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Riskant: Eine Bus-Heimfahrt in Schräglage

Gut zu erkennen: Der Bus steht nicht gerade. Nach ersten Ermittlungen ist ein Defekt an der Steuerung der Luftfederanlage schuld. Die Polizei hat den fast voll besetzten Bus in Großenhain aus dem Verkehr gezogen.
Gut zu erkennen: Der Bus steht nicht gerade. Nach ersten Ermittlungen ist ein Defekt an der Steuerung der Luftfederanlage schuld. Die Polizei hat den fast voll besetzten Bus in Großenhain aus dem Verkehr gezogen. FOTO: Raik Johne
Elsterwerda/Großenhain. Elsterwerdaer Schüler fahren in einem defekten Bus von einer Klassenfahrt zurück. Das linke Vorderrad hing zeitweise in der Luft. Frank Claus

Raik Johne, Lehrer am Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda, wird das ganze Ausmaß des Vorfalls, der sich da am Freitag bis in die Mittagsstunden ereignet hat, erst Stunden später so richtig bewusst. "Wir hätten mit dem Bus in jeder Kurve umkippen können", sagt er.

Er lässt die Fahrt durch die Berge und über die Autobahn noch mal vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen. "Wir haben uns schon gewundert, dass wir jede Bodenwelle so hart mitgenommen haben. Ich habe mir noch gedacht, da sind wir am nächsten Tag ja alle rückenkrank ", erzählt er.

Am späteren Nachmittag - wieder zu Hause angekommen - wird er richtig sauer. Gerade hat er mit einem Vertreter des Busunternehmens, das aus Sachsen kommt, telefoniert. "Der hat die ganze Sache noch heruntergespielt, mir erzählt, dass auf dem Bus noch Garantie ist und dass er am Tag zuvor noch völlig in Ordnung gewesen sei", berichtet Raik Johne. "Da habe ich ihm gesagt, dass mir das egal ist und ihm entgegnet: Fakt ist, der Bus war nicht verkehrssicher", so der Lehrer. Seiner Ansicht nach hätte der Busfahrer einen Ersatzbus ordern müssen.

Was ist passiert? Drei achte Klassen des Elsterschloss-Gymnasiums Elsterwerda waren auf Mehrtagesfahrt im Sportpark Rabenberg in Breitenbrunn (Erzgebirge). Am Freitagmorgen sind sie von zwei Bussen eines sächsischen Unternehmens von dort abgeholt worden. "Die Busse haben, als sie uns abholten, schräg an einem Hang gestanden", berichtet Klassenleiterin Kathrin Lauenroth, die später den ersten, unbeschädigten Bus begleitet hat. "Schüler haben uns gesagt, dass einer etwas schräg steht. Wir haben vermutet, dass das mit der Absenkautomatik zu tun hat, über die moderne Busse heute ja verfügen", erzählt sie.

Hatte es nicht. Nach einem Hinweis eines dem Bus nachfolgenden Kraftfahrers haben Polizeibeamte am Mittag auf der Meißner Straße in Großenhain beide Reisebusse angehalten. Der Autofahrer hat der Polizei zufolge angegeben, "dass der vor ihm fahrende Bus eine starke Schräglage hatte und in einer Kurve das Vorderrad abhob."

Bei der Kontrolle durch die Beamten haben sich die Schilderungen des Zeugen dann bestätigt. Der Bus hing stark nach rechts. Beim Entladen stellten die Polizisten fest, dass sämtliche Gepäckstücke auf der linken Seite deponiert waren, "offensichtlich um die Schräglage nach rechts auszugleichen", wie die Polizei erklärt. Als der Bus schließlich leer war, hing das linke Vorderrad nach den Polizeischilderungen in der Luft - zwei bis drei Zentimeter, wie Raik Johne erzählte. Nach ersten Untersuchungen ist nach Polizeiinformationen ein Defekt in der Steuerung der Luftfederanlage die Ursache.

Raik Johne ist nun auch klar, weshalb der 52-jährige Fahrer seines Busses vor Reisebeginn so geschimpft hatte und mit dem zweiten Busfahrerkollegen vor der Abfahrt gestikulierend um sein Gefährt gelaufen war. "Vermutlich haben sie gewusst, dass der Bus nicht ganz in Ordnung ist und trotzdem die Fahrt angetreten", so der Lehrer.

Bei der Rückfahrt ist Kathrin Lauenroth mit ihrem Bus vorausgefahren. "Da haben wir nicht mehr nach hinten geguckt", berichtet sie.

"Die Weiterfahrt in die Werkstatt haben die Polizisten dem Busfahrer von der Stelle des Zwangshaltes in Großenhain auch ohne Passagiere untersagt", so Raik Johne. Der erste Busfahrer hat erst seine Schüler nach Elsterwerda geschafft und ist dann zurückgekommen, um die zweite Busbesatzung abzuholen.

Gegen den Busfahrer ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.