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| 16:40 Uhr

Freizeitsportler testen ihre Grenzen
Sitzfleisch wird zehn lange Stunden gequält

Reichen die in diesem Jahr heruntergespulten Kilometer der Sun-Sport-Rennradfahrer aus Elsterwerda für die beiden Marathonstrecken am Sonntag? Hier rollen die Freizeitradler bei einer Trainingsfahrt zwischen Lönnewitz und Koßdorf. Die Straßen im Landkreis kennen sie wie kaum ein anderer.
Reichen die in diesem Jahr heruntergespulten Kilometer der Sun-Sport-Rennradfahrer aus Elsterwerda für die beiden Marathonstrecken am Sonntag? Hier rollen die Freizeitradler bei einer Trainingsfahrt zwischen Lönnewitz und Koßdorf. Die Straßen im Landkreis kennen sie wie kaum ein anderer. FOTO: privat
Elsterwerda. Zum 25. Geburtstag des Sun-Sport-Teams Elsterwerda schenken sich die Rennradfahrer Marathontouren auf Luthers Spuren. Von Manfred Feller

Zum Namenstag wird man eigentlich beschenkt. Die rund 20 Freizeitrennradfahrer zwischen 35 und 72 Jahren vom Ausdauersportverein Sun-Sport-Team aus Elsterwerda haben sich das Päckchen zum 25. Geburtstag selbst geschnürt und reißen es am Sonntag um 7 Uhr auf. Dann erfolgt vor dem Kreismuseum in Bad Liebenwerda der mehr oder weniger scharfe Start zu zwei vereinsinternen Marathontouren. Im Gepäck reichlich Getränke, leicht Verdauliches, Kalorienreiches und der noch unvollständige Lutherpass. Acht sehenswerte Reformationsorte werden angesteuert und fehlende Stempel eingesammelt.

Einige wenige der Feierabendsportler nehmen die kurze Strecke über „nur“ 156 Kilometer in Angriff. Die meisten wollen bei angekündigter Gluthitze von 32 Grad Celsius den wahnsinnig langen Kanten über 262 Kilometer bezwingen und zwischen 17 und 18 Uhr an ihrem Trainingsstudio in Elsterwerda eintreffen. Einschließlich der Stempelpausen werden sie sich, ihre Beine und das Sitzfleisch mehr als zehn Stunden quälen. „Wir planen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 25 bis 27 Kilometern pro Stunde, weil wir durchkommen und als Gruppe ankommen wollen“, gibt Mitorganisator Mario Friedel die Marschzahl vor.

Zwei unterschiedlich lange Touren nehmen die Rennradfahrer am Sonntag in Angriff.
Zwei unterschiedlich lange Touren nehmen die Rennradfahrer am Sonntag in Angriff. FOTO: LR

Eckpunkte der großen Tour (siehe Grafik) sind Finsterwalde, Herzberg, Jüterbog, Lutherstadt Wittenberg, Torgau und Mühlberg. Die kürzere Fahrt biegt bereits in Herzberg in Richtung Torgau ab. Auf Facebook stellen die Sportler am Sonntag immer mal wieder aktuelle Informationen und Fotos (facebook.com/sunsportteamev). Aus der Erfahrung versierter Radfahrer heraus seien die Rundkurse so gewählt, dass der Wind auf dem Hinweg möglichst von vorn kommt, um sich dann bei nachlassender Kraft in Richtung Elsterwerda ein wenig „schieben“ zu lassen.

Um solche Strecken bewältigen zu können, müssen im Vorfeld reichlich Kilometer gestrampelt werden. Wer es einrichten kann, so Mario Friedel, trainiert unter der Woche. Das gemeinsame Training startet an jedem Sonntag um 8 Uhr am Studio in Elsterwerda. Die Bad Liebenwerdaer werden dann gegen 8.30 Uhr in der dortigen Bergstraße „eingesammelt“. „An den Vormittagen schaffen wir 70 bis 130 Kilometer. Unser Ziel ist es immer, pünktlich zum Mittagessen wieder zu Hause zu sein“, schmunzelt der 39-jährige Brennstoffhändler. Das erklärt, warum nur selten eine Frau mitradelt. Ambitionierte Mitfahrer(-innen) seien zum Training jederzeit willkommen, heißt es.

Zu den erfahrensten Rennfahrern in dem Verein gehören Marco John, zweimaliger Iron-Man-Bezwinger auf Hawaii und Sportstudiochef, und Bernd Raum aus Elsterwerda. Der 72-jährige Ingenieur für Maschinenbau ist zwischen 1960 und 1975 Radrennen gefahren, davon zwei Jahre in der Leistungsklasse auch gegen Radsportgrößen der DDR. Er startete einst für Aktivist Plessa. Seine größten Erfolge waren Platz 8 bei den DDR-Meisterschaften im Querfeldeinfahren, dreimal Bezirksmeister auf der Straße beziehungsweise im Querfeldein sowie zwei Starts in der DDR-B-Auswahl für BSG-Sportler.

Auch nach der Wende blieb Bernd Raum aktiv. Siebenmal bestritt er den knallharten Ötztaler Radmarathon über 238 Kilometer, vier Pässe und 5500 Höhenmeter. „Meine Bestzeit liegt bei elf Stunden und einer Minute. Für den Marathon habe ich vorher bis zu 8000 Kilometer trainiert. Ansonsten ist der nicht zu schaffen“, sagt der drahtige Senior. Auch heute noch zeigt er so manch Jüngerem das Hinterrad. „Als Radfahrer ist man immer an der frischen Luft, kennt jedes Dorf“, schwärmt er von den Touren durch Elbe-Elster.

Einen ganz anderen Hintergrund hat Mario Friedel: „Bis 30 war ich ein Couchpotato. Ich musste was tun. Heute ist der Sport mein Ventil zur Arbeit. Denn ich arbeite gern und viel. Das Radfahren macht den Kopf wieder frei“, versichert der 39-Jährige. Im Jahr kommt der Elsterwerdaer „lediglich“ auf etwa 2500 Trainingskilometer. Mehr lassen Familie und Beruf nicht zu.

Schnell noch ein Foto vor der herrlichen Landschaftskulisse in Österreich, dann geht die Bergtour für Bernd Raum (l.) und Mario Friedel weiter.
Schnell noch ein Foto vor der herrlichen Landschaftskulisse in Österreich, dann geht die Bergtour für Bernd Raum (l.) und Mario Friedel weiter. FOTO: Privat