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| 19:44 Uhr

Vielleicht ein gutes Ende
Heizkosten halten Seniorin in Atem

 Marlene Lisker (l./85) aus Elsterwerda traut ihren Heizkosten nicht. Monika und Willfried Krüger aus Elsterwerda, er ist Vorsitzender der Bezirksgruppe Bad Liebenwerda des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Brandenburg, helfen der stark sehbeeinträchtigten Mieterin.
Marlene Lisker (l./85) aus Elsterwerda traut ihren Heizkosten nicht. Monika und Willfried Krüger aus Elsterwerda, er ist Vorsitzender der Bezirksgruppe Bad Liebenwerda des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Brandenburg, helfen der stark sehbeeinträchtigten Mieterin. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Als am Heizkostenverteiler der Messwert sprunghaft ansteigt, beginnt für Marlene Lisker aus Elsterwerda der Ärger. Von Manfred Feller

Marlene Lisker aus Elsterwerda möchte ihren Lebensabend eigentlich in Ruhe genießen. Doch diese findet die 85-Jährige nicht, seit ihr die Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2016 auf den Tisch geflattert ist. Wenn sie gewusst hätte, so sagt sie heute, dass vor ihr ein nervenaufreibendes, jahrelanges Hin und Her mit der Vermieterin „Tätige Gemeinschaft“ e. V. Bad Liebenwerda liegt, sie wäre lieber ruhig geblieben.

Die Senioren stammt ursprünglich aus Elsterwerda, wohnte 27 Jahre in Falkenberg und lebt seit 2010 in einer altersgerechten kleinen Wohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer sowie Bad und Küche (jeweils fensterlos). Auch an kalten Tagen ist es darin angenehm warm. Das Gebäude scheint gut gedämmt zu sein.

Ein unerklärlicher Sprung

Marlene Lisker muss deshalb nach eigener Aussage nur im Wohnzimmer heizen. Der auf dem Heizkostenverteiler angezeigte Verbrauch zeigte in den Jahren 2011 bis 2015 in dieser Reihenfolge 559, 489, 481, 309 und 467 Einheiten an. Dann folgte der Sprung auf 902 und 2017 gar auf 1004 Einheiten. Im Vorjahr waren es laut der jüngsten Betriebskostenabrechnung 875 Einheiten. „Ich verstehe das nicht. Mein Heizverhalten hat sich nicht verändert. Und wir hatten auch milde Winter“, findet die Seniorin keinen Grund für die Steigerung.

Der vermutete defekte Heizkostenverteiler habe demnach zu Mehrkosten zwischen 30 und fast 50 Euro im Jahr geführt. „Ich habe nichts zu verschenken“, sagt die ehemalige Sekretärin, die kein üppiges Altersruhegeld erhalte, wie sie sagt. Hinzu kämen Witwenrente und Blindengeld, das sie mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband erkämpft habe. Ihre Sehbehinderung verursache Zusatzkosten.

Sehbehinderte sucht und bekommt Hilfe

Weil ihre Sehfähigkeit stark eingeschränkt ist, holt sie sich erstmals bereits im Jahr 2017 Hilfe bei Monika und Willfried Krüger. Der Elsterwerdaer ist Vorsitzender der Bezirksgruppe Bad Liebenwerda des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Brandenburg. Sie nehmen Kontakt zur Verbraucherberatung in Finsterwalde auf und helfen unter anderem beim Einlegen des schriftlichen Widerspruchs gegen die Betriebskostenabrechnung 2016.

Die Antwort des Vermieters lasse, wie auch in den Folgejahren, oftmals lange auf sich warten, heißt es. In diesem Fall wird der sprunghaft höhere Verbrauch mit zwei kalten Monaten erklärt. Ablesefehler und technische Mängel am Heizkostenverteiler werden nach Rücksprache mit dem Dienstleister ausgeschlossen.

Willfried Krüger weiß aus Gesprächen mit anderen Mietern, dass einzelne ein ähnliches Problem haben sollen. Doch diese würden die Mehrkosten schlucken, weil sie ihre Ruhe haben wollen.

Vom Vermieter nicht abspeisen lassen

„Wer Auffälligkeiten in der Abrechnung feststellt, der sollte sich umgehend an die Verbraucherberatung wenden“, rät Energieberater Klaus-Dieter Sidow. Diese Beratung sei, wenn sie nicht in Wohnung oder Haus stattfindet, seit Januar 2019 kostenfrei. „Unwissenheit wird oft ausgenutzt, besonders bei Älteren“, macht er Mut zum Widerspruch. „Patzige Antworten“ vom Vermieter sollten Mieter mit Hartnäckigkeit begegnen. Wenn ein Mieter die Richtigkeit der Messwerte anzweifele, könne er verlangen, dass ein Zähler abgebaut und in einer Eichstelle überprüft wird oder ein Zweitzähler zur Kontrolle angebracht wird – beides allerdings auf eigene Kosten.

Derartige Sprünge bei den Heizkosteneinheiten wie bei Marlene Lisker, die durch das Verhalten begründet werden, hält der Verbraucherschützer für eine Unterstellung. Mieter und Vermieter sollten stets gemeinsam eine Lösung finden, bevor Anwälte bemüht werden.

Zuletzt hatte Marlene Lisker Ende April ein mehrseitiges Schreiben ihres Vermieters erhalten. Die 85-Jährige möge sich über richtiges Heizen im Internet informieren. Angehängt wurden ihr nichts sagende Kolonnen klein geschriebener Zahlen und nicht erläuterte Wetterdaten. „Was soll ich damit? Ich kann nichts sehen. Miteinander reden wäre besser“, meint die enttäuschte Mieterin.

Endlich wird der Verteiler ausgetauscht

Jetzt hat sie endlich Erfolg. Der Dienstleister ihres Vermieters wird demnächst einen neuen Heizkostenverteiler anbringen. „Das Ganze kostet 86,33 Euro und nicht, wie mir angekündigt wurde, mehrere Hundert Euro“, will es Marlene Lisker nun endgültig wissen. Sollte sich der Fehler bestätigen, möchte sie ihr zu viel gezahltes Geld zurück. Sie ahnt, dass dies auf neue Streitigkeiten hinauslaufen könnte.