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| 16:45 Uhr

Mineralwasserabverkauf enorm
Wasserrohrbruch bei Elsterwerda

Rohrbruch an Trinkwasserleitung bei Elsterwerda FOTO: LR / Frank Claus
Elsterwerda. Großeinsatz beim Wasser- und Abwasserverband am Mittwoch in Elsterwerda. Eine Trinkwasserhauptleitung ist auf etwa zwei Metern Länge aufgerissen. 13 000 Kunden erhalten kein Wasser aus der Leitung. Aktuelle Lage um 16 Uhr: Die Leitung ist gestopft, der Spülvorgang und der Wiederaufbau der Leitungssysteme beginnt. Der Verband rechnet damit, dass zwischen 19 und 20 Uhr wieder Wasser aus den Hähnen läuft. Von Frank Claus

Das bekommen die meisten Kunden des Wasser- und Abwasserverbandes (WAV) erst in den Morgenstunden des 1. August mit: kein Trinkwasser in ganz Elsterwerda und in den Orten Haida, Hohenleipisch, Dreska, Kahla und Döllingen (Elbe-Elster). Betroffen sind nach Verbandsangaben etwa 13 000 Kunden.

Was ist passiert? Ursache ist ein Rohrbruch an der Trinkwasser-Hauptversorgungsleitung, die aus dem Wasserwerk Oschätzchen eingespeist wird. Im Bereich der Baustelle des Neubaus des Röder-Wehres bei Würdenhain gibt es an der Hauptleitung der ersten Meldung zufolge einen etwa drei Meter langen Längsriss. Später wird die Länge auf knapp zwei Meter korrigiert. Es handelt sich um ein sogenanntes duktiles Gussrohr mit einem Querschnitt von 40 Zentimetern. Nach Angaben von Heiko Pirschel, Bereichsleiter Trinkwasserversorgung beim WAV und Koordinator auf der Baustelle, wird die Leitung mit einem Druck von 7 Bar gefahren

Der Druckabfall sei bereits am Dienstagabend gegen 21 Uhr bemerkt worden. Die gesamte Nacht über haben Mitarbeiter des Verbandes versucht, die Schadstelle zu orten. Die undichte Stelle wurde gefunden. Sie befindet sich direkt auf dem Lagerplatz der Baustelle Wehr Würdenhain.

Was passiert gegenwärtig? Seit den frühen Morgenstunden laufen die Reparaturarbeiten, die nach jetziger Einschätzungen jedoch einige Stunden in Anspruch nehmen werden. Es könne nach der Frühmeldung nicht ausgeschlossen werden, dass „am heutigen Tage“ die Trinkwasserversorgung unterbrochen bleibt.

Wie Verbandspressesprecher Patrick Weser informiert, seien alle Hauptabnehmer informiert. Auch eine Meldung an die Medien, um möglichst viele Kunden zu erreichen, ist um 5.49 Uhr versandt worden.

Welche Arbeiten laufen auf der Baustelle? Nachdem die Havariestelle gefunden wurde, musste die Hauptleitung abgeschiebert werden, um die Baugrube zu öffnen. Das Wasser in der Baugrube musste abgepumpt werden. Diese Arbeiten sind beendet. Jetzt laufen die Vorbereitungen, um das havarierte Teilstück mittels Trenngeräten herauszuschneiden. Danach wird ein neues Stück mit beidseitigen Kupplungen eingesetzt. Danach wird die Leitung langsam wieder befüllt und gespült.

Aktueller Stand um 13 Uhr. Das Teilstück ist herausgeschnitten. Die Mitarbeiter arbeiten am Einbau des Zwischenstücks. Der Verband bemüht sich um weitere Fachleute aus anderen Verbänden, die die Männer unterstützen können, die bei Würdenhain in praller Sonne arbeiten.

Unterdessen werden tagsüber immer mehr Vermutungen zur Havarieursache laut. Demnach könnten die Ablagerungen von Baustoffen, unter anderem Wasserbausteinen, und Erschütterungen bei den Abladevorgängen ursächlich sein. Vom Wasserverband will sich dazu keiner äußern. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, heißt es aus der Verbandszentrale.

Was erschwert die vorübergehende Trinkwasserversorgung zusätzlich? Wie die stellvertretende Verbandsvorsteherin Petra Körner berichtet, sei „in Folge des Rohrbruchs und zusätzlich durch die wetterbedingt erhöhte Wasserabnahme die Hochbehälterkapazität derart in Anspruch genommen worden, dass dessen Kapazität unter zehn Prozent sank und auch eine Versorgung darüber nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Das betrifft den Hochwasserbehälter, der sich am Kreisverkehr in Elsterwerda-Biehla befindet. Auch der müsse nun erst wieder befüllt werden.

