| 00:00 Uhr

Route 66, Hafen und neue Begehrlichkeiten

Mühlberg. Seit mehr als einem Monat rollt der Verkehr über die neue nördliche Ortsumgehungsstraße L 66 zur Mühlberger Elbebrücke. Gestern durchschnitt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) offiziell das Band. Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) verteilte aus freudigem Anlass T-Shirts mit der Aufschrift Route 66. Doch Platzeck sah sich sofort mit neuen Straßenbauwünschen konfrontiert. Gabi Böttcher

Die Möglenzer, die für die Sanierung ihrer Ortsdurchfahrt kämpfen, nutzten die Gelegenheit, kamen mit Plakaten zum neuen Mühlberger Kreisel in Brückennähe und hatten sich im Besuchsplan Platzecks auf Position Eins geschoben. Lokale Empfangsprominenz wartete derweil am Rathaus. Ortsvorsteherin Elke Hainke und Hagen Hentschel von der Bürgerinitiative zeigten sich für den Moment zufrieden, dass sie ihr Problem ansprechen und Unterlagen übergeben konnten. Auch wenn der Ministerpräsident eine nochmalige Prüfung zusagte, erklären die Möglenzer: Unser Kampf geht weiter.

Es sei wie mit dem zu kleinen Tischtuch, nicht alles könne gleichzeitig erledigt werden, so Platzeck. Auch was den zweiten Bauabschnitt der Landesstraße 67 zum Wirtschaftshafen angeht, so müssen die Mühlberger weiter hoffen. Hans-Reinhard Reuter vom Landesbetrieb Straßenwesen benannte den Sanierungsbedarf mit rund 2,4 Millionen Euro. Hoffen dürfen indes Petra Werner, Karin Wendt und weitere Anlieger der Straße der Jugend bis hin zum Storchennest. Ihre Straße ist durch den bisher hier entlang geführten Durchgangsverkehr arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Gute Nachricht am gestrigen Tag: Für Reparaturen werden vom Land gut 25 000 Euro zur Verfügung gestellt. Auch Petra Werner und Karin Wendt waren mit Plakaten zum Kreisel gekommen, um auf ihr Straßenproblem hinzuweisen. Diese Plakate sind inzwischen Erinnerungsstücke, denn auf die Rückseite setzte Matthias Platzeck sein Autogramm. Die Frauen verstehen's als Teilerfolg.

Einen für alle wichtigen Teilerfolg würdigten die Mühlberger und ihre Gäste, unter ihnen auch Elbe-Elster-Landrat Christian Jaschinski und der Bürgermeister von Bad Liebenwerda, Thomas Richter, (beide CDU), einen Tag vor dem 10. Mühlberger Deichtag am neuen Stadthafen. Nach Angaben Platzecks werden allein im Raum Mühlberg seit der Flut bis zum Jahr 2013 rund 15 Millionen Euro für Baumaßnahmen ausgegeben. Bis zum Abschluss der Deichsanierung im Jahr 2020 würden noch einmal 40 Millionen Euro hinzukommen.

Der Pegel der Elbe bei Mühlberg stand am gestrigen Freitag um 15 Uhr bei 2,19 Meter. Zehn Jahre zuvor hatte er am gleichen Tage bis 21 Uhr die Marke von 9,98 Metern erreicht. Der Besuch des Brandenburger Ministerpräsidenten stand im Abstand der zehn Jahre unter diesem Blickwinkel gestern unter einem deutlich günstigeren Stern. Er mutete an wie ein Familienbesuch, als er und seine Frau von Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) zur Begrüßung umarmt wurden. Gemeinsam Geschaffenes verbindet. Mit dem Umarmen ging es gleich am Hafen weiter: Ex-Landrat Klaus Richter, im Jahr 2002 Leiter des Krisenstabes beim Elbe-Hochwasser, hatte sich unter die Zaungäste gemischt. Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel mahnte eindringlich, die Wasserbau-Fachleute beim Land zu stärken. Man werde sie auch an der Schwarzen Elster noch dringend brauchen.

Auf Platzecks Frage, wie Wassertouristen ans höher gelegene Ufer des Hafens gelangen sollen, beruhigte Brendel: "Über einen Steg. Bis März nächsten Jahres soll er fertig sein." Dringend weitergeführt werden müssten nun die Deichsanierungsarbeiten am Hexenstein, schiebt die Bürgermeisterin den nächsten Wunsch nach. Und Elbe-Elster-Landrat Jaschinski legte dem Regierungschef am Rande des Offiziellen seinen dringenden Appell ans Herz: Alle Hebel für die Wirtschaftlichkeit des Hafens in Bewegung setzen. Das können die Mühlberger allein nicht schaffen.

Im neuen Stadthafen von Mühlberg ist der Deich jetzt um einen Meter höher. Der Deichverteidigungsweg hinter der Mauer befindet sich derzeit noch im Bau. Vom Hochwasserdenkmal führte der Weg von Ministerpräsident Platzeck zum Hafen. Foto: Veit Rösler / vrs1
Im neuen Stadthafen von Mühlberg ist der Deich jetzt um einen Meter höher. Der Deichverteidigungsweg hinter der Mauer befindet sich derzeit noch im Bau. Vom Hochwasserdenkmal führte der Weg von Ministerpräsident Platzeck zum Hafen. Foto: Veit Rösler / vrs1 FOTO: Veit Rösler / vrs1
Die Möglenzer kämpfen für ihre Straßendurchfahrt. Foto: vrs1
Die Möglenzer kämpfen für ihre Straßendurchfahrt. Foto: vrs1 FOTO: vrs1