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| 08:31 Uhr

Tierseuche - die Lage verschärft sich
Die Schweinepest steht 60 Kilometer vor Deutschland

Die Zahl der Wildschweine hat auch in Elbe-Elster stark zugenommen. Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle von Afrikanischer Schweinepest festgestellt worden.
Die Zahl der Wildschweine hat auch in Elbe-Elster stark zugenommen. Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle von Afrikanischer Schweinepest festgestellt worden. FOTO: dpa / Jens Büttner
Elbe-Elster/Märkischer Kreis . Von Frank Claus

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher an Deutschland heran. Wie der Verband der belgischen Fleischwirtschaft (Febev) meldete, seien in der vergangenen Woche Donnerstag nahe der Gemeinde Etalle in den Ardennen in zwei toten Wildschweinen Erreger der Schweinepest festgestellt worden. Am Montag seien drei weitere Nachweise des für Menschen ungefährlichen, aber von Schweinezüchtern gefürchteten Virus dazugekommen. Belgien hat das kalt erwischt. Bereits sechs Staaten, so das Nachrichtenmagazin „Spiegel“, hätten den Import von Schweinefleisch aus dem Land gestoppt. Es handele sich um Südkorea, China, Taiwan, Weißrussland, Mexiko und die Philippinen. Die belgischen Behörden haben verschiedenen Nachrichtenmeldungen zufolge um die Fundorte der Kadaver ein 63 000 Hektar großes Risikogebiet eingerichtet.

Brandenburgs Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig vermeldete, „Brandenburg ist auf die Schweinepest vorbereitet.“ Der Fall in Belgien, so der Minister, bestätige „unsere Einschätzung, dass wir zu jedem Zeitpunkt mit dem Eintrag der ASP in die Schwarzwildpopulation, zum Beispiel über das unachtsame Entsorgen von kontaminierten Lebensmittelabfällen rechnen müssen.“ Die Risikolage für Brandenburg bezüglich der Einschleppung der ASP sei somit unverändert hoch. Auf diese Bedrohungslage hätten sich die Veterinärbehörden des Landes eingestellt. Sie würden sich seit längerem auf den Ernstfall vorbereiten. An erster Stelle stehe jedoch die Verhinderung der Einschleppung und die Früherkennung eines möglichen Falles der Afrikanischen Schweinepest. Dabei spiele die Sensibilisierung und Information der Jäger, der Schweinehalter und der breiten Öffentlichkeit über die drohende Gefahr und die möglichen Einschleppungswege der Afrikanischen Schweinepest eine zentrale Rolle. Der Bekämpfungserfolg eines möglichen Ausbruchs der Seuche im Schwarzwildbestand werde wesentlich vom Zeitpunkt der Erkennung bestimmt, heißt es aus dem Verbraucherschutzministerium.

Im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen, Partnerkreis von Elbe-Elster, wird sehr sensibel mit dem Thema umgegangen, wie aus einer Pressemitteilung zu entnehmen ist. Der dortige Landkreis befindet sich etwa 200 Kilometer vom Fundort in Belgien entfernt. Der dortige Kreisveterinär Dr. Dieter Sinn bittet Wanderer, Pilze-Sammler und Halter von Hausschweinen um erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht. Im Partnerkreis gäbe es aktuell 112 Schweinehalter. Sie hätten zusammen 47 000 Schweine und Ferkel. Überwiegend seien es Kleinbetriebe mit bis zu 100 Tieren (68), 13 Betriebe hätten 100 bis 500 Tiere, 13 500 bis 1000 Tiere, 14 Schweinehalter halten mehr als 1000 Tiere.

Experten warnen auch in Deutschland. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande erste Fälle nachgewiesen würden.
Experten warnen auch in Deutschland. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande erste Fälle nachgewiesen würden. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst

Dr. Dieter Sinn: „Menschen oder andere Tiere können an der Afrikanischen Schweinepest nicht erkranken, bitte helfen Sie uns, eine Einschleppung und Ausbreitung zu verhindern.“ Schweine können sich über direkten Kontakt anstecken oder über Körperflüssigkeiten, infizierte Gegenstände oder Lebensmittel aus infizierten Schweinen. Unachtsamkeit von Menschen gilt als Hauptübertragungsquelle der ASP. So kann der Erreger zum Beispiel über ein falsch entsorgtes Wurstbrot übertragen werden. Der Kreisveterinär: „Bitte entsorgen Sie keine Lebensmittelreste in freier Natur oder in offenen, leicht zugänglichen Mülleimern!“

Seit Jahren nehme die Schwarzwild-Population auch im Märkischen Kreis zu. Die Tiere würden zu einer echten Plage. Immer mehr Landwirte sowie Grundstücksbesitzer beklagen zum Teil erhebliche Schäden, die von den Wildschweinen angerichtet werden. Sie dringen vermehrt in Siedlungen ein, zerwühlen Felder, Gärten und Friedhöfe. Darauf reagiere die dortige Untere Jagdbehörde mit einer erhöhten Abschussquote. Im vergangenen Jahr habe die „Strecke“ der erlegten Schwarzkittel rund 3000 Stücke betragen.

Bei der Afrikanischen Schweinepest sei die Früherkennung eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor einer Ausbreitung der Seuche. Tote Wildschweine müssen daher so schnell wie möglich auf ASP untersucht werden. Wer beim Waldspaziergang oder beim Pilze sammeln ein totes Wildschwein entdeckt, sollte es auf keinen Fall anfassen. Wer Kontakt mit dem Kadaver hatte, sollte alles gründlich reinigen, um eine Verbreitung der Schweinepest zu vermeiden.

Über den aktuellen Stand der Vorsorge im Landkreis Elbe-Elster soll im Laufe des Tages informiert werden.