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| 18:26 Uhr

Senftenberg/Lauchhammer
Riesen-Ableiter zur Schwarzen Elster im Bau

Großbaustelle der Berbausaniererin LMBV: Über die kleine Restlochkette nördlich und westlich von Lauchhammer wird das Wasser vom Bergheider See zur Schwarzen Elster nach Plessa abgeleitet. In der Reihe „LR vor Ort“ wird dies am Donnerstag um 19 Uhr im Kulturhaus Plessa ein Thema sein.
Großbaustelle der Berbausaniererin LMBV: Über die kleine Restlochkette nördlich und westlich von Lauchhammer wird das Wasser vom Bergheider See zur Schwarzen Elster nach Plessa abgeleitet. In der Reihe „LR vor Ort“ wird dies am Donnerstag um 19 Uhr im Kulturhaus Plessa ein Thema sein. FOTO: Peter Radke / Peter Radke/LMBV
Senftenberg/Lauchhammer. Das Erbe des Kohlabbaus ist im Raum Lauchhammer eine Herausforderung. Pläne für Wasserbehandlung bei Plessa gehen ins Finale. Von Manfred Feller und Kathleen Weser

Westlich des Bergheider Sees bauen die Lausitzer Bergbausanierer ein Ableitungssystem von mehr als 20 Kilometern Gesamtlänge in die Landschaft von Lichterfeld über Lauchhammer nach Plessa. Denn das Überschusswasser des ehemaligen Tagebaus Klettwitz-Nord, des heutige Bergheider Sees, muss über mehrere Bergbaufolgegewässer zur Schwarzen Elster geführt und in den Fluss abgeleitet werden.

Die stille, weil abgelegene Großbaustelle ist eine gewaltige Herausforderung. Die Vogelperspektive zeigt: Sie wird gut gemeistert. Von der Seeteichsenke über den Heidesee, den Kleinleipischer See nimmt die kleine Seenkette in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft weiter über den Koyne See und weitere Restlöcher immer sichtbarer Gestalt an. Die neuen Gewässer sind ein Erbe der Tagebaue aus dem vorangegangen Jahrhundert, darunter des Abbaubetriebes des Tagebaus Kleinleipisch (1942 bis 1980), des Tagebaus Grünewalde (1950 bis 1962), des Tagebaus Koyne (1919 bis1955) und der Tagebaue Marie-Anne, die  in den Jahren zwischen 1910 und 1947 ausgekohlt wurden. Das erklärt Uwe Steinhuber, der Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Gegen die Böschungen der Seen der kleinen Restlochkette drückt das Grundwasser stärker als ursprünglich angenommen. Die Natur erobert die geschundene Landschaft gnadenlos zurück und schließt das Zeitfenster, das den Sanierern noch bleibt.

Kanäle von zusammen 9400 Metern Länge müssen künftig die 18 kleineren und größeren Bergbaufolgegewässer der kleinen Restlochkette mit einer Gesamtfläche von rund 860 Hektar verbinden. „Diese neuen Gewässer werden einmal 62 Millionen Kubikmeter Wasser fassen“, erläutert Steinhuber weiter. Das Ziel, ein sich weitgehend selbst regulierendes Vorflutsystems vom Bergheider See über die Kippenlandschaft Kleinleipisch wieder in Richtung des Lausitzer Urstromtales zum Talzug der Schwarzen Elster zu führen, ist anspruchsvoll und kosten Millionen. Insgesamt sind 32  Kreuzungs- und Querungsbauwerke für das Ableitersystem zu errichten. Am Ende wird eine Wasserbehandlungsanlage stehen, die die nördlich angefallenen Wässer bei Plessa aufbereitet in die Elster abgeben soll. „Dazu laufen jetzt letzte Planungsschritte bei den Wasserbauplanern“, sagt der Sprecher der Bergbausanierer. Im nächsten Jahr soll der Bau der Anlage beginnen.Zuerst sind der Bergheider See und die Seeteichsenke mit einem etwa 640 Meter langen Überleiter verbunden worden. Dadurch wird der Wasserstand im Solitärsee zu Füßen des Besucherbergwerkes F 60, der ausgedienten Förderbrücke des stillgelegten Tagebaus Klettwitz-Nord, gehalten. Seit Januar ist er erreicht. „Seither gibt der Bergheider See bereits Wasser in die Vorflut zur Seeteichsenke ab“, bestätigt Uwe Steinhuber.

Baulich folgt ein etwa 450 Meter langer Überleiter von der Seeteichsenke zum benachbarten Heidesee.  Zu diesem Gesamtsystem gehört auch ein etwa 1900 Meter langes Gefluder zwischen weiteren Restlöchern. Noch sind Provisorien in Betrieb, um das Wasser zum Fluss zu transportieren. Die Heberleitung, die es noch weiter in Richtung Südwesten über neun kleinere und mittelgroße Bergbaufolgegewässer transportiert, wird schrittweise ersetzt. Die kleine Restlochkette zwischen Bergheider See und Schwarzer Elster stellt die Lausitzer Bergbausanierer vor gewaltige Herausforderungen: Das Gewässersystem soll die Stadt Lauchhammer vor anströmendem Grundwasser schützen, gleichzeitig das Badewasser im Grünewalder Lauch stabil um den neutralen Bereich halten, den westlich verlaufenden Floßgraben und das dahinter liegende Moorgebiet Loben in Elbe-Elster mit saurem Nass versorgen und am Ende noch weitgehend unbelastetes Wasser in die Schwarze Elster ableiten.

Momentan fließt die braune Brühe in Plessa direkt in den Fluss. Doch am Ortseingang aus Richtung Lauchhammer wird die LMBV eine Grubenwasser-Reinigungsanlage errichten. Über den Planungsstand und den avisierten Bauzeitenplan wird LMBV-Projektmanager Michael Matthes in der Reihe „LR vor Ort“ am kommenden Donnerstag, dem 9. November (Beginn: 19 Uhr), im Kulturhaus Plessa sprechen. Fragende Besucher aus Plessa und aus den Amtsgemeinden sind dazu und zu weiteren Bauthemen vom schnellen Internet bis hin zum Straßenbau herzlich willkommen!

Spannend wird die Antwort auf die Frage sein, wie mit dem Riesen-Ableiter aus Lauchhammer und der Grubenwasser-Reinigungsanlage im Hochwasserfall in der Schwarzen Elster umgegangen wird? Können die anströmenden Wassermassen zeitweise aufgehalten werden oder werden sie für einen weiter steigenden Pegel sorgen? Mit den anderen Elster-Zuflüssen, wie Pulsnitz und Röderkanal, könnte sich die Situation in den Orten flussabwärts noch mehr zuspitzen.