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| 16:59 Uhr

Rettungsdienst in Elbe-Elster
Meckerer und Gaffer behindern Retter

An die Weisungen von Polizei, Feuerwehr und Notarzt hat sich jeder am Ereignisort zu halten.
An die Weisungen von Polizei, Feuerwehr und Notarzt hat sich jeder am Ereignisort zu halten. FOTO: Frank Hilbert
Elbe-Elster. Gewalt gegenüber Feuerwehrleuten, Ärzten und Notfallsanitätern ist im Elbe-Elster-Landkreis die absolute Ausnahme. Dafür wird immer öfter gemeckert, beleidigt und freie Durchfahrt gefordert. Von Manfred Feller

Es vergeht deutschlandweit kaum ein Tag, an dem nicht über massive Behinderungen, filmende Gaffer, Beleidigungen, Drohungen und Schläge gegenüber bestimmten Personengruppen berichtet wird. Immer wieder im Fokus: Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Rettungsdienstler und auch Lehrer.

Feuerwehr Elsterwerda. Daniel Neubert, Wehrführer in Elsterwerda, bleibt ein krasses Beispiel in Erinnerung. Bei einem Sturmeinsatz 2017 wird ein Kamerad aus einem Lastwagen heraus getreten, weil der Fahrer die gesperrte Straße passieren will. Später erhält der Mann für seinen Angriff einen Strafbefehl.

„Das Verständnis für unsere ehrenamtliche Arbeit hat abgenommen. Verbal können wir uns manchmal einiges anhören, besonders, wenn wir eine Straße absperren müssen“, stellt Daniel Neubert fest. Oder wenn Nachteinsätze mit Martinshorn gefahren werden, fühlen sich manche in ihrer Ruhe gestört. Die Straßen seien doch leer. Das Signal werde nur eingeschaltet, wenn Menschenleben in Gefahr sind oder zu einem Großeinsatz alarmiert worden ist. „Die Leute fragen immer weniger und meckern oft nur noch. Auch in den sozialen Medien. Ohne die Hintergründe zu kennen“, bittet der Wehrführer um mehr Zurückhaltung. Wie andere Wehren vermelden die Elsterwerdaer ein Einsatzrekordjahr nach dem anderen.

Kreisfeuerwehrverband. „Ungeduldige gibt es immer. Uns bleiben eher die guten Situationen in Erinnerung. Zum Beispiel, wenn die Leute nach einem Sturm oder Verkehrsunfall helfen“, ergänzt Thomas Merthen, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Elbe-Elster.

Feuerwehr Finsterwalde. „Die Anfeindungen uns gegenüber haben zugenommen, vor allem an Feiertagen und wenn Personen alkoholisiert sind. Das ist aber kein Vergleich zu den Großstädten“, ist der Finsterwalder Stadtbrandmeister Michael Kamenz mit dem Verhalten der meisten zufrieden. „Der Respekt hat mit den Jahren schon nachgelassen. Aber es kommt dennoch selten vor, dass uns einer beim Beseitigen einer Ölspur über den Besen fährt“, stellt er weiter fest. Mögliche heikle Situationen würden bei der Feuerwehr diskutiert, um dann besonnen reagieren zu können.

Rettungsdienst. „Auch wir fahren nicht nur zu höflichen älteren Damen und perfekten Patienten“, sagt Sebastian Weiss, Werkleiter Rettungsdienst im Landkreis. Die Notfälle führen auch zu betrunkenen, unter Drogen stehenden, gewaltbereiten und  Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Übergriffe seien in diesem ländlichen Raum jedoch äußerst selten. Drohungen kämen schon öfter vor. Bisher habe der Rettungsdienst diese Taten nicht erfasst. Dies solle aber künftig geschehen. „Wenn Gefahr droht, dann ziehen wir uns lieber zurück und rufen die Polizei“, so Sebastian Weiss. Kein Mitarbeiter müsse seine Gesundheit riskieren.

Rettungsdienst 4c
Rettungsdienst 4c FOTO: LR / Katrin Janetzko

Schon eher ein Problem sei der Weg zum Einsatzort oder zum Patienten. „Wenn wir auf der Straße parken müssen, dann werden manche Leute aggressiv und beschimpfen uns. Das ist auch schon beim Reanimieren vorgekommen“, schüttelt der Werkleiter Rettungsdienst über so viel - leider zunehmende - Unverfrorenheit nur den Kopf. „Fahrt zur Seite! Ich will hier durch!“, heißt es dann.

Auch während der Fahrt erleben die Retter die haarsträubendsten Situationen. Manche versuchen, noch so weit wie möglich vorneweg zu fahren oder bemerken die Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge nicht und erschrecken dann. Andere bleiben abrupt stehen, ohne eine Ausweichstelle zu suchen, und beschwören dadurch eine zusätzliche Gefahr, wenn auch der Gegenverkehr so handelt. Besser: Wird ein Einsatzfahrzeug mit Sondersignal erkannt, rechts blinken, die Fahrt zunächst verlangsamen und situationsbedingt weiter handeln.

Schwerere Unfälle mit Rettungsfahrzeugen ereignen sich laut Sebastian Weiss alle ein bis zwei Jahre einmal. Zuletzt Ende Oktober 2017 auf der B 101, Kreuzung Saathainer Straße, in Elsterwerda. Dabei war ein Autofahrer schwer verletzt worden.

Die neuen Rettungswagen haben seit drei Jahren ein zusätzliches, durch Pressluft betriebenes Martinshorn, das noch besser zu hören ist.

Zunehmend würden Einsätze von Schaulustigen gefilmt und ins Netz gestellt, wie vor Wochen bei der Wiederbelebung eines Menschen in Herzberg. Dort filmte jemand aus einem Wohnblock heraus. „Durch solche Vorfälle erfahren  die Familien, noch bevor Polizei und Seelsorger bei ihnen waren, vom Tod ihres Angehörigen. Das ist verwerflich und würdelos“, so Sebastian Weiss.