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| 06:25 Uhr

Schwer rekordverdächtig
Der Schöne und das (große) Biest

 Insgesamt 344 Kilo bringt der Riesenkürbis von Enrico Burigk (57) aus Friedersdorf final auf die Waage.
Insgesamt 344 Kilo bringt der Riesenkürbis von Enrico Burigk (57) aus Friedersdorf final auf die Waage. FOTO: Veit Rösler
Friedersdorf. 344 Kilogramm bringt der Riesenkürbis von Enrico Burigk aus Friedersdorf final auf die Waage.

Ab sofort soll die ausgewachsene 344 Kilogramm schwere Riesenfrucht von Enrico Burigk aus Friedersdorf bei verschiedenen Veranstaltungen in und um Friedersdorf beziehungsweise vor dem Hoftor des 57-Jährigen ausgestellt werden. Bevor es soweit ist, musste über Monate ein optimiertes Prozedere eingehalten werden. Grundsätzlich stammt das Mutterkörnchen des Riesenkürbis von einem Züchter aus den USA. Die Ähnlichkeit mit einem Präsidenten wäre eher zufällig.

Seit sechs Jahren züchtet Enrico Burigk leidenschaftlich Riesenkürbisse. Im letzten Jahr war ein 265-Kilo-Kollos bereits ein erster Teilerfolg. Bis über eine Tonne reichen die Möglichkeiten. Gegen die extreme Sonne des Sommers hat der Kürbis sogar ein eigens, für ihn errichtetes Sonnendach erhalten. Klar, dass jeden Tag gewissenhaft gewässert und gedüngt werden muss.

Schon die Befruchtung der noch winzigen weiblichen Kürbisblüte ist eine Wissenschaft für sich. Diese wird zunächst mit einem Strumpf vor der natürlichen Befruchtung durch Bienen geschützt. Die eher wahllos agierenden Insekten könnten schließlich unbrauchbares Erbmaterial einschleppen. So muss der Züchter mit dem männlichen Bestäubungsteil an der weiblichen Blüte „herumwurschteln“. Vorausgesetzt, man findet eine. Ist die Aktion geglückt, werden sämtliche weitere Mitbewerber um das Kürbisfutter abgeschnitten. Schließlich soll alle Energie aus dem Boden in das potenzielle Prachtexemplar wandern.

Der nächste Schritt wird mit dem Zollstock nach bewährten geometrischen Vorgaben vollführt. So muss der Kürbis zwischen drei und fünf Meter von der Wurzel entfernt an der Hauptranke platziert werden. Die Nebenranken müssen in einer ausgeklügelten Konstellation ausgerichtet sein. Die Orientierung auf Sonne, Mond und andere Gestirne, wie auch die Drehrichtung der Erde wurden hier noch nicht berücksichtigt. Diese spielen aber sicher auch eine Rolle.

Bei optimalen Bedingungen, bei sehr viel Licht, einer günstigen Temperatur (20 Grad) und ausgewogener Bewässerung wächst so ein Kürbis bis zu 20 Kilo pro Tag. Enrico Burigk weiß das so genau, weil jeden Tag eine Buchführung stattfindet. Das jetzt vollendete Rekordexemplar hat sein Dasein laut penibel geführtem Tagebuch am 25. Juni begonnen. Dabei werden die Auswirkungen von reichlich Sonne, Temperatur und genügend Wasser offenkundig.

Noch nicht rekordverdächtig groß und schwer, dafür aber schön ist ein zweites Exemplar im Garten von Enrico Burigk. Also: Ein Kandidat für einen Kürbis-Schönheitswettbewerb. Dieser soll nach der Ernte als Anschauungsobjekt in der Grundschule Rückersdorf landen.

Auch für das Anheben und den Transport der beiden Prachtexemplare gibt es einen ausgeklügelten Mechanismus aus Tragegestell und Hebegeschirr. Traktor und der Chauffeur für die Kürbisse kosten ein paar Bier. Gegessen werden beide Exemplare übrigens nicht, zumindest nicht von Menschen. Sie werden im letzten Akt ihres Kürbis-Daseins an die Tiere im Stall verfüttert. „Was zählt, ist der Spaß“, meint Enrico Burigk – und damit vor allem sicher auch den olympischen Gedanken, so ein Prachtexemplar aufgepäppelt zu haben.