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| 19:32 Uhr

Eine Siedlung kommt nicht aus den Schlagzeilen
Aus für das Erfinderdorf Alwine

 Die Österreicher Gerhard Muthenthaler (2.v.l.) und Marijan Jordan (3.v.l.) bei der Vorstellung des Erfinderdorfes im vergangenen Jahr.
Die Österreicher Gerhard Muthenthaler (2.v.l.) und Marijan Jordan (3.v.l.) bei der Vorstellung des Erfinderdorfes im vergangenen Jahr. FOTO: LR / Manfred Feller
Berliner Immobilienmakler schickt österreichischen Projektentwicklern die Kündigung. Von Frank Claus

Anfang des vergangenen Jahres war es eine der Top-Meldungen: Die Siedlung Alwine in Domsdorf soll Erfinderdorf werden. Die Siedlung besteht aus zwei Mehrfamilien- und fünf Doppelhäusern, außerdem aus einem Zwei- und einem Einfamilienhaus sowie zahlreichen Nebengebäuden, Garagen und Schuppen. Die Gesamtfläche beträgt 16 871 Quadratmeter.

Und nun Erfinderdorf? So richtig konnte sich darunter keiner was vorstellen. In der Projektbeschreibung hieß es: „In einem lebendigen Umfeld sollen Erfindungen thematisiert, neue Technologien vorgestellt und ein Ort der Begegnung für Erfinder und Interessierte unter Einbeziehung der Bewohner und regionalen Partnern geschaffen werden. (...) Das Erfinderdorf Alwine wird keine Musterhaussiedlung, sondern ein lebendiges Dorf als Begegnungsstätte und Projektionsfläche für alles rund um die Themen Erfindung und Zukunft.“

Jetzt steht fest: Das Projekt ist schon wieder vom Tisch. Dabei hatte die Alwine gehörig für Schlagzeilen gesorgt. Im Dezember 2017 hatte die Versteigerung der ehemaligen Bergarbeitersiedlung mit gerade mal 15 Einwohnern für 140 000 Euro deutschland- und sogar weltweit für Interesse gesorgt. Dann ließ der Rückzug des ersten Käufers aufhorchen. Es folgte ein neuer Käufer, ein Berliner Immobilienmakler. Und schließlich traten die Österreicher Gerhard Muthenthaler und Marijan Jordan auf. Als Projektentwickler stellten sie ihre Idee vom Erfinderdorf Alwine den Einwohnern und überregionalen Medien im Zechensaal der Loiuse in Domsdorf vor.

Für Gerhard Muthentaler, der nach eigenen Aussagen vom Berliner Immobilienmakler schriftlich ohne vorherige Gespräche das Aus für das Erfinderdorf übermittelt bekam, ist es kein wirkliches Aus. „Das Projekt ist nicht gescheitert, wir haben es ja nicht mal angefangen“, sagt er und berichtet, dass Grundvoraussetzungen nicht erfüllt worden seien. „Wir wollten die Siedlung ja erst mal in die Gegenwart holen. Doch dazu hätte sie in Schuss gebracht werden müssen. Man hätte die Häuser herrichten und nicht weiter verfallen lassen dürfen“, sagt Gerhard Muthentaler. Nur an einem Haus haben wirklich Instandsetzungsarbeiten begonnen. Muthentaler vermutet, dass sich der Makler übernommen hat, dass ihm das Geld ausgeht. „Vielleicht ist es besser, er sagt offen, was er kann und nicht kann und er verkauft wieder.“

Der rbb hatte zuerst vom Erfinderdorf-Aus berichtet und außerdem erfahren, dass die zehn Bewohner der Siedlung Briefe mit der Ankündigung von Mieterhöhungen bekommen hätten. Für Peter Kroll, den Ortsvorsteher von Domsdorf, zu dem Alwine gehört, sei das ein Unding. „So eine Abzocke, das ist Abgebrühtheit hoch zehn“, sagte Kroll dem rbb. Es müsse einen Miet-Erlass geben; die Mietbedingungen würden immer schlechter, meinte er.