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| 16:46 Uhr

Hitzewelle hat Folgen
Schwarze Elster zwischen Not und Elend

Langsam fließt die Schwarze Elster an Plessa vorbei in Richtung Elsterwerda. Der Wasserabfluss ist geringer geworden, aber noch nicht dramatisch.
Langsam fließt die Schwarze Elster an Plessa vorbei in Richtung Elsterwerda. Der Wasserabfluss ist geringer geworden, aber noch nicht dramatisch. FOTO: LR / Manfred Feller
Elbe-Elster. Die Schwarze Elster als wichtiger Südbrandenburger Fluss ist vor Senftenberg komplett trocken. Erst Zuflüsse hauchen ihr wieder Leben ein. Von Manfred Feller

Genau genommen gibt es die Schwarze Elster nicht mehr. Sie ist dieser Tage südöstlich von Senftenberg versiegt. Tot! Erledigt! Erst die in der Neuzeit von Menschenhand geschaffenen und gesteuerten Zuflüsse hauchen ihr wieder Leben ein. Was gegenwärtig mehr oder weniger stark durch den Süden des Elbe-Elster-Kreises fließt, hat ganz andere Quellen.

Doch das scheint aktuell vollkommen egal zu sein. Hauptsache der große Vorfluter führt überhaupt Wasser als Quell des Lebens. „Wir sehen deutliche Trockenheitserscheinungen“, stellt Thomas Avermann, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft 2 beim Brandenburger Landesamt für Umwelt, fest. Die Lage in der Schwarzen Elster sei mit den aktuellen Mitteln bei anhaltender Trockenheit noch etwa bis Mitte August beherrschbar.

Konkret geht es dem Fluss in Brandenburg zwischen den Landesgrenzen Sachsen und Sachsen-Anhalt nach Angaben des Landesamtes so:

Pegel Neuwiese. Nach Brandenburg fließen momentan gerade einmal 160 Liter pro Sekunde (0,16 Kubikmeter). „Das ist sehr, sehr wenig“, sagt Thomas Avermann. Zwischen dem Wehr Kleinkoschen am Senftenberger See und der Einmündung der Rainitza in Höhe der LMBV liegt die Schwarze Elster trocken. Denn auch der Schleichgraben führt kein Wasser mehr.

Nichts mehr drin: Aus Sachsen bringt die Schwarze Elster kaum Wasser mit. Südöstlich von Senftenberg liegt sie dann vollkommen trocken.
Nichts mehr drin: Aus Sachsen bringt die Schwarze Elster kaum Wasser mit. Südöstlich von Senftenberg liegt sie dann vollkommen trocken. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Senftenberg. Was durch die Kreisstadt fließt, ist die Rainitza, die durch die Flutungszentrale wiederum mit Wasser aus sächsischen Tagebauseen gespeist wird. Das sind nach Angaben der LMBV 500 Liter pro Sekunde.

Pegel Biehlen. Dort wird darauf geachtet, dass die Elster minimal einen Kubikmeter Wasser je Sekunde führt (normal wären im August 1,8). Gewährleistet wird dies durch die variable Abgabe aus dem Senftenberger See (in der Wasserwirtschaft als Speicherbecken Niemtsch bezeichnet). „Bei dem Wert handelt es sich um den ökologischen Mindestabfluss. Damit verhindern wir bleibende Schäden“, so Thomas Avermann mit Blick auf die Fauna in dem Fließgewässer I. Ordnung.

Senftenberger See. In guten Zeiten erhält das eigentlich als Speicherbecken angelegte Gewässer Wasser aus der Schwarzen Elster. Jetzt sorgt er mit dafür, dass der Fluss am Leben bleibt. Das hat zur Folge, dass der Wasserspiegel derzeit täglich um durchschnittlich einen Zentimeter sinkt. Die untere Absenkmarke liegt in Trockenzeiten bei 97,7 mNN. Dagegen befindet sich der ansonsten festgelegte Bewirtschaftungsraum (also das Schwanken des Wasserspiegels) zwischen 98,2 und 99 mNN. Die 98,2 könnten bei unveränderter Wetterlage in etwa 14 Tagen erreicht sein.

Pulsnitz. Sie mündet in Elsterwerda in die Elster. Laut dem Gewässerverband „Kleine Elster/Pulsnitz“ wird alles versucht, den lebenserhaltenden Minimalwasserstand in der Pulsnitz zu halten. Das heißt: Wie in der Elster wird kein Wasser in abzweigende Gräben (zur Bewässerung von Landwirtschaftsflächen und Baumschulen sowie für die Teichwirtschaft) abgeschlagen. Alle Bewässerungssiele sind geschlossen. Es sei verboten, aus den Vorflutern Wasser zu pumpen. Die Pulsnitz bei Kroppen im Amt Ortrand kommt aus Sachsen mit lediglich 300 Litern pro Sekunde an. Das ist nur noch die Hälfte jenes Wertes vom 20. Juli, so das Landesamt.

Pegel Bad Liebenwerda. Der Zufluss in die Schwarze Elster aus den Gräben bei Plessa, aus Pulsnitz und Röder wird nicht gemessen. Viel kann es nicht sein, denn in der Kurstadt liegt der Abfluss derzeit bei nur 2,13 Kubikmeter je Sekunde und damit deutlich unter dem mittleren Niedrigwasser von 5,96.

Zwischen Herzberg und Arnsnesta ist die Schwarze Elster derzeit nur 68 Zentimeter flach. Vor zwei Wochen war es noch etwa ein Meter.
Zwischen Herzberg und Arnsnesta ist die Schwarze Elster derzeit nur 68 Zentimeter flach. Vor zwei Wochen war es noch etwa ein Meter. FOTO: LR / Rudow

Pegel Herzberg. Die Stadt passieren momentan 2,35 Kubikmeter Elsterwasser je Sekunde. Das ist nicht einmal die Hälfte des durchschnittlichen Niedrigwassers. Entsprechend wenig Wasser wird nach Sachsen-Anhalt und in die ebenfalls leidende Elbe abgegeben. Der Wasserstand am Elsterpegel in Löben beträgt derzeit nur 34 Zentimeter.

Krautung. Die Schwarze Elster ist streckenweise sehr zugewachsen. Es gibt Beschwerden. In der gegenwärtigen Situation wird der Bewuchs absichtlich stehen gelassen, damit das braune Eisenhydroxid im Uferbereich gehalten wird und die Wasserqualität nicht noch mehr leidet. Das Mähen würde alles aufwühlen und das Sauerstoffangebot für die Wassertiere noch mehr reduzieren.

Fazit. So eine flächendeckende, angespannte Lage über einen langen Zeitraum in den Fließgewässern habe es seit Jahren nicht gegeben, so Thomas Avermann. Er spricht zwar von einer schwierigen, aber noch nicht von einer Extremsituation.