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| 16:46 Uhr

Erinnerungen im Advent
Zwei Pfefferkuchen auf dem Gabenteller – mehr gab es nicht

 Reihum haben diese Bewohnerinnen des Seniorenzentrums „pro civitate“ in Elsterwerda erzählt, welche Kindheitserinnerungen sie vor allem an die Advents- und Weihnachtszeit haben. Mit dabei Physiotherapeutin Anke Baumgarth (4.v.l.) und Ergotherapeutin Annett Viebahn (4.v.r.).
Reihum haben diese Bewohnerinnen des Seniorenzentrums „pro civitate“ in Elsterwerda erzählt, welche Kindheitserinnerungen sie vor allem an die Advents- und Weihnachtszeit haben. Mit dabei Physiotherapeutin Anke Baumgarth (4.v.l.) und Ergotherapeutin Annett Viebahn (4.v.r.). FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Wie sie als Kinder das Weihnachtsfest erlebt haben, erzählen Bewohnerinnen des Seniorenzentrums in Elsterwerda. Von Manfred Feller

In Zeiten des Überflusses mit prall gedeckten Festtagstischen und Geschenkebergen tut es gut, einmal inne zu halten und dankbar zu sein. Auch wenn es heute kaum einer der Jüngeren hören mag, es gab ganz andere Zeiten. Was (Ur-)Oma und (Ur-)Opa zu erzählen haben, relativiert so manch ein heutiges Problem. Die RUNDSCHAU hat sich in einer Damen-Kaffeerunde im Seniorenzentrum „pro civitate“ in Elsterwerda umgehört.

„Es wurde tüchtig gespart, damit Weihnachten was auf dem Tisch steht“, erinnert sich Christa Richter (84). Selbst während der Kriegszeit sei der Mangel erträglich gewesen: „Wir hatten Viehzeug. Hungern mussten wir nicht.“ Das bestätigen auch die anderen Seniorinnen, die auf dem Land aufgewachsen sind. Die Großstädter hatten es deutlich schwerer.

Obwohl es viele Dinge Ende der 1940er-Jahre noch nicht gab, denkt auch Gisela Seifert gern an ihre Kindheit zurück. Der Adventskranz wurde noch selbst gesteckt, es wurden christliche Lieder gesungen und die Christmette besucht. Die 74-Jährige ist im Raum Suhl aufgewachsen. Der Vater war im Krieg geblieben. „Mutter und Oma haben dafür gesorgt, das wir einen guten Abendbrottisch hatten. Mit Gottes Hilfe ging es uns gut“, sagt sie.

Mit den Kindheitserinnerungen, die oft mit Krieg, Vertreibung und großem Unrecht verbunden waren, kommen in der Frauenrunde immer wieder Emotionen hoch. Ja, es fließen auch Tränen, weil es oft auch traurig war, wie sich die Familien meistens ohne Vater durchschlagen mussten. Die Nachkriegszeit führte schließlich so manche Menschen zusammen, die sich ansonsten nie begegnet wären. So stammt Ingeborg Wehner (85) aus Mühlhausen, ihr Mann aus Schlesien. Sie selbst war Kindergärtnerin in Elsterwerda.

Edith Eckhardt aus dem Kurort Rathen ist eine weitere Sächsin, die in Elsterwerda ihren Lebensabend genießt. „Früher, die Geschenke? Pfefferkuchen und eine Tüte Bonbons. Das war unser Weihnachten. Es war ja nichts da. Aber mir als Kind ging es trotzdem nicht schlecht“, sagt die 86-Jährige bescheiden. Schon damals gab es Heiligabend Kartoffelsalat und vielleicht eine Bockwurst als Besonderheit sowie am 1. Feiertag Klöße und Sauerbraten. Aber keinen Vogel, wie sie sagt, also weder Gans noch Ente.

Bescheiden ging es in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren auch im Hause von Inge Schillp aus Gröditz zu. Die 79-Jährige lebt seit einem Jahr in Elsterwerda und fühlt sich im Seniorenzentrum bestens aufgehoben. Zwei Walnüsse und zwei Pfefferkuchen lagen in Kindertagen einmal auf dem Gabenteller. „Ich habe mir geschworen, dass es meinen Kindern nicht so gehen soll“, hat sie Wort gehalten. Ihre zwei Mädels leben in Elsterwerda und Gröditz. „Für die Geschenke habe ich immer mehr ausgegeben als ich mir leisten konnte“, bedauert sie nichts. Den heutigen Vorweihnachtstrubel findet sie total übertrieben. Eine Erinnerung möchte sie noch loswerden: Die Bombennacht von Dresden. „Die Stadt hat lichterloh gebrannt. Das war wie Abendrot. Wir haben es vom Dachboden in Gröditz aus gesehen“, sagt sie. Ihre spätere Freundin habe in jener Nacht Mutter und zwei Geschwister verloren. Der Vater war bereits gefallen.

Diese Erinnerung an Dresden hat auch Elfriede Greilich (84). Sie lebte damals in Skäßchen und hatte keine leichte Kindheit in der Landwirtschaft. Schon als junges Mädel musste sie die Pferde anspannen. Klar gab es Geschenke zum Fest: Kleider für die Puppen und Nachschub für den Kaufmannsladen, mit dem schon die Mutter als Kind gespielt hatte. Das war’s. Wenigstens gab es auf dem Dorf genug zu essen. Ihre eigenen Kinder konnte sie später als Verkäuferin in einem Textilladen gut beschenken. Sie hat neun Enkel und Urenkel.

Alle in der Kaffeerunde freuen sich, dass ihre Nachkommen heute nichts entbehren müssen. Dazu gehören auch Ruth Manig (87) aus Wülknitz, Else Merwald (95) aus Elsterwerda, Gertraud Grützner (89), einst Inhaberin eines Schreibwarengeschäftes in Elsterwerda, und Erika Moreitz (89), in Prieschka geboren, so. Sie wünschen sich, dass es in diesem Land friedlich bleibt.