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| 01:29 Uhr

Schwalbenkönig peilt bei der Rallye Monte Lugau den Hattrick an

Reizvoll – auch beim 16. Mal: die Rallye Monte Lugau. Fotos: Dietmar Seidel
Reizvoll – auch beim 16. Mal: die Rallye Monte Lugau. Fotos: Dietmar Seidel
Lugau. „Normal ist das nicht“, prangte in breiten Lettern auf dem T-Shirt eines jungen Mannes und fasste damit kurz und bündig zusammen, was sich am vergangenen Samstag auf dem Gelände des sogenannten „Russenbunkers“ am Rande des beschaulichen Lugaus abspielte. Dort fand die 16. Rallye Monte Lugau, Deutschlands wohl größtes Rennen für die Suhler Kultmopeds Schwalbe, Duo und SR statt. Von Torsten Pötzsch

Es war wahrlich alles jenseits der Normalität. Mensch und Maschinen wurden auf das Extremste gefordert, es zählte der Sieg und es zählte die Teilnahme an diesem Spektakel. Mehr als sechs Stunden zogen sich die einzelnen Qualifikationsrennen hin, bis kurz vor Sonnenuntergang der Schwalbenkönig 2009 gebührend gefeiert werden konnte. „Interessante Streckenführung. Es gibt viele lange Geraden. Das wird heute sicherlich eine ganz schnelle Sache werden“, mutmaßte der Finsterwalder Sven Kunze, ein Fahrer der ersten Stunde bei der Rallye, kurz vor Beginn. Und er sollte recht behalten. Die Rennen wurden rasant, und die zahlreichen Zuschauer bekamen viel Action für wenig Geld geboten.

Rennställe dominieren

Wie sich in den vergangenen Jahren schon herauskristallisiert hatte, waren es wieder die „Rennställe“, die das Geschehen dominierten. Mit einer großen Crew an Servicepersonal wurden Fahrer und Gefährt auf den Punkt fit gemacht. Die Suhler Ingenieure von Simson würde es wohl mit Stolz erfüllen, was man aus ihren Maschinen herausholen kann. Insgesamt starteten 71 Schwalben, zwölf SR 2 und acht Duo, woran der Veranstalter einen leichten Aufwärtstrend bei den Teilnehmerzahlen ablesen konnte. Die Rallye, von vielen schon oft totgesagt, lebt also und erfreut sich bester Gesundheit.

Zeit und Geld investiert

Es steckt aber auch jede Menge Zeit und letztlich auch Geld in der Vorbereitung des Rennens, wie Roland Pietzner sagte, ein Mann, der die Rallye vor 16 Jahren mit aus der Taufe gehoben hatte und heute noch für Ablauf und Technik verantwortlich ist. Als er Samstag die Start-Ziel-Flagge schwenkte, war das für ihn schon Entspannung und die meiste Arbeit lag hinter ihm. „Der Ablauf war reibungslos. Ganz wichtig: Es gab keine Verletzten und es war ein sehr fairer Wettkampf unter den konkurrierenden Fahrern“, so sein Abschlussstatement. „Unser Dank geht natürlich an das fantastische Publikum und an die Sponsoren und vielen Helfer, ohne die die Rallye nicht machbar wäre. Viele haben viel Zeit investiert. Einige Vereinsmitglieder haben sogar wieder extra Urlaub genommen, um die Rallye auf die Beine zu stellen.“

Eines der größten Teams war die Crew von MMG, der Merzdorfer-Moped-Gang. Und sie konnte auch einen bisher einmaligen Erfolg verbuchen. Mit Paul und Rainer Demgensky fuhren in der Klasse SR 2 Sohn und Vater auf das Podest. „Wir sind gut 40 Leute, Mütter, Väter und Kinder, und wir haben hier jede Menge Spaß und auch noch Erfolg“, freute sich „Manager“ Matthias Wüstenhagen. „Unsere Söhne machen das, was wir früher schon gemacht haben, schrauben an den Mopeds, haben eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die viel technisches Verständnis und Kreativität erfordert und dabei bekommen sie von uns jegliche Unterstützung.“ Der Doppelsieg machte das Wochenende dann perfekt.

Die Leute von MMG traten natürlich auch beim Wentra-Cup an. Dabei geht es um den kreativsten Umbau eines Mopeds. Das Publikum ist die Jury. Doch hier kam keiner an dem Cottbuser Maschinenbaustudenten Robert Ulbricht vorbei. Er machte das technisch Unmögliche möglich, baute einen riesigen Chopper, unter dessen Tank insgesamt vier Simsonmotoren im Zweitakt schlugen. „Ich habe zwei Wochen daran Tag und Nacht gebaut, nur für die Rallye, und es hat sich ja auch gelohnt“, freute sich der Cottbuser. Auch seine Professoren wird diese Leistung sicherlich mit Stolz erfüllen.

Sielower Star des Tages

Am meisten jubelte aber am Ende des Tages Steven Geister vom Sielower Racing Team. Nach 2008 wurde er wiederholt Schwalbenkönig und Star des Tages. „Der Dank für diesen Sieg geht natürlich an mein Team, das wie ein Mann hinter mir gestanden und hervorragende Arbeit geleistet hat. Wir kommen nächstes Jahr wieder und machen den Hattrick“, verspricht er. Siege machen eben selbstbewusst.

Bis tief in die Nacht knatterten noch die Motoren über das Areal, doch es gab in diesem Jahr auch wieder einmal was für die Ohren. Ein Livekonzert mit vier Bands, von Rap bis harten Rock, rundete den Abend ab. Richtig Ruhe kehrte erst mit dem Morgengrauen ein.