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| 15:41 Uhr

So haben Sie Klassik noch nie erlebt!
„Schon früher ist geklaut worden, was das Zeug hält“

Hören Sie mal, wie das klingt. Kommt Ihnen bekannt vor? Felix Reuter bringt in Bad Liebenwerda Klassik auf amüsante Weise nahe.
Hören Sie mal, wie das klingt. Kommt Ihnen bekannt vor? Felix Reuter bringt in Bad Liebenwerda Klassik auf amüsante Weise nahe. FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda. Pianist und Musikkomödiant Felix Reuter führt auf etwas andere – unterhaltsame Art – in die Klassik ein. Von Frank Claus

Wie viele „Wiederholungstäter“ am Freitagabend im gut gefüllten Saal des Bürgerhauses in Bad Liebenwerda Platz genommen haben? Gezählt worden ist das nicht. Es waren aber garantiert einige. Felix Reuter, der aus dem Thüringischen stammende Showpianist, Entertainer und Musikkomödiant ist zum dritten Mal im Elbe-Elster-Kreis. Diesmal mit seinem Programm „music meets nature“ - Musik trifft Natur.

Er betritt die Bühne, schaut kurz in den Saal, spielt sich die Finger und seine Gäste warm und beginnt zu plaudern. Sie wollen berühmt werden?, fragt er und drückt abwechselnd nur zwei Tasten. Es klingt wie Feuerwehrhörner. „Diesen Doppelklang, das hat Mozart auch so gemacht - und was ist aus ihm geworden?, fragt er vielsagend in den Raum. Die zwei Steppkes in der ersten Reihe, wie später zu erfahren, üben beide fleißig zu Hause Klavier, grienen.

Dann begibt sich Felix Reuter auf seinen Streifzug durch die Natur in den vier Jahreszeiten. Der Frühling! Wie oft ist der musikalisch verarbeitet worden - mal mit und mal ohne Artikel vorm Hauptwort. Er spielt Bartholdys „Der Frühling“ ebenso wie Mozarts „Sehnsucht nach dem Frühling“ und Schuberts „Im Frühling“ als Beweise an. Freilich auch Beethovens „Frühlingssonate“.

Und immer wieder zeigt er mit nur leicht veränderten Tonlagen auf, dass in einigen klassischen Werken scheinbar Altbekanntes steckt. „Die haben früher schon geklaut, was das Zeug hält“, ist er überzeugt und spielt zum Beweis  den von Wagner und Bartholdy komponierten Hochzeitsmarsch, in dem ohne Zweifel das Weihnachtslied vom Tannenbaum steckt.

Die beiden Steppkes in der ersten Reihe machen große Augen. Doch damit nicht genug. In ganz ernsthaftem Ton verklickert Felix Reuter: „Die Moldau wird in Moll gespielt, sonst hieße sie ja Durdau“ und weist nach, dass im Smetana-Stück das Kinderlied „Alle meine Entchen“ steckt. Die Steppkes kriegen sich fast nicht mehr ein.

Charmant baut er Griegs „Morgenstimmung“ ein, lässt bildhaft Tschaikowskis „Schwanensee“ in der Kurstadt entstehen, berichtet von Beethovens Kampf um „Elise“ und von den Tönen H & M statt C & A.

Fast jedes seiner Stücke lässt er mit einem angeschlagenen Pling-Ton als Schlussakkord enden – freilich unter unnachahmlicher Mimik und Gestik. Nur wenige Stücke und die Gäste warten mit gespitzten Ohren schon auf diesen Spezial-Effekt.

So, genau so haben die Zuhörer auch in Bad Liebenwerda Klassik noch nie gehört.