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Die Heimat ruft!
Vom Ringen um Rückkehrer

Elbe-Elster ist für mich Heimat. Sandra Spletzer (Mitte) wünscht sich, dass das noch viel mehr sagen und hat deshalb auch Familie Berndt aus Doberlug sowie Dr. Torsten Lehmann und seine Frau aus Hillmersdorf beraten. Petra Lehmann-Schmidt fährt noch nach Nürnberg.
Elbe-Elster ist für mich Heimat. Sandra Spletzer (Mitte) wünscht sich, dass das noch viel mehr sagen und hat deshalb auch Familie Berndt aus Doberlug sowie Dr. Torsten Lehmann und seine Frau aus Hillmersdorf beraten. Petra Lehmann-Schmidt fährt noch nach Nürnberg. FOTO: Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Meist sind es familiäre Gründe, die wieder in die Heimat ziehen. Von Frank Claus

Ist es ein Erfolg oder spricht Ernüchterung allein aus der Zahl? Sieben potentielle Rückkehrwillige, Rückgewanderte und Pendler haben sich am Ostersonnabend für den Rückkehrer-Stammtisch im Museum in Bad Liebenwerda angemeldet.

Da sind zum Beispiel Andreas und  Sandra Berndt mit Tochter Jule aus Doberlug-Kirchhain. Der Familienvater hat im Jahr 2002 seine Heimat zunächst in Richtung Berlin und dann nach Malsch bei Karlsruhe in Baden-Württemberg verlassen. Weil die Eltern in Doberlug- Kirchhain nun unterstützt werden müssen und weil Haus und Hof damit hier im Osten stehen, ist der Krankenpfleger im August 2017 mit seiner Familie wieder in die alte Heimat zurückgekehrt.

Eine weiteres Ehepaar sind Petra Lehmann-Schmidt und Dr. Torsten Lehmann. Sie haben in den Jahren 2000 und 2002 ihre Heimat verlassen. Dr. Torsten Lehmann hat im Spielzeugmuseum Nürnberg gearbeitet. Beide haben ein Haus in ländlicher Region in Hillmersdorf. Dr. Torsten Lehmann arbeitet seit August 2017 im Museum im Schloss Doberlug als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Petra Lehmann-Schmidt geht noch „auf Strecke“. Sie ist Marktleiterin in einem Naturkostfachgeschäft in Nürnberg. Auch sie würde gern für immer nach Hillmersdorf ziehen.

Zwei Beispiele, die das belegen, was Sandra Spletzer, Projektkoordinatorin bei Comeback Elbe-Elster immer wieder erlebt. Die Sehnsucht nach der Heimat und Freunden sind neben familiären Verhältnissen die Hauptgründe für eine Rückkehr.  Da geht es oft um die Übernahme eines elterlichen Grundstücks oder um bessere Möglichkeiten der Kinderbetreuung durch die Großeltern vor Ort. Aber auch der steigende Pflegebedarf der Eltern lässt die Kinder zurückkehren. Und es ist der Wunsch, sich Träume zu verwirklichen, die man in der Ferne nur schwer realisieren kann. Bezahlbares Wohneigentum in Elbe-Elster gehört genauso dazu wie der günstige Platz für Immobilien“träume“.

Dabei beobachtet Sandra Spletzer immer wieder, dass es nicht das Geld hauptsächlich ist, was bei Rückkehr-Überlegungen eine Rolle spielt. „Gehaltsvorstellungen sind sehr stark branchenabhängig. Das Gehalt ist nur ein Faktor von vielen, vor allem nicht-monetären. Die Rückkehrer bewerten die Lebensqualität insgesamt“, sagt sie.

Dass Elbe-Elster fernab der Ballungszentren um jeden Rückkehrer ringen muss, ist zwingend. Nach einer Studie des Landesamtes für Bauen und Verkehr sowie des Amtes für Statistik verliert der Landkreis bis 2040 nicht nur viele Einwohner, sondern altert auch kräftig. Liegt das Durchschnittsalter jetzt bei 49,9 Jahren wird es den Prognosen zufolge 2030 schon bei 53,1 Jahren liegen. Gleichzeitig nimmt der Anteil arbeitsfähiger Einwohner deutlich ab. Im Jahr 2030 wird es zehn Prozent weniger Einwohner im Alter zwischen 45 und 60 geben. Damit fehlt nicht nur Jugend, auch die dann „gestandenen Hasen“ gibt es 2030 deutlich weniger als heute.

Für Sandra Spletzer ist deshalb jeder Rückkehrer ein Erfolg. Auch wenn der Weg bis zu diesem Entschluss oft Jahre dauert.