Zur Ausgangslage: Schon im Oktober 2005 hatte Hauptamtsleiterin Bärbel Ziehlke darauf hingewiesen, dass derzeit fast 100 Kita-Plätze in städtischen Einrichtungen nicht ausgelastet seien. In einer internen nichtöffentlichen Sitzung des Sozialausschusses hatte IB-Geschäftsführer Peter Große nach eigenen Aussagen erklärt, dass er sich eine Schließung der „Villa Kunterbunt“ vorstellen könne, wenn die Kinder in andere IB-Einrichtungen umgesetzt würden und sein „Unternehmen“ eine andere Kita angeboten bekäme. Darüber sei aber nie wieder gesprochen worden. Große gestern zur RUNDSCHAU: „Warum soll ich eine Kita schließen, die sich trägt„“ Er jedenfalls wolle die Betriebserlaubnis beantragen und sei guter Dinge, dass er sie auch über den August 2007 hinaus bekomme. Sein Schachzug: „Wir ziehen mit den Kindern ins Erdgeschoss und verlagern die Büroräume nach oben.“ Dann sei der Anbau einer Brandschutztreppe, der Einbau von gesicherten Türen in der oberen Etage und einer entsprechenden Wand nicht nötig.
Sind die Brandschutzauflagen also nur vorgeschoben, um die Kita zu schließen, das Haus später als Eigenheim zu verkaufen und bislang ungenutzte städtische Kitaplätze aufzufüllen“ Genau das vermuten gegenwärtig die Eltern. „Dann soll man uns die Wahrheit ins Gesicht sagen“ , meinte Elternsprecherin Annett Bartels. Mit der von Johannes Berger konstatierten „Eltern-Ruhe“ ist es jedenfalls vorbei. Sie haben Plakate gemalt, Spruchbänder hängen an der Kita, Medien werden gebeten, auf das Problem aufmerksam zu machen. Am Donnerstag ist um 19 Uhr Elsternversammlung in der Kita, zu der auch der IB-Geschäftsführer seine Position deutlich machen will. Johannes Berger wundert sich nur: „Peter Große hat uns gegenüber nie mehr deutlich gemacht, dass er als Ersatz eine andere Einrichtung will.“
Die Eltern wollen ihre Kinder nicht zum Spielball kommunaler Interessen machen lassen und die Schließung nicht mehr hinnehmen. Zumal sie nun auch wissen, dass es unter den Eltern einen Spender gibt, der mit einer größeren Summe und Eigenleistungen helfen will, weitere Modernisierungen zu realisieren. Er hatte auch angedeutet, die Brandschutzerfordernisse zu schaffen. „Warum spielt das in den Überlegungen der Stadt keine Rolle“ , fragen die Eltern. Hauptamtsleiterin Bärbel Ziehlke dazu gestern auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Das Angebot ist uns bekannt. Ein Gespräch mit dem Spender hat stattgefunden. Ein entsprechendes, konkretes Angebot liegt dem Bürgermeister aber nicht vor.“
Auch die Summen des immer wieder ins Spiel gebrachten Sanierungsaufwandes will IB-Chef Peter Große so nicht sehen: „Klar, muss Schritt für Schritt erneuert werden. Aber das ist doch in jeder Einrichtung so.“
Mit 48 Kindern ist die Kita gegenwärtig zu 100 Prozent ausgelastet. Aus Elterngesprächen wisse man, dass es auch weiterin Interesse gebe, Kinder in der „Villa Kunterbunt“ betreuen zu lassen. „Die Eltern schätzen die familiäre Atmosphäre. Hier merkt man, dass die Erzieherinnen ein gutes Team sind - hier gibt's kein Zickenterror“ , meinte Annett Bartels gestern etwas lax. Seit 1953 gibt es die Einrichtung. In den zurückliegenden Jahren ist gemeinsam mit den Eltern ganz viel entstanden: Schaukel, Sandspieltische, Spielhaus, Spielschiff, Kräuterbeet, Beerensträucher, Spielzeugregale, renovierte Räume, und, und…
„Das lassen wir uns nicht einfach wegnehmen“ , meinen die Eltern. Den Stadtverordneten wollen sie gar keinen Vorwurf machen. Vielleicht, mutmaßen sie, ist denen ja gar nicht alles gesagt worden. Noch bleibe Zeit bis zur Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch nächster Woche, um alle Informationen zusammen zu tragen. Dann soll über Wohl und Wehe der Einrichtung entschieden werden.