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Grünewalder Lauch
Mit dem Wolf leben lernen

Längst auch rund um das Erholungsgebiet Grünewalder Lauch streift der Wolf umher. An die Pferde und das Pony von Gabi Radigk traut er sich nicht heran. Sicher untergebracht sind diese und die anderen Tiere trotzdem.
Längst auch rund um das Erholungsgebiet Grünewalder Lauch streift der Wolf umher. An die Pferde und das Pony von Gabi Radigk traut er sich nicht heran. Sicher untergebracht sind diese und die anderen Tiere trotzdem. FOTO: Manfred Feller / LR
Gorden/Grünewalde. Die Schafsrisse bei Gorden hätten nicht sein müssen, meint die Tierschützerin Gabi Radigk. Von Manfred Feller

Über den mutmaßlichen Wolfsriss in zwei aufeinanderfolgenden eiskalten Winternächten im Februar auf einer Landwirtschaftsfläche zwischen Gorden und Hohenleipisch wundert sich die Tierschützerin Gabi Radigk nicht. Seinerzeit waren drei Burenziegen-Mischlinge und ein Bergschaf tot gebissen, zwei weitere Tiere schwer verletzt und in der Nacht darauf noch einmal fünf Schafe und eine Ziege getötet worden.

„Bei Kälte lässt man nachts diese Tiere nicht draußen stehen. Sie standen zudem dicht gedrängt hinter einem engen Schafzaun ohne Hund. Das war für den Wolf wie auf dem Präsentierteller“, findet Gabi Radigk diese Art der Haltung nicht in Ordnung. Das Landesamt für Umwelt Brandenburg hatte einen Rissgutachter entsandt und informiert, dass in der zweiten Nacht zwei Hunde die Tiere bewacht hätten. Ob der Wolf, der mehr getötet als gefressen hatte, tatsächlich zugebissen hatte, würden die genetischen Proben zeigen. Das Ergebnis werde erst im zweiten Halbjahr erwartet.

In der Gegend um den Grünewalder Lauch, wo Gabi Radigk mit ihrem Mann seit 17 Jahren mitten in der Natur wohnt und Tiere hält, sei der Wolf erstmals wohl vor etwa einem Jahr durch einen Revierförster gesehen worden. „Wir haben sein Heulen gehört. Da fallen einem sofort alle Jack-London-Bücher ein“, zeigt die Tierfreundin Respekt. „Wir wissen, dass er da ist.“ Entsprechend werden alle vierbeinigen Tiere gehalten und geschützt. Der Schutzzaun um die Koppel sei vor Jahren eigentlich gegen die Wildschweine aufgestellt worden. „Aber Strom hilft auch gegen Wölfe“, meint Gabi Radigk. Doch an große und gesund aussehende Tiere, wie ihre Pferde, wage sich das Raubtier ohnehin nicht.

„In anderen Ländern hat es immer Wölfe gegeben. Auch wir werden mit ihnen leben müssen“, sagt sie weiter. Aber über deren Anzahl und die damit einhergehenden Folgen auch für den Wildbestand streiten sich Befürworter und Gegner.

Wie dicht Furcht und falsch verstandene Tierliebe beieinander liegen, verdeutlicht Gabi Radigk an einem Beispiel aus ihrer Umgebung. Urlauber aus Bayern, die rund um das Erholungsgebiet Grünewalder Lauch mit dem Fahrrad unterwegs waren, berichteten von einer interessanten Begegnung. Auf dem Lobenweg zwischen Döllingen und Plessa standen an einem Vormittag plötzlich Jungtiere vor ihnen. Weil das nächste Dorf nicht weit entfernt war, dachten die Besucher, dies seien ausgesetzte Schäferhundwelpen. „Die Tiere wurden gefüttert und mit ihnen wurde gespielt“, erinnert sich die Lauchbewohnerin an das Gespräch. Als die Bayern erfuhren, das dies höchstwahrscheinlich junge Wölfe waren, war das Erschrecken groß.

Gabi Radigk nimmt an, dass die Mutter der Welpen das Geschehen aus der Distanz beobachtet hat. „Wildtiere sollte man nie anfassen und füttern“, warnt sie. Junge Wölfe würden zutraulich und könnten später keine Angst vor dem Menschen haben. Dies sei gefährlich.

Davon unbeeindruckt geht bei Gabi Radigk das gut behütete Tierleben auf der Koppel und im Stall weiter. Ins Auge fallen die Pferde. „Das sind Sportpferde gewesen. Bei mir erhalten sie ihr Gnadenbrot. Ohne uns wären sie längst zu Wurst verarbeitet“, sagt sie. Für die einstige Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsreiterin beim ASK in Berlin käme es nie infrage, etwas vom Pferd zu essen. Seit vielen Jahren rettet sie diese vor dem Schlachter, peppelt kranke Tiere wieder auf oder nimmt jene vorübergehend auf, die den Haltern durch den Tierschutz entzogenen worden sind - vom Hund bis zum Pferd.

Bereits seit acht Jahren genießt die 13-jährige Rappstute „Daiquiri“ ihr Leben in der Natur des Grünewalder Lauchs. „Sie ist ein Springpferd gewesen. Die Gelenke waren überdehnt. Nur das Spazieren ist noch möglich“, sagt ihre Pflegerin.

„Amicelli“ heißt die Mecklenburger Stute, weil sie süß und verfressen ist. Die 15-Jährige stand einst in Finsterwalde und hat Probleme mit einem Hinterbein.

Das Huftiertrio vervollständigt das ehemalige Bauernhofpony „Robbin“. Der Wallach begeht bald seinen 40. Geburtstag. „Ihn habe ich von einem Schlachttransport weggekauft. Er sollte nach Berlin und dann nach Italien gebracht werden. Niemand wollte ihn mehr“, hat Gabi Radigk Mitleid. „Robbin“ sieht und hört schlecht und erhält wegen seiner Zahnprobleme weiches Rentneressen. Der Tierarzt untersuche ihn regelmäßig. Einst war der Wallach der Reitliebling aller Kinder. Der Wolf bekommt den Senior jedenfalls nicht.