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| 22:13 Uhr

Bemerkenswertes Konzert in Martinskirchen
Ein einmaliger Denkmaltag in Martinskirchen

Die junge spanische Cellistin Elisabet Iserte-López hatte die Idee zu dem Orchester.
Die junge spanische Cellistin Elisabet Iserte-López hatte die Idee zu dem Orchester. FOTO: LR / Stephan Creuzburg
Martinskirchen. Das Residenzorchester Mark Brandenburg spielt eine mehr als gelungene Premiere. Von Stephan Creuzburg

Es ist fast wie ein Märchen. Elisabet Iserte-López, eine junge spanische Cellistin katalanischer Herkunft, fasst den Gedanken, ein Orchester in der von ihr inzwischen geliebten Mark Brandenburg zu gründen. Mit engagierter Hilfe von Dr. Cord Schwartau, einem ehemaligen erfolgreichen Wirtschaftler und jetzt Geschäftsführer der „Freunde der Residenzstadt Königs Wusterhausen e.V.“, gelingt es dieser sympathischen Künstlerin, ein Orchester mit ebenso jungen Musikern unterschiedlicher Nationalität aus ganz Deutschland zusammenzustellen und einen Dirigenten zu gewinnen, die gleich mehrere Ziele vereint: ein breites Orchester-Repertoire in Spielstätten der „Kulturfestspiele Schlösser und Gärten der Mark“ – das ist die große Schlosslandschaft in Brandenburg – zu tragen. Bekannte und auch noch unbekannte Schlösser sollen mit Leben – hier Musik – gefüllt werden (deshalb der Name Residenz­orchester) und ein Erlebnis „zum Anfassen“, wie es heißt, zu schaffen und mit einem ebenso breiten Publikum in Interaktion zu treten. Dass dabei auf jugendliches Publikum geschaut wird, liegt den Künstlern besonders am Herzen.

Unser Elbe-Elster-Kreis hatte die große Ehre, am Samstag im Marmorsaal des Schlosses Martinskirchen die Premiere des nun im Frühjahr 2018 gegründeten Orchesters zu erleben. Und das war ein sehr, sehr denkwürdiges Erlebnis!

Mit Manuel Dengler, Dirigent und künstlerischer Leiter dieses in mehrfacher Hinsicht jungen Orchesters, hat sich ein Künstler gezeigt, der die selbst gestellten hohen Ansprüche zu erfüllen bestens in der Lage ist.

Zu Beginn die Bearbeitung des Streichquartetts „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert durch Gustav Mahler. Franz Schuberts Quartette und Quintette zielen immer auf orchestrale Wirkung; das Forellen-Quintett und eben „Der Tod und das Mädchen“ sind dafür die besten Beispiele. Den großen Symphoniker Gustav Mahler (1860 – 1911) mag es deshalb gereizt haben, daraus tatsächlich ein Orchesterwerk zu komponieren. Dies hier so in Martinskirchen zu hören, war ein reiner Hochgenuss!

Manuel Dengler ist der Glücksfall! Er führte das Orchester mit maßvollen aber intensiven Gesten. Seine Musikalität und ausgesprochene Partitursicherheit gingen im wahrsten Sinne des Wortes bis in die Fingerspitzen.

Und die Künstler – handverlesen stimmt tatsächlich – musizierten unter ihm in einer Qualität, die nur beglückend genannt werden kann. Mit wahrer Hingabe, man möchte fast sagen Inbrunst, wurden Spannungsbögen aufgebaut und die richtigen Tempi – das ist seltener geworden, auch bei „Stardirigenten“ – waren unter dieser Führung durch Dengler Selbstverständlichkeit. Und über die technische Qualität des Spiels der Künstler braucht man eigentlich nicht zu sprechen.

Beispielhaft sei die Konzertmeisterin Marijke Tjoelker, eine in Bremen lebende Niederländerin genannt, die aus ihrer im Ton hervorragenden Violine quasi das Letzte herausholte und die schon genannte Cellistin Elisabet Iserte-López, die mit ihrer Spielfreude geradezu ansteckend wirkte. Dass sie zudem das Orchestermanagement führt und die Programmgestaltung innehat, ist ein klares Zeichen ihres Engagements.

Mit Ergriffenheit lauschte das Publikum. Ohne Zweifel lag das natürlich am Werk; das Thema des zweiten Satzes geht unter die Haut. Der Verfasser dieser Zeilen fragte sich, ob es nur das war. Nein, Werk und Interpretation wurden zu einer Einheit! Tosender Beifall des Publikums war der Dank.

Mit der Darbietung eines sehr reizvollen Werkes des katalanischen Komponisten Eduard Toldra (1895 – 1962) zu Texten dreier katalanischer Gedichte – in der Ursprache von „unserer“ Cellistin vorgetragen – bewies Manuel Dengler, dass dieses Orchester Musik ganz anderer Qualität als die deutscher Romantiker genauso auf höchstem Niveau zu interpretieren in der Lage ist.

Ebenso am Schluss dieses Premieren-Nachmittags Astor Piazolla. Dieser argentinische Komponist (1921 – 1992) findet in Europa immer mehr Eingang in die Konzertsäle. Mit Recht! Vor allem, wenn er so gespielt wird wie in Martinskirchen! Der Tango im zweiten Satz war mehr als mitreißend. Was bleibt? Unbedingt wiederkommen und das vor einem großen Publikum! Und diese Möglichkeit tut sich 2019 auf.

Dr. Schwartau möchte dem Martinskirchener Schloss mit einem Benefizkonzert helfen. Für den Juni ist deshalb in der Klosterkirche zu Mühlberg ein Konzert geplant. Im Programm das Tripelkonzert von Beethoven. Mit diesem Orchester in voller Besetzung und ganz großartigen Solisten wird dies ein Höhepunkt nicht nur im Elbe-Elster-Kreis.

Eine Violine im Brandenburger Adler ist das Logo dieses Residenz­orchesters. Möge dieser Adler weiter so fliegen. Die nächsten Erfolge sind in greifbarer Nähe.

Mit wahrer Hingabe baute das Residenzorchester unter der Führung von Manuel Dengler Spannungsbögen auf.
Mit wahrer Hingabe baute das Residenzorchester unter der Führung von Manuel Dengler Spannungsbögen auf. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau