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| 17:38 Uhr

Gedenken an Opfer des Zweiten Krieges
Mit Stopp in Mühlberg und Bad Liebenwerda

 Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (Mitte) und Laurent Guillet sind längst gute Freunde. Diesmal gab es Stempel und Unterschrift. 
Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (Mitte) und Laurent Guillet sind längst gute Freunde. Diesmal gab es Stempel und Unterschrift.  FOTO: VRS
Bad Liebenwerda. Auf seinem Weg von Frankreich durch Deutschland nach Tschechien hat Schriftsteller Laurent Guillet aus Limerzel in der Bretagne mit einer Gruppe Musiker in dieser Woche in Elbe-Elster Station gemacht.

Bei der mehrwöchigen Reise der Gruppe mit dem Schriftsteller Laurent Guillet, einer Musikschullehrerin, einem Schüler, drei Studenten, einem Azubi sowie einem Rentner wird in einer Aktion für den Frieden zwischen den Völkern die längste historische Schnitzeljagd der Welt absolviert. In den angesteuerten Zielorten werden kulturelle Kontakte geknüpft und Konzerte gegeben.

So auch in Bad Liebenwerda. Bei einem Empfang bei Kurstadt-Bürgermeister Thomas Richter haben sich die Reisenden am Montagnachmittag für ihr Begleitheft die Unterschriften und Stempel des Stadtoberhauptes der Kurstadt abgeholt. Thomas Richter regte an, mit einem Ort oder der Musikschule in der Region Malansac in der Bretagne eine Städtepartnerschaft oder eine Musikschulverbindung einzugehen.

Entsprechend dem Goethespruch „Reisen bildet“, aber auch dem tieferen Sinn kirchlicher Pilgerreisen gleich, gewinnen die Teilnehmer an Lebenserfahrung und überall, wo sie auftauchen, machen sie auf bestimmte Themen und ihre Heimatregion aufmerksam.

Gekoppelt ist die Geschichtstour durch die drei europäischen Staaten an einen ernsten Hintergrund, an acht Gedenktafeln sowie an das Buch „Er hieß Joseph“ von Laurent Guillet. In seinem Buch und auf den Gedenktafeln, die in Trevelo und in Sarrebourg in Frankreich, im Gefangenenlager Mühlberg bei Neuburxdorf, in Hartmannsdorf, in Lengenfeld und in Plauen in Deutschland sowie in Litvinov und Most in der Tschechischen Republik angebracht sind, beschreibt Laurent Guillet stellvertretend für viele andere Menschen den Lebensweg von Joseph Santerre. Der Leitfaden: „Das Schicksal von Joseph Santerre“ soll an die vielen Zivil- und Militäropfer aller Nationalitäten erinnern, die während der Kriegszeit ums Leben gekommen sind. Dies steht unter anderem auf jeder Tafel auf Französisch, Deutsch, Tschechisch und Englisch. Mit seiner literarischen Reise möchte der Autor das Buch erlebbar machen und ein Zeichen für den Frieden setzen.

Am 17. September 1905 wurde Joseph Santerre im französischen Limerzel geboren. 1945 wurde er in Böhmen in einem Zwangsarbeitslager in Oberleutendorf/Litvinov ermordet. Zuvor saß Joseph Santerre in einem Arbeitserziehungslager der Gestapo in Plauen. Ende 1944 soll er der Geheimen Staatspolizei auffällig geworden sein. Bereits vier Jahre zuvor geriet Joseph Santerre in deutsche Gefangenschaft, wurde in den Bergbau geschickt und musste dort Zwangsarbeit leisten.

Das 448 Seiten umfassende Buch entstand auch durch Zuarbeit der Stadtverwaltungen von Bad Liebenwerda und Mühlberg. Neffe Laurent Guillet verfasste in seinem Buch nicht nur diese tragische Familiengeschichte, er dokumentiert sie auch auf diesen acht in Europa verteilten Gedenktafeln, welche an den Stationen des Leidensweges aufgestellt sind.

 Nelly Burban und ihre Begleiter/innen von der Musikschule Malansac in Frankreich haben zwei Konzerte in der Kurstadt und in Mühlberg gegeben.
Nelly Burban und ihre Begleiter/innen von der Musikschule Malansac in Frankreich haben zwei Konzerte in der Kurstadt und in Mühlberg gegeben. FOTO: VRS

„Unter dem Himmel von Paris, Mühlberg und Bad Liebenwerda“, im Sinne dieses Mottos hat die Künstlerin und Leiterin der Musikschule Malansac in der Bretagne (Frankreich), Nelly Burban (54), in der Diakonie in Mühlberg und in der Südbrandenburgischen Orgelakademie in Bad Liebenwerda zusammen mit ihren Musikschülern zwei beeindruckende Konzerte gegeben. Nelly Burban nimmt zusammen mit Schülern ihrer Musikschule an der von Schriftsteller Laurent Guillet initiierten längsten Schnitzeljagd der Welt teil. In ihrem bunten Programm, das auch noch an den anderen Stationen der mehrwöchigen Reise in Frankreich, Deutschland und Tschechin präsentiert wird, bieten die Künstler in französischer Sprache eine breite Palette von Chansons, Filmmusiken bis hin zu Pop.

(vrs)