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| 16:04 Uhr

Gnadenhochzeit in Kröbeln
„Sie konnte tanzen wie eine Feder“

Leider ein seltenes Bild in der heutigen Zeit. In der Mühlberger Straße in Kröbeln leben drei Generationen unter einem Dach. Dies sind das Jubiläumspaar Ursula und Erhard Schönitz mit Enkelin Rilana Kohn sowie den Urenkeln Arian, Amina und Alia.
Leider ein seltenes Bild in der heutigen Zeit. In der Mühlberger Straße in Kröbeln leben drei Generationen unter einem Dach. Dies sind das Jubiläumspaar Ursula und Erhard Schönitz mit Enkelin Rilana Kohn sowie den Urenkeln Arian, Amina und Alia. FOTO: LR / Manfred Feller
Kröbeln. Eine begnadete Hochzeit: Ursula und Erhard Schönitz aus Kröbeln sind seit 70 Jahren verheiratet. Von Manfred Feller

Mehrere Zufälle, das Aufbäumen gegen Widerstände und, ja, sogar die Weltgeschichte haben dafür gesorgt, dass Ursula und Erhard Schönitz ein Paar geworden sind. Am Mittwoch, dem 25. Juli, begehen die 91-Jährigen im Kreise ihrer Familie das überaus seltene Fest der Gnadenhochzeit. Genau 70 Jahre sind sie dann verheiratet. Herzlichen Glückwunsch!

Enkelin Rilana Kohn rechnet damit, dass mindestens 30 der engsten Angehörigen und weitere Gäste zu der Feier anreisen werden. Die meisten wohnen zum Glück in der Umgebung. Die Kinder des Jubelpaares, teilweise schon selbst im Rentenalter, leben heute in Hohenleipisch (Lehrer), Prösen (Gastwirt), Köln (Ingenieur) und Prieschka (Erzieherin). Der große Familienkreis zählt auch neun Enkel und immerhin 17 Urenkel. Da staunt selbst Uropa Erhard und muss zugeben: „So viele Namen kriege ich nicht mehr zusammen.“  Wie bei vorherigen Jubiläen wird heute zur Feier des Tages die Schalmeienkapelle Fichtenberg aufspielen, verrät Rilana Kohn.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die beiden jungen Leute zusammengeführt. Ursula war mit ihren Elstern aus Schlesien geflüchtet und in Kröbeln gelandet. „Die Bauern wollten die Flüchtlinge nicht und haben sich gestritten. Das ging so lange, bis der Bürgermeister sagte: ,Schluss! Ich muss welche aufnehmen’“, erinnert sich der Senior.

Das erste Mal nähergekommen sind sich Ursula und Erhard 1946 beim Tanz. Abwechselnd spielte damals eine Kapelle in Kröbeln und Oschätzchen auf. Dem adretten jungen Mann war die dunkelhaarige Schönheit sofort aufgefallen. Er forderte sie auf. „Sie konnte tanzen wie eine Feder“, schwärmt er von seiner Gattin. „Von da an habe ich sie nicht wieder losgelassen. Ich habe sie für den nächsten Tag sofort nach Hause eingeladen.“ Er sei lieb gewesen und konnte natürlich auch sehr gut tanzen, erinnert sich Ursula Schönitz nicht mehr ganz so gut.

Doch der junge Erhard hatte die Rechnung ohne seinen potenziellen Schwiegervater gemacht. „Er wollte mich nicht“, schmunzelt der hartnäckige Jubilar heute darüber. „Du willst doch keinen Arbeiter nehmen!“, soll dieser zu seiner Tochter gesagt haben. Aber sicher!

Am 25. Juli vor 70 Jahren haben sich Ursula und Erhard Schönitz in Kröbeln das Ja-Wort gegeben.
Am 25. Juli vor 70 Jahren haben sich Ursula und Erhard Schönitz in Kröbeln das Ja-Wort gegeben. FOTO: privat

Erhard Schönitz hatte Glück im Unglück. Als Jugendlicher wurde er vor Kriegsende noch eingezogen und in die Panzerausbildung geschickt. „Ich bin nur einmal gefahren“, sagt er. Dann war der Spuk vorbei. Nach drei Tagen Gefangenschaft in Cuxhaven ging es wegen Geldmangels mit dem Güterzug nach Hause. „Es sind nicht viele heimgekommen“, bedauert er.

Schon bald nahm der gelernte Former wieder seine Arbeit im Stahlwerk Gröditz auf. Erst mit 66 Jahren ging er 1993 in Rente. Seine Frau ist gelernte Stenotypistin, hatte einige Zeit im Kindergarten gearbeitet und später als Sekretärin ebenfalls im Stahlwerk.

Für Hobbys hatten beide keine Zeit. Familie, Haus, Hof, Garten und eine kleine Landwirtschaft ließen kaum Freiraum. Es herrschte strikte Arbeitsteilung - allerdings nicht die neumodische im Haushalt. Sie betätigte sich zumeist drinnen, er draußen. Es funktionierte. „Ich kann mich nicht erinnern, dass sich beide gestritten haben“, kennt Enkelin Rilana Kohn, von Beruf Heilerziehungspflegerin, ihre Großeltern nun schon 38 Jahre. Vielleicht ist das ein Geheimnis dieser langen Ehe. Einen Vorwurf macht sich Erhard Schönitz, der seit Jahrzehnten und noch bis heute die Lausitzer Rundschau liest, jedoch: „Wir hätten mehr reisen sollen, als es gesundheitlich noch ging.“

Und wie funktioniert das Zusammenleben mehrerer Generationen? „Erst hat Oma für uns gekocht, jetzt kochen wir für sie“, bringt es Rilana Kohn auf den Punkt. Ein Pflegedienst hilft unter der Woche. Auch die Urenkel finden alles toll. Arian und Amina verraten, dass ihr Uropa spendabel ist, wenn es um eine Anerkennung für das Zeugnis oder um eine Runde Eis geht.