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Die Shanty-Rocker in der Sachsenarena
Im Auge des Sturms – Santiano in Riesa

Die Shanty-Rocker Santiano begeisterten am Mittwochabend das Publikum in der Sachsenarena in Riesa. Bereits am Freitag der Vorwoche war die Crew mit sieben Trucks angereist, um für den Tourauftakt zu proben.
Die Shanty-Rocker Santiano begeisterten am Mittwochabend das Publikum in der Sachsenarena in Riesa. Bereits am Freitag der Vorwoche war die Crew mit sieben Trucks angereist, um für den Tourauftakt zu proben. FOTO: Sebastian Schultz / LR
Riesa. Die Shanty-Rocker starten ihre Tour in der Sachsenarena. Mehr als 6000 Fans feiern Auftakt vor ausverkaufter Halle. Von Kathrin Schade

Keine kreischenden Möwen. Kein Wind, der peitscht. Kein Schiff, das sich im Sturm aufbäumt - sondern es herrscht U-Boot-Atmosphäre in der Sachsenarena. Und was könnte die Stimmung passender begleiten als die Titelmelodie eines Stücks deutscher Filmgeschichte: Das Boot. Dann allerdings tauchten sie auf.

Von da ab hieß es nur noch „Volle Fahrt Santiano!“, und das „Im Auge des Sturms“. Denn mit ihren Songs aus dem gleichnamigen aktuellen Album beweisen die Flensburger Shanty-Rocker einmal mehr, dass sie erneut den Nerv ihrer Fans getroffen haben. Gemeinsam mit mehr als 6000 Konzertbesuchern feierten Santiano am Mittwochabend in der ausverkauften Sachsenarena ihren Tourneeauftakt 2018. In den knapp drei Stunden - ohne Pause!, dafür aber mit Zugaben - ging es Schlag auf Schlag. Mit großartigen Balladen, flottem Irish-Folk und kraftvollem Rock. Stets die Themen Liebe, Tod und Freiheit im Auge. Sie beschwören in ihren Texten (u.a. „Brüder im Herzen“) die Gemeinschaft zwischen der Band und ihren Fans. „Wir nehmen jeden gern in die Mannschaft mit auf, der bereit ist, für die richtige Sache zu kämpfen, und das auch in stürmischen Zeiten“, sagt Frontmann Björn Both. „Wir sind frei, wie der Wind ... lasst es uns bleiben“, heißt es beispielsweise in einem ihrer Songs. Auch mit an Bord „Hooray for Whiskey“ sowie ne Boodle voll Rum.

„Der Abend hier ist einfach nur geil“, sagt René Pfälzer. Der 43-Jährige gehört zur Achter-Männerclique aus Senftenberg, die sogar für das Konzert in Riesa auf den DFB-Pokal-Fernsehabend verzichtete. Sie und viele andere aus dem Publikum hielten sich an die „Santiano-Anweisung“ einer Textzeile, die da lautet „Ihr sollt nicht trauern, sondern tanzen, tanzen ...“ „Die Band hat einen Fan mehr“, beteuert Frank Heinrich aus Doberlug-Kirchhain. Er sei ja eher ein Unheilig-Fan, gesteht er. Aber aus Liebe zu seiner Manuela habe er sie begleitet - und damit alles richtig gemacht: „Meine Manu ist glücklich, und ich bin begeistert von der Musik“.

Annette Richter aus Oschatz und Nicole Kierzek aus Mügeln hatten sich ihre Karten für das Konzert bereits im Oktober gesichert. Annette ist besonders von der kraftvollen, rauen Stimme des Sängers Björn fasziniert. Nicole dagegen findet alle und alles klasse. Für beide ist der Abend perfekt. Auch für Tim aus Dresden. Der Zehnjährige zeigt stolz sein Santiano-Shirt, soeben geschenkt bekommen von der Mutti. Schon seit zwei Jahren findet er die Musik „der Seemänner cool“. Besonders gefällt ihm Geiger Pete Sage. Dank ihm habe er ein neues Hobby: das Violinenspiel. Tim nimmt sogar Unterricht und möchte mal so gut musizieren können wie sein Vorbild.

Wahrlich - live ist Santiano eine Naturgewalt. Davon konnte sich das Publikum in Riesa selbst überzeugen. Auf ihrem vierten Studioalbum lotet die Band erneut die Grenzen ihrer Welt aus. Zweifelsohne besitzen die Musiker die Gabe, in den richtigen Momenten aufzudrehen, zum richtigen Zeitpunkt innezuhalten und genau an passender Stelle wieder in den Sturm zu steuern. Sie beteuern: „Unsere Lieder werden bleiben“.

Wer das Konzert in Riesa verpasst hat oder die Shanty-Rocker noch einmal erleben möchte, hier unser Tipp: Am 19. März gastiert Santiano in Leipzig. Oder Sie planen das Wiedersehen beim Open Air am 26. und 27. Mai in Dresden.

In der Sachsenarena hält das erste Halbjahr noch einige Höhepunkte bereit. Am 11. März schlägt Paul Panzer mit seinen „Glücksrittern“ auf, am 25. März gibt es Ostrock bei „Über sieben Brücken“ und am 20. April wird die Halle bei Frei.Wild garantiert zum Bersten voll. Karten gibt es bei allen RUNDSCHAU-Servicepartnern.