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Sinnloser Zerstörungsakt

Merzdorf.. Die Vogeleltern hatten sich für ihren Nachwuchs einen vermeintlich sicheren Platz zum Brüten ausgesucht. Sicher war der Ort in einer so genannten Jagdkanzel allerdings nur so lange, bis Unbekannte kamen und das schwere Holzgestell einfach umgekippt haben. Von Annette Siemer

Die Jagdkanzeln und Hochstände werden immer öfter das Ziel von Randalierern und Jagdgegnern. Seit 14 Jahren ist Jürgen Breitenstein Jagdpächter. In den vergangenen drei Jahren registriert er einen sprunghaften Anstieg dieses Phänomens. Jürgen Breitenstein hat auf Merzdorfer und Wainsdorfer Flur gemeinsam mit vier weiteren Freizeitjägern eine Fläche von 1300 Hektar gepachtet, auf denen er allein vier Hochstände zum Beobachten des Wildes stehen hat. Die Jagdkanzeln werden meist in Eigenbau konstruiert. Neben der Arbeitszeit kommen etwa 300 Euro an Kosten für das Material und den Transport in das unwegsame Gelände sowie das Aufstellen der sperrigen Gehäuse zusammen. Anzeigen bei der Elsterwerdaer Polizeiwache und die Bearbeitung durch die Staatsanwaltschaft Cottbus verlaufen meist im Sande, da kaum verwertbare Spuren und auch keine Zeugen in den abgelegenen Waldstücken zu finden sind.
Im vergangenen Jahr wurden drei der „Försterlauschen“ Opfer der Randale. Wenn das tonnenschwere Gestell zu Boden kracht, bleibt meist nur hölzerner Schrott. Fast immer finden sich darin an versteckten Stellen Vogelnester. Da meist ein PKW für die Tat verwendet wird, landen die umgestürzten Gestelle nicht selten auf Wegen, die dann im Falle eines Waldbradnes der Feuerwehr den Weg versperren. Mit dem Zerstören der Jagdkanzeln erreichen die Jagdgegner in der Regel nichts. Die Jäger sind zur Hege und Pflege ihrer Flächen vertraglich verpflichtet und müssen ihren Aufgaben nachgehen. Derzeit versuchen die Jäger der rasant ansteigenden Fuchs- und Wildschweinpopulation entgegenzuwirken. Füchse seien kaum mehr von Tollwut betroffen, dafür aber seien sie häufig an Räude erkrankt und streunten in den Ortschaften herum.
Ohne die Jäger hätte das Niederwild derzeit keine Chance, sagt Jürgen Breitenstein. Zum anderen würden die im Jahr von der unteren Jagdbehörde zum Abschuss freigegebenen vier Rehe nicht selten von Autos überfahren.