Denn, man höre und staune: "Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel in Brandenburg." Sagt Claudia Szczes, Sprecherin im brandenburgischen Sozialministerium. Vielmehr handele es sich um eine "nach Regionen und Versorgungsebenen differenzierte Lage". Beispiel Hausärzte: Während es im Berliner Einzugsbereich problemlos möglich sei, frei gewordene Arztstellen neu zu besetzen, komme es in Provinzen wie Lausitz oder Uckermark schon häufiger vor, dass Patienten nach dem Ausscheiden ihres Landarztes längere Zeit vor verschlossenen Praxen stehen. Claudia Szczes deutet an, dass sich die Situation in Zukunft eher verschärfen als entspannen dürfte: "In den peripheren Gebieten sind 40 Prozent der Hausärzte 60 Jahre und älter." Kein Ärztemangel also, sondern ein Verteilungsproblem. Für die Patienten in den betroffenen Regionen macht das keinen Unterschied. Was fehlt, ist der Doktor vor der Haustür.

Aber was wird getan, um neue Mediziner in die Provinz zu locken? Eine Finanzstütze für junge Ärzte, so wie in Sachsen Anfang Dezember beschlossen (siehe Hintergrund), gibt es in Brandenburg nicht, so Szczes. "Wir setzen auf andere Schwerpunkte." Neben verbesserten Wegepauschalen bei Hausbesuchen oder dem Entgegenkommen der Kommunen bei der Bereitstellung von Räumlichkeiten wird vor allem auf ein beschlossenes Sicherstellungsstatut verwiesen. Das begünstigt niederlassungswillige Ärzte in unterversorgten Gebieten mit Mindestumsätzen.

Einzige derart geförderte Region im Elbe-Elster-Kreis ist die Gegend um Bad Liebenwerda. "Die Gemeinde Röderland ist besonders betroffen", sagt Dr. Anne-Katrin Voigt, Leiterin des Elbe-Elster-Gesundheitsamtes. Ein Hausarzt ist dort für 2451 Einwohner zuständig – während die Kassenärztliche Vereinigung (KV) einen Schlüssel von 1:1629 vorschreibt. Der sei ansonsten im gesamten Landkreis gewährleistet, bei 114 Prozent (Stand: Ende 2003) könne sogar von einer Überversorgung die Rede sein. Dr. Voigt: "Da sehen wir im Vergleich zu anderen Kreisen noch richtig gut aus." Was aber nicht heißen solle, dass Probleme wie beispielsweise im Spree-Neiße-Kreis – derzeit mit nur knapp 85 Prozent "Auslastung" – bald nicht auch für Elbe-Elster anstehen könnten. Und ob die brandenburgischen Anstrengungen dann ausreichen, das Ärzte-Defizit zu beheben? Dr. Anne-Katrin Voigt bezweifelt das entschieden. Und richtet den Blick nach Sachsen. "Wir sollten uns genau ansehen, wie es da läuft. Vielleicht ist das Modell auch was für Brandenburg."
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Hintergrund: Mediziner-Förderung

Eine bundesweit einmalige Förderung wurde in Sachsen für die medizinisch unterversorgte Region Torgau-Oschatz beschlossen. Nachwuchs-Mediziner, die dort einen bestehenden Hausarzt-Sitz übernehmen, erhalten künftig eine Investitionszulage in Höhe von 60 000 Euro, die über fünf Jahr verteilt ausgezahlt wird.

Für Neu-Einrichtungen von Praxen gibt’s 30 000 Euro und ein Darlehen in gleicher Höhe. Das Programm ist vorerst bis 2007 befristet.
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