Bei den Vorbereitungen auf den möglichen Übertritt der Afrikanischen Schweinepest von Polen nach Deutschland ist jetzt in Elbe-Elster ein Durchbruch erzielt worden. Der Landkreis übernimmt ab dem 1. Februar die Kosten für die Trichinenbeschau in Höhe von 7,70 Euro für junges Schwarzwild (Frischlinge) bis 30 Kilogramm Gewicht. Da deren Fleisch nur mäßig bis gar nicht vermarktbar ist und damit Kosten und Nutzen für die Jäger in keinem wirtschaftlichen Verhältnis stehen, wurde auf den Abschuss kein großer Wert gelegt. Mit Blick auf die drohende Schweinepest sollen jedoch die Bestände jeden Alters deutlich dezimiert werden.

Niedlich, aber im Falle der Schweinepest eine Gefahr: Auch Frischlinge sollen jetzt verstärkt erlegt werden.
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„Der Landkreis Elbe-Elster hat hier auf die aktuelle Situation und die kaum absehbaren Folgen für die Landwirtschaft sehr gut reagiert. Das dürfte die Jäger freuen, die jetzt hoffentlich mehr Schwarzwild schießen werden“, sagt Uve Gliemann. Er ist Vorsitzender der Unabhängigen Wählergruppe Landwirtschaft, Umwelt, Natur (LUN) Elbe-Elster, die den Antrag zur Übernahme der Kosten der Trichinenbeschau bei Schwarzwild bis 30 Kilogramm an das kreisliche Amt für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft gestellt hatte. Uve Gliemann ist auch Vorsitzender der Kreistagsfraktion LUN/UWG/BfF und Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg.

Schweinepest zwingt zum Handeln

Bislang sei es so gewesen, dass die Fleischhygieneverordnung zuerst den Kreistag passiert hat, ehe sie wirksam wurde. „Bei der jüngsten Gebührenanpassung“, so Uve Gliemann, „konnten wir uns jedoch nicht mit dem Veterinäramt und der Kämmerei einigen.“ Die Verordnung sei deshalb von Amts wegen ohne den Beschluss des Kreistages in Kraft getreten. Die näher rückende Afrikanische Schweinepest habe jedoch eine schnelle Reaktion hinsichtlich der Trichinenuntersuchung der Frischlinge erfordert. Denn die Jäger hätten nicht nur diese Kosten zu tragen, sondern auch jene für Munition und für die Fahrt zum Tierarzt.

Die Dringlichkeit zum deutlichen Dezimieren des Schwarzwildbestandes sei in der Kreisverwaltung erkannt worden. Bald nach Eingang des LUN-Antrages fand ein Gespräch mit dem Landrat, dem Veterinäramt und der Kämmerei statt. Im Vorfeld habe das Veterinäramt den Antrag fachlich unterstützt. Demnach seien „alle Maßnahmen, die zu einer weidgerechten Reduktion der Schwarzwildpopulation führen können, zu befürworten“.

Andere erheben schon lange keine Gebühr

Es wird von amtlicher Seite auch darauf verwiesen, dass in Sachsen und Nordrhein-Westfalen und einzelnen Landkreisen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen „teilweise schon seit Längerem die Trichinenuntersuchungsgebühr nicht mehr erhoben“ wird. Dies bedeute einen „zusätzlichen Anreiz für einen erhöhten Abschuss bei Schwarzwild“ und da besonders bei Frischlingen.

Nach Ansicht des Kreistagsabgeordneten Uve Gliemann sind die zusätzlichen Kosten, die der Landkreis vorerst bis zum Ende des Jagdjahres am 31. März 2021 übernimmt, im Vergleich zu dem wirtschaftlichen Schaden der Schweinehalter in Elbe-Elster überschaubar. Demnach seien im Kalenderjahr 2019 etwa 3500 Wildschwein-Trichinenbeschauen erfolgt. Hochgerechnet auf die nun zu erlegenden Jungtiere bis 30 Kilogramm müsste der Landkreis geschätzt mit etwa 15 000 Euro an Mehrkosten rechnen.

Knapp 125 000 Schweine in Elbe-Elster

In Elbe-Elster sind laut Uve Gliemann aktuell 372 Schweinehalter gemeldet. 332 von ihnen haben weniger als 20 Schweine, 14 zwischen 20 und 100, vier zwischen 100 und 1000 und 22 Betriebe mehr als 1000 Schweine. In der Summe seien dies ungefähr 125 000 Tiere vom Ferkel bis zur ausgewachsenen Sau. Ein Schwein könne für durchschnittlich 180 Euro vermarktet werden. Im Falle einer Keulung aller Tiere entstünde ein wirtschaftlicher Schaden in zweistelliger Millionenhöhe.

Wird die Schweinepest an einem Ort festgestellt, werde umgehend eine Sperrzone angelegt, in der alle diese Tiere zu töten sind. „Für die Halter heißt das, das mit dem Ausbruch in Deutschland der Schweinemarkt zusammenbricht, ein Exportverbot in Kraft tritt und Viehtransporte untersagt werden“, umreißt Uve Gliemann die weiteren Folgen. Die Agrargenossenschaft Mühlberg „säße“ auf rund 6500 Schweinen. Der bislang kontinuierliche Abgang würde abrupt enden. Viele polnische Schweinehalter hätten dieses Horrorszenario von Zwangsschlachtung bis Vermarktungsverbot bereits durchmachen müssen.

Wie schützen sich die Halter ansonsten? „Das oberste Gebot ist, dass die Bio-Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Diese reichen von der Umzäunung über Seuchenwannen bis hin zum Zutrittsverbot für Betriebsfremde und besonders Jäger“, erläutert Uve Gliemann.

Anträge auf Saufang gestellt

Ab Anfang Februar heißt es für die Jäger zwar „Feuer frei“, aber alle flitzenden Frischlinge einer Bache zu erlegen, ist unmöglich. Hier sollen die Saufänge helfen, die in der Vergangenheit in der Öffentlichkeit immer wieder kontrovers diskutiert worden waren. Gegner sprachen davon, dass der Abschuss einem Gemetzel gleiche.

Ein Saufang besteht aus einer festen, im Boden verankerten Umzäunung mit Zugang und Fütterung. Wenn das Gatter geschlossen ist, können die darin stehenden Wildschweine erlegt werden.

Aktuell haben nach Auskunft von Stefan Lindner, Sachbearbeiter Jagd- und Fischereiwesen bei der Unteren Jagdbehörde des Landkreises, Jäger aus Elbe-Elster drei Saufänge beantragt. Zuständig sei die Obere Jagdbehörde des Landes. Es gebe strenge Richtlinien, wie ein Saufang zu handhaben ist. Früher hätten die Tiere selbst die Falle ausgelöst und blieben auf unbestimmte Zeit im Gatter. Heute müsse der Jäger in Sichtweite bleiben und das Verschließen selbst mechanisch auslösen, um das Schwarzwild dann zeitnah und tierschutzgerecht zu erlegen.