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Richters sind Schrauber aus Leidenschaft

So wie diese Wanderer aus dem Jahr 1937 sahen die Maschinen aus, an denen in der kleinen Werkstatt in Hohenleipisch zu Beginn deren Existenz einmal gearbeitet wurde. Am heutigen 1. April feiert der Betrieb von Lutz Richter sein 85. Firmenjubiläum.
So wie diese Wanderer aus dem Jahr 1937 sahen die Maschinen aus, an denen in der kleinen Werkstatt in Hohenleipisch zu Beginn deren Existenz einmal gearbeitet wurde. Am heutigen 1. April feiert der Betrieb von Lutz Richter sein 85. Firmenjubiläum. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Hohenleipisch. Bereits als Schulkind hat Lutz Richter nach dem Unterricht bei seinem Großvater und Vater in der Werkstatt mitgeholfen. Am heutigen 1. April begeht sein Einmannbetrieb in Hohenleipisch das 85. Firmenjubiläum. Veit Rösler / vrs1

Zu DDR-Zeiten brachten die Mechaniker Oswald, Günther und Lutz Richter hier so manchen alten Traktor für die Obstplantagen, die Mopeds und Fahrräder von Hohenleipisch und der Nachbarorte wieder auf Vordermann. Damals war der Betrieb ein Geheimtipp. Gab es kein Ersatzteil, wurde es hier in Handarbeit nachgebaut. Für extrem beanspruchte Wellen in den Motorengehäusen wurde beispielsweise hochwertiger Stahl aus alten Dampflokomotiven verwendet. Richters hatten ihre Leidenschaft zum Beruf bemacht. Selbst Legenden wie der Melkus-Wartburg oder ein K-Rennwagen, mit denen Lutz Richter in den 1960er- und 1970er-Jahren in seiner Freizeit auf die Rennpisten ging, gehörten zum Betrieb.

Gegründet von Oswald Richter

Nachdem er sich zwei Jahre mit der Reparatur von Nähmaschinen und Rädern beschäftigt hatte, gründete Oswald Richter vor 85 Jahren, genau am 1. April, den Betrieb in Hohenleipisch. Davon zeugt die Eintragung in der Handwerkerrolle. Viele Details in der kleinen Werkstatt künden noch von dieser Zeit, ohne auf die heute notwendigen modernen Gerätschaften zu verzichten.

Günther Richter übernahm die mechanische Werkstatt von seinem Vater 1973. Immer öfter ging er Verträge mit großen Firmen zur Lieferung von Kleinteilen als Massenprodukte ein. So wurden zum Beispiel die Decken im Palast der Republik mit in Hohenleipisch gefertigten Rundstählen abgehangen.

Etliche Oldtimer-Stücke

Schon zeitig hatten Großvater Oswald, Vater Günther und nun Sohn Lutz ihre Leidenschaft beim Erhalt historischer Fahrzeuge bewiesen, mit denen heute eine stattliche Ausstellung aufgebaut werden kann. Regelmäßig werden die Zeugnisse der Vergangenheit entstaubt, eingeölt, Vergaser, Tank sowie Kühlwasseranlage gewartet und Luft auf die Reifen gepumpt. Neben zwei historischen Fahrrädern werden heute von Lutz Richter vier Motorräder, ein alter Brennabor Baujahr 1931 und ein Mercedes-Oldtimer liebevoll betreut. Zu den Glanzstücken regionaler Geschichte gehört ein Motorrad der Elfa Elsterwerda aus dem Jahr 1938. Besonders stolz ist Lutz Richter auf ein sogenanntes "Langes Rad" aus dem Jahr 1925. Das Fahrrad mit besonders langem Radstand wurde von Onkel Berthold Richter in einem kleinen Werk in Berlin-Lichterfeld produziert.

Heute bietet der Meisterbetrieb auf 50 Quadratmetern Gartengeräte vom Rasenmäher bis zum 40 PS starken Traktor sowie Fahrräder. Der heute 60-jährige Lutz Richter repariert die Geräte auch. Damit schließt er auch unter veränderten Marktbedingungen an die Tradition seiner Vorfahren an.