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Aus dem Gericht
Schläge gegen den Kopf kosten 300 Euro

Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerdaer kommt nach Handgreiflichkeiten gegen eine junge Frau mit einer Geldstrafe davon.

Nicht jede Beleidigung oder gar Handgreiflichkeit unter jungen Leuten wird einfach so abgehakt. Wenn eine Seite der Ansicht ist, dass eine Handlung strafbar ist, dann kann dies auch schnell vor Gericht landen. Der Eintrag nach einem Urteil in das Bundeszentralregister macht sich vor allem bei Berufseinsteigern gar nicht gut. Die Person ist dann vorbestraft.

Daran geradeso vorbeige­schrammt ist Florian Faust (Name geändert). Dem Bad Liebenwerdaer wirft die Staatsanwältin vor, am 11. Juni 2017 in Dobra im Umfeld einer Feier einer heute 22-Jährigen nach einer verbalen Auseinandersetzung in deren Gesicht geschlagen zu haben.

Der 20 Jahre junge Angeklagte, dessen Vorstrafenregister sauber ist, möchte dazu zunächst nichts sagen. Dafür stellt die Richterin beim Blick auf die Anklageschrift fest, dass der Kurstädter „nicht die höchste kriminelle Energie“ an den Tag gelegt hat. Das klingt entlastend.

Dann scheint die Wahrheit abhanden zu kommen. Der Rechtsbeistand des Angeklagten spricht von einer Rangelei. Geschlagen habe sein Mandant die junge Frau nicht.

Florian Faust bekräftigt dies. Er habe die 22-Jährige lediglich mit beiden Händen an die Schultern gefasst und zurückgedrängt, weil diese sich mit einer anderen jungen Frau gestritten habe. Die 22-Jährige habe geschubst. Beide hätten sich angebrüllt. Er spricht heute von „sinnlosen gegenseitigen Beleidigungen“. Er sei zu dem Zeitpunkt alkoholisiert gewesen (1,6 Promille). „Ich erinnere mich an alles“, versichert er auf Nachfrage der Staatsanwältin.

Sein mutmaßliches Opfer stellt die damalige Situation als Zeugin anders dar. Der Angeklagte habe mit der Faust zugeschlagen. „Ich hatte Ohren- und Kopfschmerzen“, schildert die 22-Jährige. Sie habe sich daraufhin in Dresden, wo sie wegen ihrer Ausbildung die Schule besucht, einem Arzt vorgestellt. Dieser attestierte die Schlagfolgen. Die Frau erhielt Schmerztabletten und wurde krankgeschrieben.

 Eine 17-jährige Zeugin hatte die Auseinandersetzung zwar nicht gesehen, bestätigte jedoch, dass die junge Frau ein gerötetes Gesicht hatte und über Ohrschmerzen klagte.

Der Streit hatl sich nach Aussage der 22-Jährigen über den dramatischen alkoholisierten Zustand einer 13-Jährigen entzündet. Das Mädchen sei zusammengebrochen und habe das Bewusstsein verloren. Dessen Eltern, ein Krankenwagen und dann auch die Polizei sollten gerufen werden. Dies habe nicht die Zustimmung einiger anwesender Jugendlicher gefunden. Aus gutem Grund. Weil wohl einige nicht nur Alkohol getrunken, sondern auch Drogen genommen hätten. Entdeckt zu werden, davor hatten sie Angst. Dem Mädchen wurde schließlich doch geholfen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft könnte das Verfahren eingestellt werden, wenn sich der Angeklagte bei der jungen Frau entschuldigt und eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro an die Opferperspektive zahlt. Dann wäre Florian Faust nicht vorbestraft.

Anwalt und Mandant beraten sich. Das Angebot wird akzeptiert. Mit seiner nun folgenden Entschuldigung gesteht er indirekt ein, doch zugeschlagen zu haben. „Ich hätte bei klarem Verstand sein sollen. Das kommt nicht wieder vor“, verspricht er.  Das Opfer kann damit leben. Bis zu dem Gerichtstermin hatte es keine Schadenersatzansprüche gegeben. Auch in den sozialen Medien sei es nach dem handgreiflichen Vorfall von Dobra ruhig geblieben.

Nach der „ausgehandelten“ Strafe wird das Verfahren vorläufig und schließlich ganz eingestellt, wenn Florian Faust bis Ende März die 300 Euro überwiesen hat. Der 20-Jährige, er ist ledig und hat keine Kinder, verdient als Leiharbeiter etwa 1100 Euro netto und zahlt die Summe bis Ende März in drei Raten. Er hat eine abgebrochene Ausbildung hinter sich. Nach zwei Jahren sei ihm vom Betrieb wegen zu vieler Fehlzeiten fristlos gekündigt worden.

Die Kosten des Verfahrens trägt in diesem Fall die Staatskasse.

(mf)