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| 02:37 Uhr

Saathain macht schon wieder Theater

"Der liebe Gott ist auf Deiner Seite", spricht der Pfarrer, gespielt von René Herrmann, zu Luther und nimmt ihm die Zweifel.
"Der liebe Gott ist auf Deiner Seite", spricht der Pfarrer, gespielt von René Herrmann, zu Luther und nimmt ihm die Zweifel. FOTO: Frank Claus
Saathain. Wir schreiben das Jahr 1519. In einem Wirtshaus in Saathain sitzen Soldaten, Bauern kommen dazu, Kinder kreischen. Die Kirchenoberen, allen voran der Papst mit seinem Gefolge, werden immer reicher und die Bevölkerung in Dörfern und Städten mit Ablasshandel geknechtet. Frank Claus

Schließlich betritt ein Mönch die Herberge aus Brettern und Bohlen. Es ist Martin Luther, der sich zunächst nicht zu erkennen gibt. Von der Burg zu Liebenwerda ist er gekommen, wo ihn der päpstliche Abgesandte Karl von Miltitz überzeugen wollte, von seinen Thesen abzurücken, die zwei Jahre zuvor in Wittenberg veröffentlicht worden waren.

Es ist ein Volksschauspiel, dargeboten ausschließlich von Saathainern. Wie schon vor zwei Jahren hat Peter Hoffmann das Drehbuch geschrieben und führt Regie.

"Ich möchte nicht den fertigen Luther zeigen, sondern den Luther auf dem Weg, der zaudert, der sich und seine Anschauungen infrage stellt", sagt Peter Hoffmann, im richtigen Leben Steinmetz. Er hat akribisch Unterlagen im Kreismuseum, im Wittenberger Lutherhaus und in Heimatkalendern studiert, sich mit einem Berliner Luther-Spezialisten getroffen. In seinem Drehbuch verwendet er Originalzitate und zieht mit Augenzwinkern Parallelen zum Heute.

Er versucht, die Zuschauer mitzunehmen in das Saathain von damals. Die Reformation war ein langer Prozess und vermutlich hat sich die neue Anschauung nicht mal hundert Kilometer von Wittenberg entfernt zuerst herumgesprochen. Luthers Ideen haben die Menschen verunsichert: "Sieh an, sieh an. Er redet so abfällig über den Papst wie der Wittenberger persönlich" und "Stellst du infrage Papstes Macht, vielleicht ein neuer Krieg entfacht?!".

Peter Hoffmann zeigt Luthers Zaudern "ich weiß nicht, meine Visionen machen mir Angst. Die Sache wächst mir über den Kopf" und die Aufbruchstimmung, die sich im Land durchsetzt: "Du willst den Schwanz einziehen? … Nischt. … Jetzt wird hier durchgezogen", reden Soldaten, der Wirt und selbst der Pfarrer auf Luther ein.

Es ist ein Schauspiel, das Vergnügen macht, aber beileibe kein Schenkelklopfer sein soll. Und dennoch: Die Akteure - sicher mehr als 30 - haben ihren Spaß. Seit Februar haben sie an den Kulissen gewerkelt, Stühle und Schemmel getischlert, sogar Holzpuppen geschnitzt. Veit Buchwald zeichnet dafür verantwortlich. Sigrid Reichelt und Uschi Kuntzsch haben Kostüme genäht, Jürgen (auch in der Rolle eines Soldaten) und Steffen Krüger die Gestelle gebaut. "Die Puppen sind so einmalig, dass sie danach ins Museum müssen", ist Peter Hoffmann begeistert.

Da sind die Kinder, die einmal, zweimal, dreimal ihre Rollen wiederholen, die Erwachsenen, die nach der Arbeit Woche für Woche üben, Verantwortliche für Ton und Technik. Jan Ulbricht, der den Luther spielt, wird von Probe zu Probe sattelfester. Carmen (Wirtin) und Wieland Roselt (Soldat), Carsten Pötzsch (Wirt), Elisabeth Hoffmann (Wirtstochter), Klaus Gebauer (Fremder) und all die anderen - sie eint die Freude, im Dorf wieder etwas Gemeinsames auf die Bühne zu stellen.

29. Juli, 20 Uhr, Bühne Sportplatz