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Medien-Lawine in der „Alwine“
Viel Rummel um eine Dorf-Auktion

Die Siedlung Alwine wird am 9. Dezember versteigert.
Die Siedlung Alwine wird am 9. Dezember versteigert. FOTO: Auktionshaus Karhausen AG / LR
Domsdorf. Am Samstag wird eine Siedlung im Elbe-Elster-Kreis versteigert. Wer mitbieten will, sollte mindestens 125.000 Euro flüssig haben. Von Frank Claus

Gegen 14 Uhr wird es am Samstag spannend. Geht in Berlin die Siedlung „Alwine“ über den Tisch? 15 Einwohner leben in der einstigen Bergbausiedlung im Stadtgebiet Uebigau-Wahrenbrück (Elbe-Elster).

125 000 Euro hat das Auktionshaus Karhausen als Mindestgebot für die „Siedlung mit Dorfcharakter“, wie es im Auktionskatalog heißt, festgelegt. Gut möglich, dass die zwei Mehrfamilienhäuser, fünf Doppelhaushälften und je ein Ein- und Zweifamilienhaus auf knapp 17 000 Quadratmeter Fläche auch für weniger weggehen. Denn ihr Zustand ist marode. Zwei Brüder hatten die Siedlung „Alwine“ im Jahr 2000 erworben, sich nie blicken lassen und Menschen und Gebäude sich selbst überlassen.

Bundesweit hat die Siedlung für Aufsehen gesorgt, nachdem ein Boulevardblatt ganzseitig titelte: Ein Dorf wird versteigert. Seit vier Wochen belagern Reporter von Film, Funk, Zeitungen und Internet-Portalen die kleine Siedlung. Noch am Freitag haben Filmteams vor Ort gedreht.

Einen Bürgermeister hat die Siedlung freilich nicht. Den Hut für „Alwine“ und fünf weitere Splittersiedlungen, unter anderem auch „Helma“ und „Louise“, hat Domsdorfs Ortsvorsteher Peter Kroll auf. Er stand in den vergangenen Tagen allein 20 Mal Reportern in der „Alwine“ Rede und Antwort und hat eigentlich die Nase voll. Doch am Samstag setzt er sich mit dem Bürgermeister der Stadt Uebigau-Wahrenbrück noch mal ins Auto: „Ich will sehen, wer die Alwine ersteigert. Nicht, dass wir nochmal eine Pleite erleben.“