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| 02:36 Uhr

Sinkender Milchpreis bereitet Bauern Sorgen

Viele Kühe machen Mühe – und Sorgen: Landwirte aus der Region beklagen die anhaltend sinkenden Milchpreise und wollen weniger investieren, um die Kosten abzufedern.
Viele Kühe machen Mühe – und Sorgen: Landwirte aus der Region beklagen die anhaltend sinkenden Milchpreise und wollen weniger investieren, um die Kosten abzufedern. FOTO: Corinna Karl
Elbe-Elster. Was den Verbraucher erfreut, bereitet auch den Landwirten aus Elbe-Elster Sorgen: Milchpreise sinken und damit die Kosten für Produkte. Das geschieht nicht nur, weil Russland im Zuge der Ukraine-Krise mit einem Importstopp aus der EU die Preise drückt, auch weil die Milchproduktion 2014 anstieg und die Discounter mit Billigprodukten um Kunden werben. Sylvia Kunze, Heike Lehmann und Corinna Karl

Im Landkreis Elbe-Elster gibt es viele Milchviehbetriebe. Sie sind von den Milchpreisen abhängig. Anfang des Jahres brachte der Liter noch um die 40 Cent, jetzt nähert sich der Preis der 30-Cent-Marke. Kurt Tranze, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, kann den Ärger der Landwirte deshalb gut nachvollziehen. "Die Milchproduktion ist für fast alle unserer Mitglieder das größte Standbein", schätzt er aus Sicht des Kreisbauernverbandes ein.

"Die Milchbetriebe leisten alle gute Arbeit. Viele haben investiert, und am Ende bestimmt der erzielte Preis, ob sich die Investition trägt oder nicht", sagt Tranze. Er hofft, dass dieser nicht den prognostizierten Steilflug bis zum Ende vollführt. "Die aktuellen Zahlen bekommen wir am Freitag vorgelegt", sagt Tranze. Bauernverbandschef Udo Folgart wird an diesem Tag zu einer gemeinsamen Beratung mit den Chefs der Mitgliedsbetriebe des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster in Großrössen erwartet.

Erst im vorigen Jahr haben die Landwirte der Röderland GmbH in Bönitz in einen neuen Kuhstall investiert. Der bietet nicht nur Tier und Mensch bessere Bedingungen, sondern zudem auch noch mehr Tieren Platz. Reichlich hundert Milchkühe mehr zählt inzwischen der landwirtschaftliche Betrieb. Um die 550 prall gefüllte Euter sind täglich zu melken. "Wir brauchen einen so hohen Bestand, um Arbeitsplätze zu sichern", verdeutlicht Geschäftsführer Manfred Stahr und ergänzt: "In diesen Tagen soll der Schichtbetrieb wieder aufgenommen werden."

Viele Sorgenfalten

Was vor einem Jahr bei stabilem und gutem Milchpreis noch als sinnvoll und wirtschaftlich prognostiziert wurde, treibt heute dem Chef des Landwirtschaftsbetriebs die Sorgenfalten auf die Stirn. "Der Preis stürzt ab, und es ist bislang kein Ende in Sicht", berichtet er. Und das alles wegen der gestrichenen Russland-Exporte. Denn Länder, die ursprünglich viel nach Russland lieferten, müssen nun Alternativen suchen - und das verschärft die Konkurrenz auf dem westeuropäischen Markt.

Stahr ist froh, dass die GmbH neben der Milchproduktion noch auf drei andere Schwerpunkte setzt. Aber auch die sind kein Fels in der Brandung. Trotz durchschnittlich guter Ernte kann die Pflanzenproduktion nicht übermäßig punkten, denn die Getreidepreise bewegen sich auf niedrigem Niveau. Und auch die Biogasanlage ist kein fester Anker, denn "da wird auch schon wieder an der Vergütung gedreht. Auf die Regierung ist kein Verlass", ärgert sich der Bönitzer Landwirt, dass getroffene Aussagen nun wieder rückgängig gemacht werden. Auch im Stall in Mühlberg spürt man den Abwärtstrend der Milchpreise. Gerade weil hier in den vergangenen Jahren in mehr Komfort für die Kühe und in eine neue Melkanlage investiert wurde, blickt Uve Gliemann von der Agrargenossenschaft mit Sorge auf die Preisentwicklung. "Abfedern können wir die Senkung nur durch weniger Investitionen. Die Milch muss sich aber alleine rechnen. Am Lohn der Mitarbeiter wird jedenfalls nichts geändert", sagt er.

Preise um die 30 Cent pro Liter

Schuld an der Preisspirale seien auch die Discounter. "Wir haben immer versucht zu verhindern, dass Lebensmittel Werbeware sind", sagt der Kreispolitiker Gliemann (LUN). Bei 33 Cent pro Liter rechne sich es gerade so. Auch Dieter Heyde, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Werenzhain, schaut mit Sorge auf die sinkenden Milchpreise, die die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft mbH (B.M.G.), mit der man langfristige Abnehmverträge abgeschlossen hat, zahlt. "Kostendeckend sind die nicht mehr, weil die Ausgaben für Energie, Pacht, Löhne und Dienstleistungen ja gestiegen sind", konstatiert er. Nach einer Phase mit recht guten Milchpreisen, könnte das jetzt bedeuten, weitere Investitionen erst einmal zurückzustecken, sagt er, um die Liquidität zu behalten und unterm Strich noch effizienter zu arbeiten. Immerhin scheint sich laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft der Rückgang abgeschwächt zu haben. Wo genau sich der Preis einpendelt, bleibt abzuwarten. Die Bauern hoffen er fällt nicht wieder unter die 20 Cent-Marke wie im Jahr 2009.