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Schlamperei an der B 101

Die beidseitig der B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda gefällten Bäume geben ein ganz neues Sichtfeld auf die Straße frei.
Die beidseitig der B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda gefällten Bäume geben ein ganz neues Sichtfeld auf die Straße frei. FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Eine oberpeinliche und für den Steuerzahler teure Panne gleich zum Auftakt: Obwohl auf der Nordseite der Bundesstraße 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda kaum noch Gehölz steht, endet der Startversuch zum dreistreifigen Ausbau knallhart am Baum. Die Ausschreibung des Landesbetriebes Straßenwesen zum Holzen ist an der Realität ziemlich weit vorbeigeschrieben worden. Manfred Feller

Denn die vorgegebene Fälltechnologie auf der etwa fünf Kilometer langen Nordseite passt sicherheitstechnisch nicht zur festgelegten halbseitigen Straßensperrung.

Fast noch schlimmer: Die Vorbereitung des Großprojektes hätte wesentlich zeitiger beginnen beziehungsweise konsequenter durchgezogen werden müssen. Denn einige Waldgrundstücke sind von ihren Besitzern noch nicht freigegeben worden. Und die Zeit drängt. Laut Naturschutzgesetz müssen die Arbeiten bis Ende Februar erledigt sein. Dann wird es mit Sondergenehmigungen komplizierter und noch teurer.

"Wir können seit Tagen nur eingeschränkt arbeiten", moniert Jan Packroff, Prokurist und Bauleiter der ausführenden Holzungsfirma Packroff aus Elsterwerda. Nicht freigegebene Flurstücke dürfen nicht einmal befahren werden. Die schwere Technik muss über die Straße umgesetzt werden. "Der Termin 28. Februar ist nicht zu halten", sagt er.

Dabei begann das Umlegen der Bäume zu Beginn der vorigen Woche überaus flott. Der Harvester sägte den breiten Baustreifen neben der Bundesstraße in atemberaubender Geschwindigkeit bis auf einzelne Flurstücke frei. Dann ging es an die straßennahen Bäume. Diese müssen segmentweise abgetragen werden, weil die B 101 laut verkehrsrechtlicher Anordnung und Ausschreibung nur halbseitig gesperrt werden darf. Doch dieses Stück-für-Stück-Sägen direkt an der Straße sieht die Ausschreibung nicht vor. Ein handwerklicher Fehler!

Das bestätigt die Berufsgenossenschaft. Stephan Degen vom Bereich Sicherheitstechnischer Dienst bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Kassel sagt: "Beim Fällen muss die doppelte Baumlänge als Gefahrenbereich eingehalten werden." Übersetzt heißt das: Wird der Baum gefällt und nicht in Stücken abgetragen, muss die Bundesstraße komplett dichtgemacht werden.

"Wir können nicht gegen die Unfallverhütungsvorschrift verstoßen", so Jan Packroff. Um voranzukommen und keine Vertragsstrafe zu riskieren, wurden jedoch schon Straßenbäume mit Mehraufwand vorschriftsmäßig in Segmente zersägt und abtransportiert. Knapp 30 Prozent würden noch stehen. Doch jetzt sei Schluss, weil noch nicht verbindlich geklärt sei, ob der Landesbetrieb die Zusatzkosten trage.

Achterbahn fährt unterdessen Thomas Mattuschka von eben jenem Landesbetrieb Straßenwesen. Bislang eher für die Autobahnen zuständig, kümmert sich der stellvertretende Dezernatsleiter Bau Süd nun auch um Bundes- und Landesstraßen. Er gesteht ein, dass in seinem Hause offensichtlich Fehler gemacht worden sind. "Die Ausschreibung war unvollständig", sagt er. Die Firma sei aufgefordert worden, nach der Unfallverhütungsvorschrift zu arbeiten. Die Mehrkosten trage der Auftraggeber. "Diese sind aber detailliert nachzuweisen und werden von uns überprüft", so Thomas Mattuschka. Packroff will die Zusage schwarz auf weiß. Erst dann geht es weiter.

Mit ökologischer Bauüberwachung durch ein Ingenieurbüro, bestellt vom Landesbetrieb, könne auch nach dem 28. Februar geholzt werden, so Thomas Mattuschka. Es entstehen weitere Zusatzkosten.

Dass von "mehreren Grundstücksbesitzern" die Bauerlaubnis nicht rechtzeitig vorliegt, findet auch er inakzeptabel. "Die Versäumnisse liegen bei dem, der was will", gibt er zu, dass im Landesbetrieb als Bauherrn Fehler gemacht worden sind. All die Probleme sollen nun gemeinsam, einvernehmlich und schnell gelöst werden, damit der Baustart an der B 101 doch noch gelingt.