ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:49 Uhr

Immer noch keine Maßnahmen festgelegt
Wieder Krisengipfel zur Schwarzen Elster 

 Nadine Kolbe von der Unteren Naturschutzbehörde misst den ph-Wert mehrfach täglich an vier Stellen in der Elster bei Kahla, im daneben liegenden Binnengraben, an der Elstermühle Plessa und im Hammergraben Plessa.
Nadine Kolbe von der Unteren Naturschutzbehörde misst den ph-Wert mehrfach täglich an vier Stellen in der Elster bei Kahla, im daneben liegenden Binnengraben, an der Elstermühle Plessa und im Hammergraben Plessa. FOTO: LR / Frank Claus
Wer tot ist, ist tot. Und nicht mehr zu retten? Im Fall der Schwarzen Elster soll jedenfalls erst einmal wieder beraten werden. Von Frank Claus

Die Fakten sind bekannt: In der Schwarzen Elster sind eine Vielzahl von Fischen verendet. Nicht nur dort, sondern auch in Nebenflüssen und Gräben – nach Angaben des Brandenburger Landesbergamtes verursacht durch die unsachgemäße Einleitung von Grundwasser beim Bau der Eugal-Erdgastrasse. Der Grund hierfür sind überaus niedrige pH-Werte und eine starke Versauerung der Schwarzen Elster und ihrer Zufluss-Gräben.

„Auf 24 Kilometern Länge zwischen Plessa und Neumühl zieht sich die Fahne“, hatte der Ordnungsdezernent des Landkreises Elbe-Elster, Dirk Gebhard, vor Kommunalvertretern beim Krisentreffen an der Elstermühle in Plessa in der vergangenen Woche gesagt und von einem toten Fluss gesprochen.

 Das ist der Wert an der Elsterbrücke Kahla am Montag. Inzwischen melden sich zahlreiche Anrufer in der RUNDSCHAU, die sich besorgt zeigen. „Nicht mal mehr Enten sieht man auf dem Fluss“, meint eine Leserin und fragt. Liegt das auch am sauren Wasser?
Das ist der Wert an der Elsterbrücke Kahla am Montag. Inzwischen melden sich zahlreiche Anrufer in der RUNDSCHAU, die sich besorgt zeigen. „Nicht mal mehr Enten sieht man auf dem Fluss“, meint eine Leserin und fragt. Liegt das auch am sauren Wasser? FOTO: LR / Frank Claus

Nadine Kolbe, die für die Untere Wasserbehörde täglich mehrfach an vier Stellen in der Schwarzen Elster bei Plessa und Kahla, am Binnengraben Kahla und am Hammergraben Plessa, Wasserproben entnimmt, kommt auch zu keinem anderen Ergebnis. „Es betrifft nicht nur Fische, du siehst auch keinen Wasserläufer und keine Libelle mehr.“ Kein Wunder, der ph-Wert liegt am Montag am Auslauf des Hammergrabens immer noch bei niedrigen 2,78. Bei Kahla sieht der Wert schon etwas besser aus.

Vier Schnellmaßnahmen hatte Kurt Augustin, Referatsleiter Wasser und Boden im Umweltministerium, am Ende der vergangenen Woche angekündigt. Eine davon, das Bekalken, war am Montag schon wieder gekanzelt worden. Und nun?

 Dieses Foto entstand am Sonntag am Zusammenfluss von Schwarzer Elster und dem Hammergraben unmittelbar hinter der Elstermühle Plessa. Auf dem Bild sind drei verschiedene Farbtöne zu erkennen. Was ist das für eine helle Flüssigkeit?, fragt Leser Lutz Philipp.
Dieses Foto entstand am Sonntag am Zusammenfluss von Schwarzer Elster und dem Hammergraben unmittelbar hinter der Elstermühle Plessa. Auf dem Bild sind drei verschiedene Farbtöne zu erkennen. Was ist das für eine helle Flüssigkeit?, fragt Leser Lutz Philipp. FOTO: LR / Lutz Philipp

Thomas Frey, der Pressesprecher des Landesumweltamtes, der eigentlich bereits für Mittwoch eine Stellungnahme angekündigt hatte, kann nicht liefern. „Für Donnerstag 10 Uhr ist in unserem Hause eine weitere Krisensitzung mit Fachleuten angesetzt worden. Ich kann erst danach sagen, welche Schritte jetzt eingeleitet werden sollen.“ So recht weiß auch keiner genau, ob an der Baustelle der Erdgasleitung immer noch Grundwasser gepumpt wird.

Unterdessen flattern immer mehr Kleine Anfragen zum Problem Schwarze Elster bei der Landesregierung ein. Abgeordnete der CDU hatten Anzeige gegen unbekannt gestellt, weil „keiner die Verantwortung übernehmen“ will, wie es hieß.

Das große Fischsterben in der Schwarzen Elster ist für die Brandenburger Bündnisgrünen ein „Umweltskandal erster Güte“. In ihrer Pressemitteilung heißt es: „Aufgrund der Einleitung von saurem Grundwasser gibt es seit Wochen ein großes Fischsterben in dem Südbrandenburger Fluss. Trotz frühzeitiger Informationen durch den Landkreis Elbe-Elster handelten Landesbehörden nicht.“

„Wegducken von Behörden, Agieren erst nach Schadenseintritt, hektische Sofortmaßnahmen – was aktuell an der Schwarzen Elster passiert, wächst zu einem Umweltskandal erster Güte heran“, sagt der umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion und Spitzenkandidat Benjamin Raschke. Der Verursacher müsse zeitnah ermittelt werden und zu einer Kostenübernahme verpflichtet werden“, fordert er. Zudem müsse der Fall „konsequent aufgeklärt“ und dürfe nicht mit Ende der Wahlperiode zu den Akten gelegt werden. Raschke kündigte an, dass der künftige Umweltminister sich ab Herbst dem Thema widmen muss. Zuvor sollte aber noch der scheidende Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) Stellung beziehen.

Der Handlungsdruck sei enorm. Die Grünenpolitikerin Valentine Siemon aus Bad Liebenwerda, Direktkandidatin für die Landtagswahl im Wahlkreis 37, zeigt sich erschüttert: „Auf mehreren Kilometern ist der Fluss einfach nur tot. Wenn Landesbehörden frühzeitig informiert wurden, aber nicht handelten, ist das ein nicht zu entschuldigendes Verhalten. Aufgeklärt werden muss auch, wann der Landkreis das Land informiert hat und ob er alle seine Handlungsmöglichkeiten konsequent genutzt hat.“ Die Lausitzer Umweltexpertin der Bündnisgrünen Isabell Hiekel, Kandidatin für die Landtagswahl auf Platz 9 der Landesliste und Direktkandidatin im Wahlkreis 30, sieht Langzeitschäden: „Ganze Nahrungsketten wurden zerstört. Die Auswirkungen werden wir noch auf lange Zeit vor Ort zu spüren bekommen. Bis der Fluss wieder ins Lot kommt, können Monate, ja sogar Jahre vergehen.“