ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Schraden – da geht die Post ab

Ortsvorsteher Olaf Redlich zeigt auf dem Plan, wie das hinter ihm zu sehene Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden soll. Los geht es im Spätsommer dieses Jahres. Unten der Lageplan rund ums Dorfgemeinschaftshaus.
Ortsvorsteher Olaf Redlich zeigt auf dem Plan, wie das hinter ihm zu sehene Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden soll. Los geht es im Spätsommer dieses Jahres. Unten der Lageplan rund ums Dorfgemeinschaftshaus. FOTO: Frank Claus
Schraden. Schraden? Vorsicht! Bloß keine Abfälligkeiten nach Art von "Wo liegt das denn?" Auch wenn meist nicht so viel nach außen dringt: In dem Dorf geht die Post ab. Verantwortlich dafür sind vor allem die Einwohner, die in Vereinen organisiert sind. Frank Claus

Es gibt den Dorf- und Sportverein (DSV), den Jugendclub, die Senioren- und Frauenkegelgruppe, die Feuerwehr, die Bürgerinitiative Schraden und einen Bikerclub. Der Ortsbeirat ist rührig, Ortsvorsteher Olaf Redlich Hansdampf in allen Gassen. "Unser Jugendclub hat den Ortsbeirat noch nie nach Geld gefragt. Die jungen Leute stemmen alles selber", sagt der Ortsvorsteher und zeigt bei der Rundfahrt stolz den Spielplatz, auf dem der Jugendclub regelmäßig das Volleyballturnier mit Fete organisiert.

Größtes Projekt in diesem Jahr ist der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses. Genutzt wird die ehemalige Polytechnische Oberschule, die noch bis 1989 in Betrieb war, vom Dorf- und Sportverein. Vorsitzender ist Michel Jung, "ein Mann, der mit Geld nicht zu bezahlen ist", wie Olaf Redlich sagt. Im Erweiterungsbau soll ein Raum so vergrößert werden, dass Versammlungen mit bis zu 100 Personen möglich sind. Der Anbau werde einen Vereinsraum erhalten, den insbesondere die Fußballer nutzen werden. Hinzu kommen ein Sanitärbereich mit Behinderten-WC und ein Schiedsrichterraum. Die Gesamtinvestition wird mit 452 000 Euro beziffert. Der Förderanteil beträgt die für Leader-Projekte übliche Größe von 75 Prozent.

Doch das ist nicht nur ein Umbau schlechthin: Damit hebt Schraden sein Kultur- und Sportzentrum auf ein völlig neues Niveau. Obwohl am Dorfrand gelegen, ist es schon jetzt gut frequentiert. Kirche, Kindergarten und das sich entwickelnde Museum sorgen dafür. In der Wohnung des ehemaligen Lehrerehepaares Wahsner sollen Besucher künftig einen Einblick ins Leben des Ortes und der alten Schradener Schule erhalten. Inzwischen sicher einmalig ist der komplett erhaltene Werkraum mit den hölzernen Werkbänken samt Holz-Schraubstöcken von einst.

In Schraden sind mehrere Firmen ansässig, gibt es noch eine Landfleischerei, die auch Dinge des täglichen Bedarfs anbietet und sogar ein Friseurgeschäft. Wohnflächen sind knapp im Dorf: "Wir haben keine Wohnungsbaustandorte", sagt der Ortsvorsteher und lotet deshalb gerade mit dem Amt Plessa aus, wie zumindest zwei, drei Flächen bereitgestellt werden können. Dass es sich in Schraden gut leben lässt, beweisen die zahlreichen neuen Eigenheime, die nach der Wende entstanden sind. Kein Wunder: Bis Dresden ist es nur noch ein Katzensprung.

Touristisch ist der Ort gut erschlossen, wenngleich etwas mehr Werbung für die vorhandenen Angebote nun im Hausaufgabenheft steht. Mit all diesen Pfunden dürfte Schraden der Jury von "Unser Dorf hat Zukunft" die Entscheidung nicht gerade einfacher gemacht haben.

Zum Thema:
Die Gemeinde Schraden ist der jüngste Ort im Amtsbereich Plessa. Eigenständig ist sie seit 1929, erste Ansiedlungen gab es um 1848.Schraden hat 517 Einwohner, das Durchschnittsalter beträgt 47,7 Jahre (Landkreis Elbe-Elster 46,4). Gegenwärtig gibt es 16 Kinder im Alter von bis zu drei, 15 im Alter bis zu sechs und 42 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 15 Jahre. 76 Einwohner sind älter als 75 Jahre.Die Nähe zur B 169 und zur Autobahn (Dresden weniger als 45 Kilometer entfernt) sind ein verkehrstechnischer Vorteil.