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| 06:32 Uhr

Mittelalter-Atmosphäre in der Elbestadt
Kaiser Karl V. war wieder in Mühlberg

Der Ritt Kaiser Karl V. durch Mühlberg ist am Sonntag noch einmal mit zahlreichen Darstellern nachgestellt worden.
Der Ritt Kaiser Karl V. durch Mühlberg ist am Sonntag noch einmal mit zahlreichen Darstellern nachgestellt worden. FOTO: Veit Rösler
Mühlberg. Die Elbestadt am Sonntag im Mittelalterflair. Am Montag ist die Schlacht bei Mühlberg Thema in Falkenberg. Von Veit Rösler

Mit einem beeindruckenden Mittelalterspektakel, mit Kanonendonner, mit Rittern in ihren Rüstungen und einem Kaiser mit einer goldenen Krone hat Mühlberg am Sonntag den Ritt Kaiser Karls V. durch die Stadt an der Elbe nachgestellt. Viele Einwohner hatten ihre Grundstücke geschmückt und viele hatten sich selbst auch mit ihren Kostümen auf eine Zeitreise viele hundert Jahre zurück in die Geschichte begeben.

Für eine beeindruckende Show sorgten die Geharnischten aus Torgau mit ihren bunten Kostümen, die Ritter des Jüterboger Fürstentages in ihrem Rüstzeug und mehr als 20 Berittene aus der Umgebung von Torgau, Belgern und Mühlberg. Mit einem so großen Kreis an Mitwirkenden hat die Elbestadt damit in einer Auftaktveranstaltung den historischen Ritt Kaiser Karls V. im Jahre 1547 nahe den Orten des damaligen Geschehens imposant nachgestaltet. In Falkenberg wird das Ereignis am Montag zelebriert und im Hofgestüt Bleesern bei Wittenberg am 11. und 12. Mai. Mit einer eindrucksvollen Zeremonie begann die Erinnerung an die geschichtlich bedeutenden Ereignisse in Mühlberg am Sonntagvormittag mit einer Andacht durch Mühlbergs neue Pfarrerin Sabrina Pieper am Gedenkstein am Hafen.

Welchen Belastungen mutmaßlich die Menschen vor über 470 Jahren in der Nähe ausgesetzt waren, präsentierten danach unter dem Motto „Die Schlacht beginnt“ die Böllerschützen der Königlich privilegierten Schützen-Gilde Mühlberg/Elbe. Durch die zahlreichen Mittelalterdarsteller konnte bei dem Zug durch die Stadt zum Kloster Marienstern eindrucksvoll die Szenerie der damaligen Zeit vermittelt werden. Karl V. (1500-1558) war der mächtigste Herrscher seiner Zeit. Die Reformation führte zur konfessionellen Spaltung seines Reiches, die damit Karls Vorstellung einer Universalmonarchie zunichte gemacht hätte. Seine evangelischen Gegenspieler, deutsche Reichsfürsten und Reichsstädte, die sich zur Reformation bekannt hatten, schlossen sich 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen – unter der Führung Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen. Im Sommer 1546 brach der Schmalkaldische Krieg aus. Auf seinem um den 5. April 1547 begonnenen Ritt von Eger in Böhmen zusammen mit einem Söldnerheer aus 23 000 Fußknechten und 6300 Reitern soll der katholische Kaiser Karl V. nach dem 24. April 1547 Mühlberg frequentiert haben. Am Sonntag, den 24. April standen die Kaiserlichen auf dem linken Elbufer vor Mühlberg und überraschten Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, der nicht mit der Ankunft seiner Gegner gerechnet hatte. Während Karl V. im Pfarrhaus Schirmenitz rastete, überquerte seine Truppe die Elbe. Das Heer des Schmalkaldischen Bundes versuchte in Richtung Wittenberg zu entkommen, was aber nicht gelang. Die fliehenden Truppen wurden zwischen Mühlberg und Falkenberg aufgerieben und Kurfürst Johann Friedrich gefangen genommen. So konnte Kaiser Karl V. den Schmalkaldischen Krieg für sich entscheiden. Die Wiederherstellung des Glaubens gelang allerdings nicht, denn letztlich wurde der lutherische Glaube offiziell anerkannt. Der Sieger Karl V. wurde somit zum Verlierer. Diese Geschichte wird seit Jahrhunderten nahe Mühlberg in Borschütz erzählt: Kaiser Karl V. und seine Reiter ritten nahe Borschütz durch die Elbe. Auf dem anderen Ufer angekommen, soll der Kaiser auf einer steinernen Bank vor dem Herrenhaus der Domäne Borschütz ausgeruht haben. Das Herrenhaus samt Bank wurde um 1965 abgebrochen. Eine Holzbank auf dem Dorfplatz soll an das historische Geschehen erinnern.

Im Rahmen der Sonderausstellung „Viele Wege führen nach Wittenberg“ bot das „Museum Mühlberg 1547“ am Nachmittag einen Vortrag zur Kulturroute Kaiser Karl V. an. Darin wurde geklärt: Warum trafen die Gegner aus evangelischen und katholischen Christen bei Mühlberg aufeinander? Warum kämpften sie so erbittert gegeneinander? Wieso konnte sich hier der evangelische Glauben durchsetzen, obwohl der katholische Kaiser triumphierte? Historiker Markus Hennen erklärte, welche Bedeutung die Kleinstadt an der Elbe für die Reformation und damit für die Weltgeschichte hatte. Museumsmitarbeiterin Bettina Beyer zeigte am Nachmittag in ihrem Schattentheater, welches Schicksal den abgedankten Kurfürsten Johann Friedrich nach seiner Niederlage  ereilte.

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Die Geharnischten aus Torgau sind in ihren farbenfrohen Kostümen in Festumzügen und Ritterspielen immer ein Hingucker.
Die Geharnischten aus Torgau sind in ihren farbenfrohen Kostümen in Festumzügen und Ritterspielen immer ein Hingucker. FOTO: Veit Rösler
Zwischen Museum und Kloster sind einige Mittelalterstände aufgebaut worden. Musik aus jener Zeit kam zu Gehör.
Zwischen Museum und Kloster sind einige Mittelalterstände aufgebaut worden. Musik aus jener Zeit kam zu Gehör. FOTO: Veit Rösler
Bettina Beyer zeigt im Schattentheater, welches Schicksal den abgedankten Kurfürsten Johann Friedrich nach seiner Niederlage ereilte.
Bettina Beyer zeigt im Schattentheater, welches Schicksal den abgedankten Kurfürsten Johann Friedrich nach seiner Niederlage ereilte. FOTO: Veit Rösler