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Erfolgreiches Jahr
SmartClean – Reiss lässt aufhorchen

Am CNC-Bearbeitungszentrum für Formplatten arbeitet Rico Noack.
Am CNC-Bearbeitungszentrum für Formplatten arbeitet Rico Noack. FOTO: Reiss Büromöbel GmbH
Bad Liebenwerda. Die Büromöbel GmbH in Bad Liebenwerda steuert auf ihr erfolgreichstes Wirtschaftsjahr zu und ist mit einer neuen Produktserie für den Brandenburger Innovationspreis nominiert. Frank Claus

Die Reiss Büromöbel GmbH in Bad Liebenwerda hat schon im ersten Halbjahr dieses Jahres ein überdurchschnittliches Wachstum hingelegt und wird nach jetziger Prognose zum Jahresende auf das bislang umsatzstärkste Jahr zurückblicken können. Dabei liegt das erzielte Plus über dem in der Branche. Der Industrieverband Büro und Arbeitswelt vermeldete für 2016 einen Zuwachs allein im Inland von fünf Prozent. "Wir haben im ersten Halbjahr dieses Jahres Zuwachsraten im zweistelligen Bereich", sagt Geschäftsführer Gerd Widule.

Im vergangenen Jahr haben die etwa 160 Mitarbeiter einen Rekordumsatz von fast 40 Millionen Euro hingelegt, das waren sieben Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Und die positive Entwicklung hält an, die Marke wird erneut geknackt werden, ist sich Geschäftsführer Hans-Ulrich Weishaupt angesichts der Auftragslage sicher.

Absoluter Umsatzbringer ist der Steh-Sitz-Schreibtisch, eine Erfindung von Reiss, die bis ins Jahr 1910 zurückreicht. Seit 1990 sind vom Unternehmen mehr als 130 000 dieser höhenverstellbaren Tische ausgeliefert worden. Der neue, seit diesem Jahr auf den Markt gekommene Steh-Sitz-Tisch "Avaro" hat die Fachwelt aufhorchen lassen. Er ist, so Gerd Widule, "die dynamische Alternative" zu den vorhandenen Produkten auf dem Markt. Der Tisch besitzt ein innovatives Bedienfeld für die elektronisch gesteuerte stufenlose Höhenverstellung und verfügt über ein Programm, das den Nutzer per LED-Anzeige daran erinnert, dass er von der Sitz- wieder einmal in die gesunde Stehposition gehen sollte.

Mehrere Großaufträge mit je deutlich mehr als einer Millionen Euro Umsatz haben das Wachstum befördert. Geliefert wurden und werden Büromöbelsysteme sowohl für die öffentliche Hand als auch für die Industrie, unter anderem für eine High School der US-Army in Wiesbaden und eine Uni in Braunschweig.

In diesen Tagen sorgt das Unternehmen schon wieder für Furore: Die neue Ausstattungslinie SmartClean mit ihren antibakteriell wirksamen Oberflächen ist speziell für Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, öffentliche Einrichtungen mit hohem Besucherverkehr, wissenschaftliche Einrichtungen und Labore entwickelt worden. Hygiene im Büro - Reiss stellt sich in Zeiten wieder zunehmender Infektionskrankheiten dieser Herausforderung. Denn: Forschungen zufolge befinden sich allein auf einer Schreibtischoberfläche bis zu 42 Millionen Bakterien. Die antibakteriell aktiven, schlagresistenten Oberflächen hemmen der Produktbeschreibung zufolge das Wachstum von Bakterien, die im Kontakt mit der Möbeloberfläche dem antibakteriellen Wirkstoff ausgesetzt werden. Die bioziden Substanzen dieses Wirkstoffes würden wichtige Funktionen der Zellen stören, wodurch keine Zellteilung und -vermehrung mehr stattfinden könne. Dieser Effekt sei nur auf die Oberfläche beschränkt, eine unerwünschte Abgabe an auf der Oberfläche befindliche Gegenstände, Lebensmittel oder in die Raumluft finde nicht statt. Die Oberflächen seien zudem resistent gegen Desinfektionsmittel. Dies hat das William-Küster-Institut für Hygiene, Umwelt und Medizin Hohenstein dem Unternehmen zertifiziert. Mit seinen SmartClean-Produkten ist Reiss für den Brandenburger Innovationspreis 2017 im Cluster Kunststoffe und Chemie nominiert. Alle wirtschaftlichen Entwicklungen würden sich innerbetrieblich mit einer Neuorganisation, die keinen Bereich auslasse, verbinden, so Hans-Ulrich Weishaupt. Die Einführung eines neuen ERP-Systems, also die Vernetzung von Mensch, Maschine und Software, sei auf der Zielgeraden. "Dabei werden alle relevanten Unternehmensprozesse optimiert", so Hans-Ulrich Weishaupt. Alle Mitarbeiter seien an der Projektumsetzung beteiligt.

Damit einher gehen die Investitionsabsichten. Denn das Unternehmen, das bis spätestens 2022 am neuen Standort im Gewerbegebiet Lausitz in einer ersten Stufe zwischen sechs und acht Millionen Euro für eine neue Fertigungsstätte investieren will, platzt aus allen Nähten. An den neuen Standort würden demnach die Holzfertigung und Montage verlegt, am jetzigen verbleiben unter anderem die Metallfertigung und die Verwaltung. "Wir fertigen modern, ökologisch und emissionsarm und vor allem marktorientiert, also mit geringen Lagerbeständen", so Gerd Widule.

In der engen Verbindung mit den Fachhändlern, mit denen bereits bei der Umsetzung von Projekten eng vernetzt gearbeitet werde, um die Kundenwünsche passgenau erfüllen zu können, sieht die Geschäftsführung einen Grund des wirtschaftlichen Erfolgs. Dazu sei Reiss ein Vollsortimenter im Korpusbereich und erweise sich mit individueller Produktgestaltung, eigener Metallfertigung und effizienter Logistik als zuverlässiger Partner. Wohl auch ein Grund dafür, dass Reiss schon wieder einen Großauftrag an Land gezogen hat. "Wir statten ein komplettes Bürogebäude mit fünf Etagen mit 650 Arbeitsplätzen aus", so Widule.

Zum Thema:
Die Reiss Büromöbel GmbH investiert an einem völlig neuen Standort im Gewerbegebiet Lausitz. Die gute Auftragslage und Nachfrage nach Reiss-Erzeugnissen auf dem Markt hat im Unternehmen bereits zum Aufbau zusätzlicher temporärer Produktions- und Lagermöglichkeiten geführt. Die Nachfrage führt auch zu weiterem Bedarf an Mitarbeitern, vor allem in den Bereichen Technik und Vertrieb. Das Unternehmen bildet seit Jahren kontinuierlich aus.Nähere Informationen www.reiss-bueromoebel.de