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| 16:04 Uhr

Aus den Kirchen
Barocke Malereien in Gröden freigelegt

Die freigelegten barocken Malereien in der Kirche Gröden.  Dr. Sebastian Rick (l.), Vorsitzender Gemeindekirchenrates, mit den Restauratoren Evelin Waldmann und Ralf Schirrwagen aus Nexdorf.
Die freigelegten barocken Malereien in der Kirche Gröden. Dr. Sebastian Rick (l.), Vorsitzender Gemeindekirchenrates, mit den Restauratoren Evelin Waldmann und Ralf Schirrwagen aus Nexdorf. FOTO: LR / Manfred Feller
Gröden. Eine Restauration in diesem Umfang ist sehr selten. Die Kirchengemeinde erntet viel Lob für ihren mutigen finanziellen Einsatz. Von Manfred Feller

Was sich die evangelische Kirchengemeinde Gröden da geleistet hat, und das im wahrsten Sinne des Wortes, sucht zumindest aktuell seinesgleichen im Kirchenkreis Bad Liebenwerda und sicher auch ein ganzes Stück darüber hinaus. An ein derart umfangreiches Freilegen von alten Malereien in einem ländlichen Gotteshaus in der jüngeren Vergangenheit kann sich keiner der Befragten erinnern.

Und das ist noch nicht alles: Sprichwörtlich gestern noch eine große Restauratorenbaustelle, findet am Tag nach Christi Himmelfahrt in der Sankt-Martins-Kirche die erste Trauung in einer Umgebung statt, die kein heute Lebender so je gesehen hat.

Über die Entdeckungen der „Millimeterarbeiter“ aus dem Restauratorenfach staunt Dr. Sebastian Rick, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, nach wie vor und ist fest überzeugt: „Die ganze Kirche gewinnt noch mehr und wird ein Aushängeschild. So eine Restaurierung barocker Malerei hat es weit und breit lange nicht gegeben.“

Heiko Müller, Kirchenbaureferent im Kirchenkreisamt Herzberg, kommt viel herum und bestätigt die Einmaligkeit der erfolgten Arbeiten in Gröden zumindest für die jüngere Zeit. Andere Gotteshäuser, wie die Stadtkirche in Herzberg, hätten ebenfalls herrliche Malereien. Doch diese seien meistens schon immer sichtbar gewesen und wurden lediglich restauriert. Eine Freilegung in dem Umfang wie in Gröden sei eine absolute Ausnahme.

Die Malereien waren unter mehreren Farbschichten verborgen.
Die Malereien waren unter mehreren Farbschichten verborgen. FOTO: LR / Manfred Feller

Christof Enders, Superintendent im Kirchenkreis Bad Liebenwerda, hat sich die Ergebnisse in Gröden unlängst selbst angesehen und zieht seinen Hut: „Ich bin begeistert und stolz auf die Kirchengemeinde. Solche Arbeiten kosten viel Geld. Nicht jede Gemeinde hat den Mut, ihr Geld in die Restaurierung von Kunst zu stecken.“

Was die Öffentlichkeit demnächst zu sehen bekommt, beschreibt Christof Enders so: „Die Musiker wirken so lebendig und haben so eine positive Ausstrahlung. Das heißt doch: Glaube soll dem Leben zugewandt sein und die schönen Seiten des Lebens nicht verleugnen. Die Bilder sind im wichtigsten Raum der Kirche angebracht, dem Altarraum. Das zeigt die besondere Bedeutung und Hochschätzung der Musik im christlichen Glauben. Dies gilt bis heute. Manche sagen zum Beispiel: Wer singt, betet doppelt.“

Dr. Sebastian Rick datiert die barocke Malerei in der 1378 erstmals schriftlich erwähnten und mehrfach umgebauten und ergänzten Kirche in die Jahre 1701 bis 1704. Zugeschrieben werden die Arbeiten dem Maler Christian Schilling. Wahrscheinlich der Zeitgeist nach 1850 hat die Bilder mit kühnem Farbbürstenstrich vor der Nachwelt bis in die heutige Zeit verborgen.

Als der Restaurator Ralf Schirrwagen aus Nexdorf im vorigen Jahr die ersten kleinen Fenster zu den einstigen Malereien geöffnet hatte, wollten die Auftraggeber mehr sehen. Wenigstens die „so schön in den Kappen des Chorgewölbes verteilten, musizierenden Engel“. Dann sollte ihnen ihr Umfeld zurückgegeben werden, wie sie in den Wolken schweben. So ging es weiter. Sonnen, Nachthimmel, Mond und Sterne kamen zum Vorschein.

Unter der alten Deckenfarbe sind vier musizierende Engel freigelegt worden.
Unter der alten Deckenfarbe sind vier musizierende Engel freigelegt worden. FOTO: LR / Manfred Feller

Auch der Triumphbogen zwischen Chor und Schiff ergab mehr und mehr ein Gesamtbild, erinnert sich Ralf Schirrwagen. Zunächst die bekrönte Schriftkartusche mit Bibelspruch und beidseitiger Blattwerkranke. Darüber entdeckten die Restauratoren noch ein Wolkenband mit den im Schriftfeld Benannten.

Die Details fügten sich schließlich zu einem Gesamtbild zusammen. „Das war dann nicht mehr nur Dekoration, sondern Programm“, stellt Ralf Schirrwagen mit Blick auf die zu großen Teilen freigelegte, teils nun restaurierte und teils mit Leimfarben retuschierte Malerei fest. Weniger wichtige Elemente, wie die Wolken, werden nicht aufwendig unter den Farbschichten hervorgeholt, sondern rekonstruiert, also nahe am Original nachgemalt. Gealterte Farben werden aufgefrischt. So wird das Dunkelbraun wieder zu Gold.

Die einstige Farbenpracht und Motivfülle wird nicht komplett hergestellt. Manches bleibt als Fragment. Denn es geht immer auch ums Geld. Ursprünglich sollte nur sondiert und die Kirche innen weiß gestrichen werden. Etwa 30 000 Euro waren veranschlagt. Jetzt werden es rund 75 000 Euro werden.

Dahinter stehen die Nachschläge der Kirchengemeinde, die Hilfen der politischen Gemeinde, des Landkreises, von Firmen, der Sparkasse und von privaten Spendern der mitgliederstarken evangelischen Gemeinde in Gröden. 15 000 Euro haben allein sie aufgebracht.

Die arg geforderte Kirchengemeinde brauche weitere Unterstützung in Form von Spenden, so deren Vorsitzender Dr. Sebastian Rick. Dafür gibt es nach wie vor dieses Konto:

Sparkasse Elbe Elster

DE 21 1805 1000 3300 1030 95

     WELADED1EES

Verwendungszweck:

Kirche Gröden.

Die Kirchengemeinde stellt auch Spendenbescheinigungen aus.

Die Rüstung im Altarraum weicht in diesen Tagen. Denn nach Himmelfahrt wird in der Grödener Kirche die erste Trauung nach der Restauration stattfinden.
Die Rüstung im Altarraum weicht in diesen Tagen. Denn nach Himmelfahrt wird in der Grödener Kirche die erste Trauung nach der Restauration stattfinden. FOTO: LR / Manfred Feller