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Heimatgeschichte
Respektables Druckerzeugnis für den Kurstadt-Altkreis

Der 63. Heimatkalender der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde bei seiner Vorstellung durch Heimatverein-Vorstand Lutz Bommel (47), Bundesfreiwilligendienstleistende Annabell Schultze (19) und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde, Guntram Götzelt (74, von links).
Der 63. Heimatkalender der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde bei seiner Vorstellung durch Heimatverein-Vorstand Lutz Bommel (47), Bundesfreiwilligendienstleistende Annabell Schultze (19) und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde, Guntram Götzelt (74, von links). FOTO: Veit Rösler
Elsterwerda. Der Elsterwerdaer Horst Paulick äußert seine Gedanken zum neuen Heimatkalender. Von Horst Paulick

Rechtzeitig vor dem Jahresende, damit auch in die Hände seiner großen interessierten Leserschaft, ist er diesmal gelangt – der Heimatkalender für den Altkreis Bad Liebenwerda. Ein respektables Druckerzeugnis ist diese Nr. 63 allemal. Auf insgesamt 250 Seiten ausgebreitet, davon reichlich 200 direkte Leseseiten, oft mit passenden Fotos, ist das Geschehen von einst und jetzt im Land zwischen Elbe und Elster. Es macht Spaß, garantiert auch dem Laien, darin zu lesen. Zum Beispiel über den einstigen Dorfladen von Kahla, die Kirche in Kosilenzien oder den Umgang mit Wein in Lausitz. Dass der Leser so manche Besonderheit aus dem Heimatgebiet, ihm bislang nicht bekannt, vermittelt bekommt, erhöht den Wert des Lesebuchs. Auch der Autor dieser Zeilen hat das so empfunden.

Ob im Archiv von Prieschka, über den vorläufig letzten Mühlberger Schuhmachermeister oder die Lehrzeit bei Reiss in Bad Liebenwerda, man kann sich richtig wissend dabei machen, man kann aber auch noch Spaß haben. Sehr schön, dass die Herausgeber wieder zur langjährig bewährten Gliederung gefunden haben, auch wenn zumindest eine Erzählung aus der Heimat fehlt. Besser noch, dass die jeweilige Zuordnung von Beiträgen zur Thematik gut passend gesucht und genutzt wurde. Allerdings bleibt für die Zukunft zu beachten, beim heutigen Aufschreiben von Erlebnissen aus der Zeit vor 70 Jahren können leicht Erinnerungslücken auftreten. Andererseits gibt es immer weniger Zeitzeugen dafür, hier zu korrigieren. Umso mehr müssen deshalb die Herausgeber selber dabei auf sachliche Korrektheit ihres Werkes bedacht sein. Sonst können kleine Irrtümer mal zur festen Behauptung werden. Und bei den Erlebnisberichten aus Bad Liebenwerda, Döllingen oder Mühlberg zum Beispiel muss man mitunter diesbezüglich schon mal ins Zweifeln gelangen wegen der exakten Korrektheit von Daten und Ereignissen.

Dennoch, dem Ansinnen des Heimatbuches, weitere Zuschriften für die kommenden Jahre zu bekommen, ist mit aller Entschiedenheit zuzustimmen. Lieber heute das aufschreiben, was morgen bereits unsicher getan wird! Übrigens, beim Lesen im Heimatkalender wird auch immer mehr ersichtlich – viel besser als sogenannte Auftragswerke zustande kommen in der Regel die aus eigenem Ermessen entstandenen Notizen. Auch trotz eigenen Stils und seltsamer Orthographie.

Beim Bemühen, den Altkreis in der Zeit bis 1952/53 zu erfassen, könnte den Herausgebern in Zukunft noch mehr abverlangt werden, will man den Untertitel, bezogen noch auf Orte, wie Falkenberg, Mückenberg oder Ortrand, nicht irgendwie überflüssig werden lassen.

Sehr schön das Kalendarium mit jeder Menge noch heute anwendbarer Bauernregeln sowie beeindruckenden Fotos von Landschaften und Menschen bei der Arbeit oder in der Freizeit.

Die Statistiken hätte man sich ersparen können, zumal bei dem Unsicherheitsfaktor bei den dafür genutzten Kriterien. Außerdem sind sie unvollständig, mehrfach völlig unverständlich, mit unter anderem unwahrscheinlicher Bevölkerungszunahme sowie direkt falsch bei Nennung der Schulen.