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| 18:14 Uhr

Paukenschlag für Domsdorfer Siedlung
Der Alwine-Käufer kneift

Erst schien nach der Versteigerung alles klar – nun ist alles wieder ungewiss: Die Domsdorfer Siedlung Alwine bleibt in den Schlagzeilen.
Erst schien nach der Versteigerung alles klar – nun ist alles wieder ungewiss: Die Domsdorfer Siedlung Alwine bleibt in den Schlagzeilen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Domsdorf. Berliner Unternehmer will mit Verweis, nicht geschäftsfähig zu sein, vom Kauf zurücktreten. Von Frank Claus

Das hat das Zeug für einen spannenden Mehrteiler. Die im Dezember des vergangenen Jahres für 140 000 Euro vom Berliner Auktionshaus Karhausen AG versteigerte ehemalige Domsdorfer Bergarbeitersiedlung Alwine in der Stadt Uebigau-Wahrenbrück kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Hatte doch schon die Versteigerung der arg heruntergekommenen Liegenschaften – Ein- und Mehrfamilienhäuser, Schuppen und Garagen – bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, nachdem die Bild-Zeitung getitelt hatte, dass ein ganzes Dorf unter den Hammer komme, folgt nun das nächste Stück aus dem „Tollhaus“.

Der Berliner Unternehmer, der auch jetzt nicht namentlich genannt werden möchte, beabsichtigt vom Kaufvertrag zurückzutreten. Begründung: Er sei nicht geschäftsfähig. Der Vorstand des Auktionshauses, Matthias Knake, bestätigt den Vorgang und spricht von einer „schwebenden juristischen Auseinandersetzung“.

Nachdem der Käufer, der vor der Auktion die Alwine selbst nie besucht hatte, eine Woche nach dem erfolgten Zuschlag dann doch in Domsdorf weilte und erste Kontakte zu den Mietern aufnahm, sprach er noch davon, dass er sich den „Zustand noch schlimmer vorgestellt“ habe. Der „Sinneswandel hat wohl über Weihnachten eingesetzt“, so Matthias Knake. Den Versuch des Käufers, nun vom Kauf zurückzutreten, weil er nicht geschäftsfähig sei, sieht der Vorstand des Auktionshauses kritisch: „Das halten wir für fadenscheinig“, sagt er. Nun müsse geprüft werden, ob der Mann tatsächlich nicht geschäftsfähig sei, zum Beispiel gesundheitlich beeinträchtigt war oder ist. 

Bis dahin bleibt der jetzige Eigentümer, ein Mann aus dem Westen, der mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder im Jahr 2000 den Besitz für eine Mark von der Treuhand erworben hatte, Ansprechpartner für das Auktionshaus. Beide Brüder hatten in die Häuser nie investiert. Der Noch-Besitzer, der froh war, die Alwine los zu sein, hat sie nun bis zur Klärung der juristischen Angelegenheit doch wieder an der Backe.

Leidtragende sind einmal mehr die etwa 15 verbliebenen Bewohner, so Domsdorfs Ortsvorsteher Peter Kroll. Der Sturm „Friederike“ hat in der vergangenen Woche den Häusern noch mal arg zugesetzt: Abgestürzte Ziegel hätten teils erhebliche Löcher in die Dächer gerissen, Traufbleche seien durch die Luft gesegelt.

Matthias Knake erklärte, dass die Schäden beseitigt werden sollen, „Handwerker sind beauftragt“. Peter Kroll indes traut dem Frieden nicht. „Ich war am Freitag in der Alwine. Da ist nichts passiert und bei keinem der Mieter haben sich Handwerker angemeldet.“

Er prüft nun, ob ein leerstehender Wohnblock in Domsdorf, der sich in kommunaler Trägerschaft befindet, aber sanierungsbedürftig ist, als Ausweichvariante für die Mieter hergerichtet werden könnte. Doch so richtig glaubt er selbst nicht daran: „Einige ältere Mieter in der Alwine haben mir ja schon erklärt, dass sie nicht mehr ausziehen wollen, dass man sie nur noch mit den Füßen nach vorn raustragen könne.“