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| 18:01 Uhr

Ursache noch unklar
Seit Wochen stinkt es aus Kanalnetz und Klärwerk in Elsterwerda

 Nur noch mit Schutz auf Arbeit? Mehrere Mitarbeiter im Gewerbegebiet Ost würden sich mit Taschentüchern die Nase zuhalten.
Nur noch mit Schutz auf Arbeit? Mehrere Mitarbeiter im Gewerbegebiet Ost würden sich mit Taschentüchern die Nase zuhalten. FOTO: VRS
Elsterwerda. Es ist das Dauerthema dieses Sommers in Elsterwerda: Ein strenges Lüftchen weht insbesondere in den Abendstunden durch die Straßen der Stadt. Woher es kommt, ist bislang völlig unklar. Dabei gibt es einen Verdacht. Von Frank Claus

Es hat erneut erbärmlich gestunken am Dienstagmorgen in Elsterwerda, diesmal besonders im Gewerbegebiet. Eine Facebook-Nutzerin beschreibt Zustände, die der RUNDSCHAU später von Beschäftigten bestätigt werden. Der Geruch war so stark, dass Menschen sich Tücher vor die Nase gehalten haben.

Auch Maik Hauptvogel, Verbandsvorsteher im Elsterwerdaer Wasser- und Abwasserverband (WAV), bestätigt die kritische Situation. „Das war diesmal besonders an einer Druckleitung zu riechen, die aus dem Raum Hohenleipisch kommt“, sagt er. Dabei sei der Verband nach wie vor nicht untätig. „Wir haben schon in Dreska Dosiermittel beigemischt, das helfen soll, den Geruch zu neutralisieren“, sagt er. Auch die Kanalnetzspülungen würden im gesamten Stadtgebiet mit hoher Intensität fortgeführt. Gesucht werde jetzt nach möglichen „Wassersäcken“ im Kanalnetz, also Stellen, in denen sich in alten, abgesenkten Leitungen altes Abwasser sammelt, das möglicherweise die Gerüche hervorrufen könnte.

Nach der Ursache der Geruchsbelästigung wird noch gesucht

 Ein Post auf Facebook berichtet vom Gestank am Dienstagmorgen, besonders im Gewerbegebiet-Ost in Elsterwerda. 
Ein Post auf Facebook berichtet vom Gestank am Dienstagmorgen, besonders im Gewerbegebiet-Ost in Elsterwerda.  FOTO: Bianco Greiner / privat

Im Verband werde der Aufbau weiterer Dosierstationen gegenwärtig geprüft. Das koste zusätzliches Geld. Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU) hatte auf eine schnelle Krisensitzung mit anschließender Information an die Öffentlichkeit gedrängt. Die solle nun am Montagnachmittag stattfinden. Für die Kontrollen des Kanalnetzes ist die Untere Wasserbehörde des Landkreises zuständig. Zu möglichen Ursachen wollte man sich momentan aus Herzberg nicht äußern, so Pressesprecher Torsten Hoffgaard, sondern die gemeinsame Sitzung abwarten. Dabei solle geklärt werden, „ob die Geruchsbelästigung durch die Kläranlage hervorgerufen wird oder andere Gründe ausschlaggebend sind. Darüber hinaus soll über Lösungen gesprochen werden, wie der WAV die Geruchsbelästigung reduzieren und zukünftig vermeiden kann.“

Geruchsbelästigung überwiegend während der Abendstunden

Für das Landesumweltamt hingegen ist ziemlich sicher, dass für den Gestank nicht das Klärwerk verantwortlich ist. In einer Erklärung heißt es, dass gegenwärtig in der Kläranlage Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden. In den Kalenderwochen (KW) 30 bis 33 würden vorbereitende Maßnahmen für die in der Kalenderwoche 34 beabsichtigte Grundreinigung des Belebungsbeckens 1 realisiert. Diese Maßnahmen seien zwingend notwendig, um einen ordnungsgemäßen Betrieb der Kläranlage Elsterwerda langfristig zu gewährleisten. Derzeit befinde sich das Belebungsbecken 1 im etwa zur Hälfte abgesenkten Bereich. Hierdurch seien nach aktueller Mitteilung des Betreibers der Anlage nur geringfügig erhöhte Geruchsemissionen im nahen Umfeld der Abwasserbehandlungsanlage auch tagsüber wahrzunehmen. Gemäß der bisherigen Beschwerdelage, so das Landesumweltamt, werde von „erheblichen“ Geruchsbelästigungen überwiegend während der Abend- und Nachtstunden berichtet.

Dies, so Pressesprecher Thomas Frey, „lässt den Schluss zu, dass die Punktquelle Klärwerk Elsterwerda als Hauptverursacher der derzeitigen Geruchsbelastungen in den Abend- und Nachtstunden aus Sicht des Umweltamtes nicht in Frage kommt.“ Momentan (und auch in der letzten Kalenderwoche) gäbe es Wind aus Nordwest bis Südwest. Das Klärwerk Elsterwerda befinde sich östlich des Stadtgebietes Elsterwerda. „Demnach werden etwaige Geruchsemissionen aktuell durch die vorherrschende Windrichtung vom Stadtgebiet ferngehalten“, so das Landesumweltamt.