| 14:02 Uhr

Elsterwerda
Nach 16 Monaten Hochdruck rollen wieder Züge

Martin Dulig (SPD), sächsischer Wirtschaftsminister, spricht auf dem Hauptbahnhof in Dresden anlässlich der Einweihung der Neubaustrecke zwischen Berlin und Dresden.
Martin Dulig (SPD), sächsischer Wirtschaftsminister, spricht auf dem Hauptbahnhof in Dresden anlässlich der Einweihung der Neubaustrecke zwischen Berlin und Dresden. FOTO: Frank Claus / LR
Elsterwerda. Die Bahnstrecke Berlin-Dresden ist ab 10. Dezember wieder durchgängig befahrbar. Mit einer Sonderzugfahrt wird das am Dienstag gefeiert.

Vorfreude um 12.46 Uhr am Gleis 2 in Elsterwerda. Der Sonderzug aus Berlin nach Dresden fährt ein. In Elsterwerda steigen unter anderen Waltraud Lahn, Erika Kniesche und Martina Goldschmidt in den Zug. Sie haben so wie weitere Leser, die bereits vorher in Luckau-Uckro in den Zug geklettert sind, bei der RUNDSCHAU-Verlosung die Plätze gewonnen. Diesen besonderen Moment der Streckenfreigabe nach 16 Monaten Sperrung wollen sie sich nicht entgehen lassen. Pünktlich zum Fahrplanwechsel am Sonntag geht die Strecke Berlin-Dresden wieder ans Netz. Regional- und Fernzüge fahren dann auf der Verbindung über Elsterwerda.

Mit einem Sonderzug der Deutschen Bahn reisen am Dienstag Anwohner sowie Amts- und Mandatsträger aus der Region und Projektbeteiligte auf der modernisierten Strecke von Berlin bis Dresden. Etwa 350 Gäste sitzen im Zug des IC 2. Diese Baureihe kommt künftig auf der Strecke von Dresden über Elsterwerda und Berlin nach Stralsund zum Einsatz. Als Zugführer Detlef Weitzmann die Türen am Bahnsteig 3 des Dresdner Hauptbahnhofes öffnet, werden die Gäste von einer Big Band mit dem „Sonderzug nach Pankow“ begrüßt.

Der DB-Projektleiter Hans-Jürgen Kieke ist erleichtert: „Bis in die letzten Tage hatten wir zahlreiche Herausforderungen zu meistern – von Baugrundschwierigkeiten bis zu Sturmschäden; doch alle Projektbeteiligten haben Wort gehalten: Die Strecke ist wieder in Betrieb.“

Seit August 2016 wurde auf 73 Kilometern im Land Brandenburg gebaut. Unter anderem wurden rund 840 000 Kubikmeter Erdstoffe bewegt – auf Eisenbahnwaggons verladen würde das einen Zug ergeben, der fast so lang wie die Strecke Berlin-Dresden im Land Brandenburg ist. 112 000 Eisenbahnschwellen, 134 Kilometer Schienen, Hunderte Kilometer Kabel mussten verlegt, 1800 neue Oberleitungsmaste aufgestellt werden. Erneuert wurden Bahnsteige und Bahnsteigzugänge sowie sieben Eisenbahnbrücken und 19 Durchlässe. Mit moderner computergesteuerter Betriebsleit- und Sicherungstechnik, für die sechs neue Stellwerke errichtet wurden, konnte die veraltete Stellwerkstechnik abgelöst werden.

Für den Ersatz von 18 Bahnübergängen wurden 13 Straßen- und zwei Eisenbahnbrücken sowie 14 Kilometer Straßen neu gebaut.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann (CDU) ist erfreut. „In der Sperrpause von einem Jahr wurden gewaltige bauliche Fortschritte für die Strecke von Berlin nach Dresden erreicht. Der überwiegende Teil der Strecke ist jetzt ausgebaut.“ Er würdigt das Engagement der Bahn und meint: „Wir denken in Magistralen.“ Deshalb sei es gut, dass die neu geplante Strecke nach Prag mit dem Neubau des Erzgebirgs-Basistunnels nun im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes stehe. Sachsen hatte die Trasse, die den Engpass durch die Sächsische Schweiz entlasten soll, ins Gespräch gebracht. Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) betrachtet deshalb den jetzt fertiggestellten Abschnitt zwischen Berlin und Dresden nur als eine Zwischenetappe. Für Brandenburgs Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse (SPD) bringt das fristgerecht abgeschlossene Teilstück eine weitere enorme Entlastung für Pendler aus Brandenburg nach Berlin und Dresden. Die Strecke sei zudem eine „wichtige Verbindung für den Güterverkehr zwischen den Häfen der Nord- und Ostsee mit dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer.“

Seit Dezember 2016 wurde auch der vier Kilometer lange Streckenabschnitt in Großenhain in Sachsen neu gebaut. Hier wurden auf rund vier Kilometern Gleise, sieben Brücken sowie die Streckenausrüstung erneuert. An drei Stellen wurden enge Kurven aufgeweitet, um künftig Tempo 200 fahren zu können. Rund 1,2 Kilometer Lärmschutzwände, bis zu vier Meter hoch, wurden errichtet. Zehntausende verfolgten den Fortgang der Bauarbeiten live im Internet: Fast zwei Jahre führte das Projektteam ein Bautagebuch auf der Webseite des DB-BauInfo-Portals.

Seit Beginn des Ausbaus der Verbindung Berlin-Dresden haben Bund, EU, Bahn, Länder und Kommunen bereits über 400 Millionen Euro investiert. Voraussichtlich bis Ende 2020 wird die gesamte Strecke Berlin-Dresden mit der neuesten Version des einheitlichen europäischen Zugsicherungs- und Steuerungssystem ETCS ausgerüstet. Das ist die Voraussetzung, um den grenz-
überschreitenden Verkehr zu vereinfachen und auf der Strecke Berlin-Dresden mit Tempo 200 fahren zu können.

Ziel des Gesamtausbaus der Bahnstrecke Berlin–Dresden ist es, die Fahrzeit zwischen den Hauptbahnhöfen der sächsischen Landeshauptstadt und der Hauptstadt der Bundesrepublik perspektivisch auf 80 Minuten zu verkürzen.

Hierfür sind noch der Bau der Dresdner Bahn und der Ausbau der Streckenabschnitte zwischen Blankenfelde und Wünsdorf, zwischen Großenhain und Elsterwerda sowie der Umbau des Bahnhofs Doberlug-Kirchhain im Rahmen der 2. Ausbaustufe erforderlich.

Ende 2016: Gleisbau bei Golßen. Im 73-Kilometer-Abschnitt wurden 134 Kilometer neue Schienen und 1800 neue Oberleitungsmaste installiert.
Ende 2016: Gleisbau bei Golßen. Im 73-Kilometer-Abschnitt wurden 134 Kilometer neue Schienen und 1800 neue Oberleitungsmaste installiert. FOTO: Frank Claus / LR