauf haben auf einmal 300 Kilogramm Fleisch Platz, das zwischen acht und zwölf Stunden garen muss. Dies reiche für 3000 kleine Portionen. Die separate Feuerbox, aus der Rauch und heiße Luft in den Garbereich ziehen, besteht aus 10-Millimeter-Stahlblech. Komplettiert wird der Mega-Smoker durch Warmhaltebox und Räucherschrank. Um die mächtigen Klappen zum Garbereich öffnen zu können, sind Gegengewichte notwendig.

Aus dem Kopf heraus geplant

Eine technische Zeichnung gibt es nicht. „Wir haben uns im Internet belesen und gemeinsam Schritt für Schritt geplant und gebaut“, beschreibt Jan Glasewald die unkonventionelle Herangehensweise. Einziger Fachmann in der Runde ist der Metallbauer Ronny Förster (35). Nancy Glasewald (32), der alle zur bevorstehenden Geburt des zweiten Kindes die Daumen drücken, ist Laborantin. Christoph Dietrich (31) arbeitet als Produktionsleiter in der Elektrotechnikbranche und Oliver Lösche ist Bauingenieur.

Jan Glasewald hatte sich vor fünf Jahren zunächst einen kleinen Smoker für private Feiern gebaut. Mit jedem Anheizen wuchs der „Freundeskreis“. Die Lust auf den besonderen Fleischgeschmack nahm Ausmaße an. So wurde Ende 2017 das Großprojekt angegangen. Um gewerberechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sei im Januar 2019 nach der Hygieneprüfung durch die Lebensmittelüberwachung die OnionSmokers GbR gegründet worden. Onion steht für die Zwiebeltradition in Merzdorf. Ende Juli beim Badfest in Merzdorf „dampft“ es wieder ganz in der Nähe.

 Dort, wo der Riesen-Smoker auftaucht, bilden sich schnell lange Schlangen.
Dort, wo der Riesen-Smoker auftaucht, bilden sich schnell lange Schlangen. FOTO: Marcel Thiemig / MarcelThiemig