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| 15:48 Uhr

Auf dem Weg nach Norden
Ein Riesentanker wird an Mühlberg vorbeifahren

 Ein riesiger Tanker, der in Tschechien bei Lovosice hergestellt wurde, fährt gerade die Elbe runter.
Ein riesiger Tanker, der in Tschechien bei Lovosice hergestellt wurde, fährt gerade die Elbe runter. FOTO: CSPL
Mühlberg. Das tschechische Schiff wird von zwei Schubschiffen navigiert. Voraussichtlich am Samstag passiert der Stahlkoloss Mühlberg. Von Steffen Neumann und Frank Claus

Seit die Elbe wieder Wasser führt, hat auch der Schiffsverkehr auf dem Fluss wieder zugenommen. Doch was voraussichtlich am Samstag bei Mühlberg vorbeischippert, hat es lange nicht gegeben. Der Rumpf eines riesigen Tankers, manövriert von zwei Schubschiffen, kommt auf seinem Weg aus Tschechien nach Hamburg vorbei.

Abgelegt hat der Verband am Donnerstag gegen 13 Uhr. Zuvor hat das sächsische Wasser- und Schifffahrtsamt den Verband abgenommen. Gegen 16 Uhr hat das Gefährt die Bastei passiert. In Pirna sollte es in den späten Nachmittagsstunden festmachen. Von dort aus geht am Freitag der Weg weiter bis nach Riesa. Am Sonnabend soll es Mühlberg erreichen und nach jetzigem Stand der Dinge an Torgau vorbei bis zu seinem Tagesziel Wittenberg kommen.

 Das Schiff mit dem Namen „Spera“ ist 110 Meter lang, 13,5 Meter breit und 5,5 Meter hoch und auf seinem Weg zu seinem niederländischen Kunden.
Das Schiff mit dem Namen „Spera“ ist 110 Meter lang, 13,5 Meter breit und 5,5 Meter hoch und auf seinem Weg zu seinem niederländischen Kunden. FOTO: CSPL

Das Schiff mit dem Namen „Spera“ ist 110 Meter lang, 13,5 Meter breit, 6,5 Meter hoch und hat 1,20 Meter Tiefgang. Es ist auf dem Weg zu einer Werft in Puttershoek in den Niederlanden. „Es wird zum Transport von chemischen Stoffen eingesetzt“, sagt Yuriy Kulchytskyy von der Werft Barkmet in Lhotka nad Labem bei Lovosice. Der Tanker kann in sieben Wannen bis zu 2500 Tonnen chemische Stoffe transportieren. Von Hamburg gelangt der Tanker über die Nordsee nach Rotterdam, wo er in der Endmontage mit Motor und Elektronik ausgestattet wird. Er soll später in küstennahen Gewässern eingesetzt werden. „Komplette Schiffe bauen wir schon lange nicht mehr. Dafür ist der Elbe-Pegel zu unregelmäßig“, so Kulchytskyy weiter.

 Der riesige Tanker, manövriert von zwei Schubschiffen, kommt auf seinem Weg aus Tschechien nach Hamburg voraussichtlich am Samstag in Mühlberg vorbei.
Der riesige Tanker, manövriert von zwei Schubschiffen, kommt auf seinem Weg aus Tschechien nach Hamburg voraussichtlich am Samstag in Mühlberg vorbei. FOTO: CSPL

Das ist auch der Grund, warum der Tanker erst jetzt vorbei kommt. Er wurde zwar nach rund einjähriger Bauzeit bereits Ende Juli vergangenen Jahres zu Wasser gelassen. Dann kam aber die Trockenphase. Der Elbepegel sank auf ein Minimum und die Schifffahrt kam komplett zum Erliegen. Von Anfang Juni bis Ende Dezember hatten die Binnenschiffer mit sehr niedrigen Wasserständen der Elbe zu kämpfen. Pegelstände von 50 Zentimeter und weniger führten zur siebenmonatigen Einstellung der Binnenschifffahrt.

 Der Stahlkoloss wurde zwar nach rund einjähriger Bauzeit bereits Ende Juli letzten Jahres zu Wasser gelassen, doch dann kamen Dürre und Niedrigwasser.
Der Stahlkoloss wurde zwar nach rund einjähriger Bauzeit bereits Ende Juli letzten Jahres zu Wasser gelassen, doch dann kamen Dürre und Niedrigwasser. FOTO: CSPL

Möglich wurde der Transport deshalb erst jetzt. Darum kümmert sich die tschechische Reederei CSPL. „Das ist schon eine spezielle Aufgabe. Das Schiff übersteigt in jeder Hinsicht alle Normalmaße“, sagt Pavel Hamalcik, kaufmännischer Direktor von CSPL. Für seine Firma ist das aber kein Problem. Er weist darauf hin, dass CSPL seit 2008 an 48 solcher Transporte beteiligt war.

Auch für Klaus Kautz, den Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Dresden, ist die Passage nichts Neues. „Wir hatten schon größere“, sagt er, meint aber dennoch, dass ein 165 Meter langer Verband auf der Elbe nichts Alltägliches sei. Schließlich werde der Schiffsrumpf an zwei Seeschlepper gekoppelt. Während der am Bug steuere, schiebe der am Heck.

Einige heikle Passagen gibt es zu überwinden. „Die erste war in Decin am Engpass Heger, der wohl engsten Stelle auf der ganzen schiffbaren Elbe.“ Die zweite ist die Altstadt von Dresden mit ihren Brücken. „Dort wird das Navigieren nicht einfach, da die Brückenöffnungen sehr eng sind“, sagt Klaus Kautz. Die dritte sind die Mäander bei Belgern. Hamalcik plant die Dresdner Altstadt gegen Freitagmittag zu durchfahren. „Das hängt vom Wetter ab. Für eine sichere Fahrt brauchen wir eine gute Sicht, wir werden also nicht zu früh starten“, sagt Hamalcik. Die Elbe wird im Raum Dresden dann für jeglichen anderen Schiffsverkehr gesperrt. „Wenn wir einen Verband mit dieser Länge und Breite durch die Dresdner Elbbrücken bringen, dann fehlt es schlicht an Platz“, begründet Klaus Kautz.

Das Wetter scheint den Binnenschiffern wohlgesonnen. Läuft alles nach Plan, wird der Tanker am Freitag am Flusskilometer 107 ankern, also in Riesa. Bis 21. Februar soll er in Hamburg sein. Dem Tanker werden übrigens bald zwei weitere Tanker folgen, die gerade von Barkmet hergestellt werden. „Sie sind nicht ganz so groß, beide 86 Meter lang und für den Transport von Speiseöl vorgesehen“, sagt Kulchytskyy. Das erste der beiden Schiffe wird voraussichtlich im April zu Wasser gelassen. Das zweite folgt Ende des Sommers. „Und weitere Aufträge sind in Sicht“, sagt Kulchytskyy.

Der Werft spielt in die Hände, dass Gefahrguttanker seit diesem Jahr mit einer Doppelhülle ausgestattet sein müssen. Das nächste neue Schiff, das die Elbe runterfährt, ist aber ein Schubschiff mit drei Schrauben, das von der Werft in Decin hergestellt wird.