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| 17:07 Uhr

Wenn die Gelben Engel des ADAC ausgebucht sind
Bundeswehrretter helfen auch im Zivilen

Hinter dem Hubschraubercockpit befindet sich der Arbeitsbereich von Luftrettungsmeister Mario Simnik. Seine Aufgabe ist dieselbe wie die eines fliegenden Notfallsanitäters im Zivilen.
Hinter dem Hubschraubercockpit befindet sich der Arbeitsbereich von Luftrettungsmeister Mario Simnik. Seine Aufgabe ist dieselbe wie die eines fliegenden Notfallsanitäters im Zivilen. FOTO: LR / Manfred Feller
Holzdorf. Holzdorfer Such- und Rettungshubschrauber wird bei Bedarf zu Verkehrsunfällen, Bränden und Katastrophen gerufen. Von Manfred Feller

Der letzte größere zivile Einsatz des Such- und Rettungshubschraubers (SAR - Search and Rescue) der Bundeswehr am Standort Holzdorf ist gar nicht so lange her. Ende Mai waren auf der B 101 nördlich von Herzberg ein Transporter und ein Lastwagen im Gegenverkehr zusammengestoßen. Für den Fahrer im kleineren Gefährt kam jede Hilfe zu spät. Doch der schwer verletzte Lkw-Lenker wurde auf schnellstem Wege in ein Krankenhaus geflogen.

Die zivilen Hubschrauber des bundesweit dicht gewebten Flugrettungsnetzes waren zu dem Zeitpunkt alle im Einsatz. In solchen Fällen greifen die Leitstellen auf militärische Kräfte zurück. Der Fliegerhorst Holzdorf ist dem Westen des Elbe-Elster-Landkreises ohnehin näher als die ADAC-Luftrettungsstation in Senftenberg.

„Wenn ein Patient schnellstmöglich Hilfe braucht,  dann ist es ihm egal, ob diese aus dem Zivilen oder von der Bundeswehr kommt“, stellt Major Florian Geisler fest. Der 39-Jährige aus Bayern ist Luftfahrzeugführer. „Im Sinne des Patienten könnten wir mehr fliegen“, ergänzt Oberstabsfeldwebel Mario Simnik. Der 46-jährige Brandenburger fliegt als Luftrettungsmeister (Notfallsanitäter) mit. Zwischen Senftenberg und Leipzig sind die Holzdorfer die einzigen Flugretter. Einziges Manko: Anders als die Gelben Engel vom ADAC oder andere zivile Betreiber ist kein Arzt an Bord des militärischen SAR-Hubschraubers. Dieser müsste unterwegs erst aufgenommen werden.

Der eigentliche Auftrag der Holzdorfer SAR-Crew im Dreiländereck Brandenburg/Sachsen/Sachsen-Anhalt ist ohnehin vorrangig ein militärischer: Das Suchen in Not geratener oder abgestürzter Luftfahrzeuge und die Rettung von Insassen, erläutert Major Martin Geerds (37). Er stammt aus der Lüneburger Heide und ist, während seine Mannschaft in Holzdorf ihren Dienst versieht, dort der Kommando- und verantwortliche Luftfahrzeugführer.

Das Cockpit des SAR-Hubschraubers ist der Arbeitsplatz von Kommandoführer Martin Geerds (vorn) und Luftfahrzeugführer Florian Geisler. Eingesetzt werden sie auch an den anderen beiden SAR-Heeresstandorten in Deutschland.
Das Cockpit des SAR-Hubschraubers ist der Arbeitsplatz von Kommandoführer Martin Geerds (vorn) und Luftfahrzeugführer Florian Geisler. Eingesetzt werden sie auch an den anderen beiden SAR-Heeresstandorten in Deutschland. FOTO: LR / Manfred Feller

Der hiesige Standort gehört neben Niederstetten (BW) und Nörvenich (NRW) als eine von nur drei Landstationen zum nationalen Such- und Rettungsdienst der Bundeswehr und ist seit Anfang 2016 nicht mehr der Luftwaffe, sondern dem Heer zugeordnet. Weitere SAR-Kommandos unterstehen der Marine. Alle Maschinen seien nachtflugtauglich. Im Zivilen sei nur ein Teil entsprechend ausgestattet (16 von 87 Stationen). Die medizinische Ausstattung entspreche der ziviler Rettungshubschrauber, sei allerdings schon in die Jahre gekommen.

Dies gelte auch für die Maschinen selbst. Die ältesten sei um die 50 Jahre alt. „Das betrifft aber nur die Zelle“, stellen die Majore ­Geerds und Geisler fest. Ist die zulässige Betriebsstundenzahl erreicht, würden vom Triebwerk über Funk und Navigation die Komponenten ausgetauscht. Manko: Die Bell-Hubschrauber haben nur ein Turbinentriebwerk mit 1400 PS. Dadurch dürfen sie außerhalb militärischer Bereiche nicht überall landen. Mit 220 km/h sind die Drehflügler auch nicht die Schnellsten. „Es ist allerhöchste Zeit für die Nachfolger“, drängt Pilot Florian Geisler auf Neuanschaffungen.

Eine Crew mit zwei Piloten und je einem Luftrettungsmeister und Techniker ist rund um die Uhr sieben Tage im Dienst. Dann kommt die Ablösung. Bis zu acht solcher Dienstwochen gibt es im Jahr. In der restlichen Zeit seien andere militärische Aufgaben zu erfüllen. Zur SAR gehören zwölf Hubschrauber, 48 Piloten und 24 Notfallsanitäter.

Die Luftfahrzeugführer müssen jährlich 140 Einsatzstunden nachweisen. Dazu gehören auch das praktische Flug- und das Simulatortraining. Alle SAR-Stationen in Deutschland kamen 2017 auf nur 333 fliegerische Einsätze. Allein die beiden Hubschrauber der Senftenberger ADAC-Station hoben weit mehr als 2500-mal ab.  

Hat bald 50. Geburtstag: Der Such- und Rettungshubschrauber Bell UH-1D des Heeres in Holzdorf. Die Hülle ist alt. Das Innenleben wurde aber immer wieder erneuert.
Hat bald 50. Geburtstag: Der Such- und Rettungshubschrauber Bell UH-1D des Heeres in Holzdorf. Die Hülle ist alt. Das Innenleben wurde aber immer wieder erneuert. FOTO: LR / Manfred Feller