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| 16:34 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Bewährung für Sammler von Munition und Granaten

Ähnliche Munition wie diese, nur größer und teilweise scharf, hatte ein Mann aus Elbe-Elster besessen. Wer dazu nicht berechtigt ist, wird bestraft.
Ähnliche Munition wie diese, nur größer und teilweise scharf, hatte ein Mann aus Elbe-Elster besessen. Wer dazu nicht berechtigt ist, wird bestraft. FOTO: dpa / Kathleen Sturm
Bad Liebenwerda. Ein Mann aus dem Raum Beiersdorf/Marxdorf ohne festen Wohnsitz erhält in Abwesenheit vom Schöffengericht in Bad Liebenwerda einen Strafbefehl. Von Manfred Feller

Die Abwesenheit vor Gericht schützt vor einer Strafe nicht. Das hat oder wird noch ein Munitions- und Granatensammler aus dem Raum Beiersdorf/Marxdorf feststellen, der wohl seit September ohne festen Wohnsitz sein soll. Das Schöffengericht in Bad Liebenwerda konnte nicht feststellen, ob der 29-Jährige die Ladung zur Verhandlung über eine Kontaktadresse überhaupt erhalten hat.

Noch am Donnerstag gab es von dessen Anwalt keine Rückmeldung über das erfolgreiche Zustellen des Strafbefehls. Dieser beinhaltet eine zwölfmonatige Haftstrafe, ausgesetzt zu einer zweijährigen Bewährungszeit. Das Gericht hatte festgestellt, dass der anscheinend Obdachlose gegen das Kriegswaffen-, das Waffen- und das Sprengstoffgesetz verstoßen hat. Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2016 wurden Dinge sichergestellt, die der Mann nicht hätte besitzen dürfen. Es soll sich um eine Übungspanzergranate vom Kaliber 32 Millimeter, um Manöverpatronen, Leuchtspur-Gewehrpatronen und um einen abgerissenen Granatkopf gehandelt haben. Einige der Geschosse sollen scharf gewesen sein. Es ist von älterer sowjetischer Munition die Rede.

Allein der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz hat eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr zur Folge. In seinem Strafbefehl ist das Schöffengericht nicht darüber hinausgegangen. Stattdessen wurde zusätzlich noch eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro an die Gerichtskasse verhängt. Diese Summe kann ersatzweise auch abgearbeitet werden. Die Staatsanwaltschaft hatte genau für dieses Strafmaß plädiert. Mit ausschlaggebend für den unteren Strafrahmen war, dass der Mann laut dem Gericht „nicht erheblich vorbestraft“ ist.

Ab dem Tag des Zustellens des Strafbefehls läuft die zweiwöchige Einspruchsfrist.

Bei dem Munitions- und Granatenfund handelt es sich um eine vergleichsweise überschaubare Menge. Vor Jahren war im Nachbarkreis OSL ein Schipkauer verurteilt worden, weil er im Keller eines Wohnblocks verrostete Weltkriegsmunition aufgearbeitet hatte. Darunter war ein Druckminenzünder, der hätte scharf gemacht werden können. Bei einer Explosion hatte sich der Sammler einmal schwer verletzt.

Alles in den Schatten stellte aber eine Razzia im Jahr 2013 in Meuro (OSL). Ein Militariasammler hatte tonnenweise Weltkriegsschrott gehortet. Was gefährlich schien, wurde vor Ort gesprengt. Zum Verhängnis wurden dem Mann Dutzende scharfe Patronen. Dafür sprach das Gericht Haft auf Bewährung aus.