Welche Maßnahmen sind zur vorübergehenden Trinkwasserversorgung ergriffen? Als erste Maßnahme ist ein Wasserwagen des Verbandes am Krankenhaus aufgestellt worden, um dort die Trinkwasserversorgung abzusichern. „Wir sind gerade dabei, von Nachbarverbänden und vom Technischen Hilfswerk weitere Wasserwagen zu organisieren, um zumindest die nötigsten Versorgung, so auch an den Alten- und Pflegeheimen abzusichern,“ vermeldete die stellvertretende Verbandschefin kurz nach 6 Uhr. Alle Standorte werden hier aktuell eingefügt.

Auch die Feuerwehr Elsterwerda hat reagiert und hat Brauchwasser-Stationen aufgestellt, die Wasser zum Händewaschen und für Toilettenspülungen liefern.

Das sind die Standorte:

▶ Dresdener Straße, Höhe ehemals Videothek Otto;

▶ Rathaus, Friedrich-Jage-Straße, Nähe Containerstandort;

▶ Lidl-Markt, Schillerstraße;

▶ Depot der Freiwilligen Feuerwehr, An der Unterführung 1;

▶ Vredener Straße, Einfahrt zur Förderschule in Elsterwerda-West;

▶ Feuerwehr Biehla, Grundschule Friedrich-Starke;

▶ Feuerwehrstandort Kraupa.

Amt Plessa und Gemeinde Röderland reagieren auch:

Wie Bürgermeister Markus Terne (Röderland) und Amtsdirektor Göran Schrey (Plessa) wissen lassen, gelte hohe Aufmerksamkeit vor allem älteren Mitbürgern und Alleinstehenden. „Wir tragen das Wasser auch die Treppen rauf oder bis ins Haus“, wird aus Röderland vermeldet. Im Amt Plessa ist ein Lautsprecherwagen im Einsatz, der auf die besondere Situation hinweist. Kurz nach 13 Uhr sind Feuerwehren gestartet, um Haushalte mit Brauchwasser zu versorgen.Göran Schrey lobt die aktuellen Informationen auf lr-online, der Internetseite der RUNDSCHAU. „Das hilft sehr, ich verweise bei Anfragen auch darauf“, sagt er.

Gut zu wissen: Man arbeite angesichts der prognostizierten Tagestemperaturen von mehr als 30 Grad mit Hochdruck, um den ohnehin gestiegenen Trinkwasserverbrauch schnell wieder umfassend befriedigen zu können. Die stellvertretende Verbandsvorsteherin Petra Körner ist um 14 Uhr erneut zur Baustelle gestartet und will gegen 15.30 Uhr zur aktuellen Lage berichten. Zuvor vermeldet sie: „Wir stellen jetzt für die Absicherung der Versorgung im Krankenhaus einen weiteren Trinkwasserwagen mit 30 Kubikmeter Inhalt bereit. Sie weist darauf hin, dass das Wasser ausschließlich für das Krankenhaus bestimmt ist. Auch vor den Pro Civitate-Pflegeheimen in Elsterwerda und Plessa stünden Trinkwasser-Tankwagen.

Aber: Nach einer gegen 9 Uhr von Fachleuten durchgeführten Besichtigung der Havariestelle vor Ort, muss davon ausgegangen werden, dass die Versorgung vermutlich erst in den späteren Abendstunden wieder hergestellt werden kann. An dieser Einschätzung hat sich bislang nichts geändert.

In der Nacht habe es beim Verband etwa 500 Anrufe gegeben. „Die Kunden haben sehr verständnisvoll reagiert“, so Petra Körner.

Nach der Trinkwasserhavarie ist die Lage beim Milchverarbeiter ODW Frischprodukte in Elsterwerda dramatisch. Die Maschinen mussten abgestellt werden, die Einhaltung der Kühlkette ist gefährdet.

Das Krankenhaus Elsterwerda verschiebt jetzt sogar Operationen. Der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Roland Reinehr, sagt: „Unsere Mitarbeiter sind heute alle Wasserträger.“

Auch Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU) hat in ihrem Haus reagiert. Die Mitarbeiter des Rathauses stünden Gewehr bei Fuß.

In der Region werden nach der Wasserhavarie nun auch die Trinkwasservorräte bei den Discountern knapp. Wir sind ausverkauft, hieß es mehrfach.

Rohrbruch an Trinkwasserleitung bei Elsterwerda FOTO: LR / Frank Claus